Das Fest des Hl. Georg wird in der Region alljährlich am 23. April gefeiert, hier unter dem Namen „Jörgentag“. Er war lange Zeit ein wichtiger Feiertag, insbesondere für die Leute Hotzenwälder. An diesem Tag wurde in allen Kirchen des früheren Hauensteiner Landes vormittags ein feierlicher Gottesdienst gefeiert.

Mittags ging es alljährlich zur Wahl des neuen Einungsmeisters „auf freiem Feld und unter offenem Himmel“. Das aktive und passive Wahlrecht hatten alle verheirateten Männer. Der bisherige Einungsmeister leitete die Wahlen. Die aufgerufenen Kandidaten standen dann in gewissem Abstand. Die wahlberechtigten Männer stellten sich dann zu dem Kanditaten der für Sie gewählt werden sollte. Wer die meisten Wahlmänner bei sich stehen hatte, wurde neuer Einungsmeister, gewählt für ein Jahr. Wochen später wählten dann die acht alten und acht neuen Einungsmeister ihren „Redmann“, den höchsten Vertreter und Sprecher der Bauernschaft in der Grafschaft. Bei dieser Wahl war auch der Waldvogt anwesend.

An diesem Tage wurde weiterhin der Kirchenaufseher (Stecklimeister) und Messmer gewählt. An diesem Tage wurde des weiteren das Wasser für die Wühren geregelt. Bei den Bauern auf dem Wald wurden an diesem Tag das Gesinde (Angestellten) meist bis zum Martini-Tag am 11. November angestellt, und winters bis nächsten Jörgentag freigestellt.

Die Geschichte des Heiligen Georg

Georg war zur Zeit des Kaisers Diokletian Offizier im römischern Heer und stammte aus Kappadozien, einer Landschaft in Kleinasien. Er bekehrte sich wie viele andere zum Christentum. Eines Tages kam er in die Nähe der Stadt Silena in der römischen Provinz Lybien, wo ein Drache das ganze Volk in Schrecken hielt. Ihm mussten nicht nur Tiere, sondern auch Menschen zum Fraße vorgeworfen werden, damit er von der Stadt ferngehalten werden konnte. Als die Tochter des Königs durch das Los zum Drachenopfer bestimmt wurde, versprach Georg sie im Namen und mit der Kraft Christi zu retten.

Es gelang ihm, den Drachen zu besiegen und das Mädchen zu retten. Zum Dank dafür bekehrte sich die ganze Stadt zum christlichen Glauben. Zurückgekehrt nach Palästina, wo Georg sich mutig für die verfolgten Christen einsetzte, wurde er dann auf Befehl des Kaisers Deokletian grausam gefoltert und schließlich enthauptet. Der Ort seines Martyriums wird in den Legenden nicht einheitlich angegeben, einige Versionen benennen Lydda-Diospolis, später Georgiopolli genannt.

Über die Wirklichkeit dieser Legende wurde viel geschrieben. Verschiedene Päpste waren sich darüber uneins. Papst Paul III. (1534-1549) konnte sie endgültig aus den liturgischen Büchern ausmerzen. Sowohl seitens der Kirchen – wie auch der Profangeschichte tauchten bald auch Zweifel an der historischen Existenz des Hl. Georg auf, sodass er später von vielen tatsächlich in den Bereich der Legende verbannt wurde. Warum gerade St. Georg?

Der Tag war zwar schon vor der Entstehung der Einungen auf der Vogtei Hauenstein besonders für die bäuerliche Bevölkerung, ein kirchliches Fest. Man kannte schon in vorchristlicher Zeit zu Beginn des Frühjahres religiöse Feste mit heiligen Riten und Opfern, die dann im Laufe der Christianisierung übernommen und mit christlichen Vorstellungen gefüllt wurden.

So wurde das Fest des Hl. Georg zunächst zum Bittag der Bauern. Doch auch die Idee des Heiligen als Kämpfer und Streiter für die Wehrlosen, die Verfolgten, wie ihn die Legende vom Drachenkampf schildert, war bei den Bauern nicht unbekannt und wurde so als Patron für die Hauensteiner und die Einungen angenommen.