Die Familie Haas – die Haasen – hat im 19. Jahrhundert im damaligen Kleinlaufenburg sowohl im wirtschaftlichen als auch im politischen Bereich eine wichtige Rolle gespielt, wenn nicht sogar die wichtigste. Der letzte Haas, seines Zeichens Blechnermeister – er hatte seine Werkstatt direkt gegenüber vom Rebstock im heutigen „magazin“ – ist im Zweiten Weltkrieg gestorben. Vier Haasen waren vor 1900 Bürgermeister in der Stadt Kleinlaufenburg: Joseph, Anton, Xaver und Eduard.

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Der Seilermeister Joseph Haas und seine Frau Maria Theresia Probst waren Eltern von 16 Kindern. Das fünfte mit Namen Friedrich wird am 10. Februar 1811 geboren. Nach der Volksschule kann der Vater für diesen Sohn das Lehrgeld bezahlen, damit er 1825 in Herbolzheim beim Orgelbauer Schanel seine vierjährige Ausbildung beginnen kann. Dem Schreiber dieses Lebenslaufs ist nicht klar, wie ein Bub auf diesem Milieu den Wunsch haben konnte, solch ein seltenes und anspruchsvolles Handwerk zu erlernen, in dem er zu großem Ruhm aufgestiegen ist.

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Als Wanderbursche erfuhr Friedrich Haas, dass bei der bis heute bestehenden Orgelbaufirma Walcker in Ludwigsburg ein Mitarbeiter gesucht wird. Dort kam zu der handwerklichen Anleitung eine künstlerische Komponente dazu. Im Jahr 1835 eröffnete Friedrich Haas in Murg seine eigene Werkstatt, die auch eine Orgel für die dortige St.-Magnus-Kirche schuf, die als „sehr solid und brauchbar“ benotet wurde. Seinen guten Ruf verdankte er vier Jahre danach einem Auftrag an der Züricher Neumünsterkirche, der ihn in die Schweiz auswandern ließ. Neuenburg, Winterthur, Zofingen, Bern, Lenzburg, Fribourg und Leuggern. Im Münster zu Basel gelang Friedrich Haas ein weiterer Schritt nach vorne, mit dem er 1857 den Orgelbau und den Orgelklang vervollkommnen konnte.

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Ein Jahr später zog er von Basel, wo er die Bürgerstochter Regine Geßler geheiratet hatte, nach Luzern, um dort den Höhepunkt seines Schaffens zu erreichen. Er erhielt den Auftrag die durch ein Erdbeben und durch den Lauf der Zeit marode gewordene große Orgel in der Hofkirche zu erneuern. Der barocke Orgelprospekt blieb bestehen, aber das Innenleben wurde von Friedrich Haas neu gestaltet. Dabei wollte er ein Werk erstellen, „das als das größte der Schweiz und das interessanteste Europas gelten sollte.“

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In den Manualen und Pedalen können 70 Register bespielt werden, wobei das vierte Manual – eine Erfindung von Haas – als sogenanntes Fernwerk unter dem Kirchendach als „Tonkammer“ eingerichtet wurde. Die Luftzufuhr verbesserte er durch neuartige Schwellwerke. Am 4. September 1862 wurde das neue Wunderwerk der Luzerner Hofkirche eingeweiht. Ein Portrait an einem Pfeiler unter der Orgelempore erinnert bis heute an den Urheber dieses Klangwunders. Stadt und Kanton Luzern ehrten Friedrich Haas mit dem Bürgerrecht, er dankte dies mit der Tatsache, dass er bis zu seinem Tod am 18. Juli 1888 im Alter von 77 Jahren dort sesshaft blieb. Seine Heimatstadt hat er darüber nicht vergessen und immer wieder Kleinlaufenburg besucht, wo damals sein Bruder Eduard als ehrenamtlicher Bürgermeister amtierte.