Seinen 80. Geburtstag vor fünf Jahren feierte Martin Blümcke mehrere Tage lang. Zunächst natürlich am Jahrestag mit der Familie. Dann folgten immer neue Runden mit Freunden und Nachbarn. Damit wären bereits drei wichtige Dinge über Martin Blümcke gesagt: Er mag das Leben, er mag die Menschen, und die Menschen mögen ihn.

Die Liebe führte den im Brandenburgischen gebürtigen, am Niederrhein aufgewachsenen und in Württemberg tätigen Kosmopoliten der Provinz ins badische Laufenburg. Hier lernte der leitende Redakteur des Süddeutschen Rundfunks 1977 bei einer Recherche über die Laufenburger Fasnacht seine heutige Frau Barbara Rueb kennen. Die Liaison hatte Blümckes dritte Ehe, zwei Töchter und einen unschätzbaren Gewinn für Laufenburg zur Folge. Denn vier Jahre nach Blümckes Umzug 2000 in die Waldstadt betraute der damalige Bürgermeister Roland Wasmer den studierten Germanisten, Volkskundler und Historiker sowie pensionierten Hörfunk-Journalisten mit der ehrenamtlichen Betreuung des Stadtarchivs.

Mit seiner unerschöpflichen Neugier, seinem enzyklopädischen Wissen, seinem charmanten Wesen und der ihm eigenen Akribie machte Blümcke das jahrzehntelang vernachlässigte Archiv von einer Loseblattsammlung zu einem wohlstrukturierten Speicher Laufenburger Geschichte. Er ordnete und archivierte nicht nur zahllose Meter kommunaler Aktenbestände. Es gelang ihm auch, wichtige private Nachlässe zu sichern. Blümckes Laufenburger Meisterstück war die Unterbringung des Stadtarchivs im Feuerwehrhaus Süd. Hier sind seit 2016 Schriftstücke und Objekte der Stadtgeschichte professionell verwahrt. Auch das Archiv der katholischen Pfarrei Hochsal ordnete Blümcke. Darüber hinaus verfasst er seit vielen Jahren für unsere Zeitung Beiträge zur Geschichte Laufenburgs.

Martin Blümcke kennt sich ausgezeichnet aus in Geschichte und Brauchtum des Südwestens und hat zahlreiche Titel zur Heimat- und Landeskunde Baden-Württembergs veröffentlicht. Unter seinen Publikationen über Laufenburg müssen drei besonders erwähnt werden. 2007 kam zum 800-jährigen Bestehen der Stadt „Laufenburg – Bilder erzählen Geschichten“ heraus, woran er maßgeblich Anteil trug. 2019 erschien der zusammen mit Franz Schwendemann erarbeitete Band „Heimatbriefe für die Soldaten der Stadt Laufenburg (Baden)“, in dem erstmals die nationalsozialistische Zeit Laufenburgs beleuchtet wird. 2016 wurde „Adolf ‚Götti‘ Rueb – der letzte Laufenburger Salmenfischer, Narro, Musiker und Original“ veröffentlicht, eine Miniatur zur Historie der Salmenfischerei und der Fasnacht, aber auch ein kleines Stück Familiengeschichte. Denn beim „Götti“ handelt es sich um den Patenonkel von Blümckes Ehefrau Barbara Rueb.

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2012 überreichte die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer im Laufenburger Ratssaal Martin Blümcke für dessen ehrenamtliches Engagement das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Die meisten Ämter hat er inzwischen abgegeben: 2001 den Vorsitz des Vereins Narrenschopf Bad Dürrheim und des Arbeitskreises Heimatpflege im Regierungsbezirk Tübingen, 2005 den Vorsitz des Schwäbischen Heimatbunds, dessen Zeitschrift „Schwäbische Heimat“ er lange leitete, 2012 die Mitarbeit im Vorstand des grenzüberschreitenden Bewohnervereins Laufenburg, 2015 die als Ältester in der Evangelischen Kirchengemeinde Laufenburg. Nur im Museumsverein Schiff ist der Germanist, Volkskundler und Historiker heute noch aktiv – und eben als Stadtarchivar.

Erst vor wenigen Monaten räumte Martin Blümcke im Haus an der Hauptstraße das Dachgeschoss, wo er bei Jazz und Klassik seines geliebten Senders SWR 2 sowie gerne einem Glas Trollinger am Schreibtisch saß, und bezog ein kleineres Arbeitszimmer. Dort verfasst er auf einer Schreibmaschine seine Beiträge, im Augenblick arbeitet er an er weiteren Familiengeschichte, die der Blümckes.

Von den beiden Töchtern lebt eine mit ihrer Familie in Laufenburg unmittelbarer Nachbarschaft, die andere in Bergisch Gladbach, von den beiden Söhnen aus zweiter Ehe ist einer mit seiner Familie bei Karlsruhe zuhause, der andere in Ravensburg. Die vier Kinder haben ihrem Vater zum 80. eine gemeinsame Reise nach Hohenlohe geschenkt. Mitte Juli treten sie sie an. Es ist an der Zeit, denn heute wird Martin Blümcke 85 Jahre jung.

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