Die Freude ist Ewald Kalt, Mitglied des Vereins Kulturwerk-Stadt Sulz, anzusehen, als er die Kurbel der alten Strickmaschine aus den 1920er-Jahren dreht. „In der Kulturwerk-Stadt haben wir ein altes Handwerk aus der Vergangenheit zurückgeholt und lassen ein Stück Industriegeschichte aufleben“, sagt er.

Ende des 19. Jahrhunderts hätten in Sulz und der Region Usanz die Frauen mit dem Stricken begonnen, um das kleine Haushaltseinkommen, das ihre Männer zumeist als Landwirte erwirtschaften, aufzubessern. „Die Bonneterie in Laufenburg war eines der Unternehmen, das die gestrickten Socken, Handschuhe und Halstücher abgenommen hat“, sagt Kalt.

Ewald Kalt, Mitglied des Vereins Kulturwerk-Stadt, zeigt, wie an den Strickmaschinen einstmals gearbeitet wurde.
Ewald Kalt, Mitglied des Vereins Kulturwerk-Stadt, zeigt, wie an den Strickmaschinen einstmals gearbeitet wurde. | Bild: Dennis Kalt

Die meisten der Frauen strickten bis in die 1960er-Jahre auf Maschinen der Firma Dubied mit Sitz im Kanton Neuenburg, die 1987 die Produktion einstellte. Rund 60 dieser alten Dubied-Maschinen hat der Verein über die vergangenen zwölf Jahre gesammelt. Knapp die Hälfte von diesen Maschinen wurde restauriert und wieder zum Laufen gebracht, so dass jetzt eindrucksvoll gezeigt werden kann, wie in früherer Zeit damit gearbeitet wurde.

Dabei sei es einem Zufall geschuldet, dass der Basler Werner Schaub, ein Spezialist für Dubied-Strickmaschinen, auf den Sulzer Verein aufmerksam wurde. „Er hat auf einem Foto in der Zeitung gesehen, wie ein Mitglied des Vereins ein Schloss einer Strickmaschine verkehrt herum gehalten hat“, schildert Ewald Kalt. Schaub habe sich gleich beim Verein gemeldet und war fortan für die Restaurierung der historischen Maschinen zuständig.

In seiner Werkstatt habe er die Maschinen entrostet, auseinandergebaut, geschmiert, auf den hundertstel Millimeter ausgemessen und Ersatzteile besorgt. Zudem habe er etwa zehn Strickerinnen auf den Maschinen ausgebildet. „Die Restaurierung einer Strickmaschine kostet rund 2000 Franken und nimmt etwa 120 Arbeitsstunden in Anspruch“, rechnet Ewald Kalt vor.

Unter anderem finanziert sich der Verein durch den Verkauf von Strickwaren, die in der Strickstube im Vereinslokal hergestellt werden. „Einmal die Woche treffen sich die Strickerinnen und produzieren auf den alten Maschinen Schals, Kappen, Buchzeichen oder Socken“, sagt Kalt. So haben erst kürzlich sechs Personen das Vereinslokal besucht und Strickwaren für knapp 200 Franken gekauft.

Das könnte Sie auch interessieren

Etwa die Hälfte der Strickmaschinen kommt aus Sulz oder dem Fricktal. Immer wieder meldeten sich jedoch auch Personen aus dem Wallis der Ost- und Innerschweiz oder aus dem Schwarzwald, wenn sie eine verstaubte Strickmaschine auf dem Dachboden fänden. „Etwas bezahlen müssen wir in der Regel nicht. Viele sind dankbar, dass wir die Maschinen mitnehmen“, so Kalt.

Besonders stolz ist der Verein auf die „Super 8“ aus dem Jahr 1931 mit einem mechanischen Computer. Dank eines komplexen Stellwerks lässt sich die Maschine so programmieren, dass sie in einem Arbeitsgang mehrfarbige Muster stricken kann. So ist denn auch die Begeisterung über die neue Strickstube groß, wo die Strickerinnen auch auf der „Super8“ das alte Handwerk vor den Besuchern aufleben lassen.