Seine Stimme ist kraftvoll und doch weich und sonor. Mit der Epinette des Voges untermalt Roland Kroell melodisch die von ihm vertonten irischen Segenssprüche und Liebesgedichte von James Joyce. Faszinierende Klänge strömen durch das Laufenburger Haus Mariagrün und schlüpfen durchs Fenster mit der malerischen Aussicht über den Rhein in Richtung Schweiz.

Dabei wird der heute 66-Jährige als Kind für völlig unmusikalisch gehalten. In einer Familie aufgewachsen, in der die Eltern gerne Operetten hören, die Brüder Geige und Klarinette spielen, befindet der Jüngste klassische Musik als wenig inspirierend. Er lässt sich lieber von der Rockmusik der späten 1960er begeistern. Mit Bob Dylan, Cat Stevens und Donovan als Vorbilder will der junge Roland Kroell eine Rockband gründen und nimmt Gitarrenunterricht bei einem Freund. „Eine neue Welt tat sich auf“, staunt Kroell noch heute.

Mit Gitarre: Roland Kroell 1970 als Rock-Rebell.
Mit Gitarre: Roland Kroell 1970 als Rock-Rebell. | Bild: Archiv Roland Kroell

Den Traum einer eigenen Rockband immer präsent reist Roland Kroell in den Sommerferien 1970 mit einem Freund nach Irland. Zum ersten Mal hört er englische Musik live in einem Dubliner Folk Club, wo die Iren musikalisch gegen das Empire, den Vietnam- und den Kalten Krieg aufbegehren. Weitere Reisen nach Schottland und Irland sollen folgen. Er wird die irische Tin Whistle lernen, den Dudelsack und viele andere traditionelle Instrumente, die er sich teilweise sogar eigens nach seinen Vorstellungen fertigen lässt.

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Angeregt durch den irischen Freiheitskampf schreibt Roland Kroell 1974 die ersten Lieder über den deutschen Bauernkrieg. Die Rockmusik tritt in den Hintergrund, die E-Gitarre wird verkauft. Er singt seinem ehemaligen Lehrer Emil Müller vor und der schenkt ihm seinen Roman über die Salpeterer mit der Aufgabe, die dort abgedruckten Salpetererlieder zu vertonen. Mit der 1976 gegründeten Band Roland Kroell und die Salpeterer tritt er um Freiburg, in ganz Südbaden, der Schweiz und im Elsass auf und vertont Hörspiele für den Südwestrundfunk. Letzteres wird er 25 Jahre lang erfolgreich machen.

Mit Flöte: Roland Kroell im Jahr 1976 als Salpeterer.
Mit Flöte: Roland Kroell im Jahr 1976 als Salpeterer. | Bild: Archiv Roland Kroell

Drei Jahre lang kann Roland Kroell nur von der Musik leben, dann ist die Folk-Zeit vorbei. Er macht 1983 eine Ausbildung als Gärtner, legt als Selbstständiger kreative Gärten an, die Ehe geht in die Brüche. Zum ersten Mal besucht Roland Kroell in dieser Zeit des Umbruchs das Rainbow-Festival im Tessin und kommt in Kontakt mit keltischen Mythen. „Obwohl ich immer skeptisch gegenüber esoterischen Dingen war, bin ich dort hingegangen.

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Und das Keltische, die Natur, die Rituale, und das Obertonsingen sind eine wirklich spannende Verbindung“ , schwärmt Kroell. Eine neue musikalische Idee nimmt Formen an, der Liedermacher wandelt sich zum Klangforscher. Roland Kroell geht seinen eigenen Weg, entwickelt keltisch-archaische Gesänge, die er bis heute aufführt – am liebsten in großen Kirchen mit schöner Atmosphäre.

Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitet Kroell bis zur Pensionierung 2015 als Bibliothekar im Schweizerischen Muttenz. „Ein Glücksfall“, sagt Kroell lachend. „Sie wollten unbedingt einen Quereinsteiger mit neuen Ideen.“ Daneben ist er weiter als Künstler tätig und entwickelt unter anderem zum Laufenburger Stadtjubiläum 2007 das Mittelaltersingspiel „Tristan und Isolde“.

Mit Harfe: Roland Kroell 2009 als Tristan.
Mit Harfe: Roland Kroell 2009 als Tristan. | Bild: Archiv Roland Kroell

Den weitgehenden Stillstand des künstlerischen Lebens während der Corona-Krise hat Roland Kroell als wenig belastend empfunden: „Ich habe viel geschrieben und gelesen, das Entspannte genossen. Vielleicht kommt jetzt etwas Neues nach, wie es oft so in der Geschichte nach einem Break passiert ist.“ Was hoffentlich noch lange bleibt sind die keltische Klänge und Lieder, die aus Mariagrün über den Rhein wehen.

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