Ob Klassik in Clubs, Lunchkonzerte, Picknick-Konzerte, Cocktailkonzerte, Musik über Mittag, moderierte oder inszenierte Konzerte – der Klassikbereich ist innovativer und vielfältiger geworden. Auch das Festival "Junge Klassik" im Schlössle Laufenburg ging beim Auftaktkonzert mit "Cello meets Cello" vorsichtig neue Wege, probierte ergänzte Konzertformate aus und hatte Ansätze eines inszenierten Konzerts.

Neuer Umgang mit klassischer Musik

Es ist ja der Anspruch dieser Reihe, einen neuen Umgang mit klassischer Musik zu erproben und junge Leute an das klassische Konzertmodell heranzuführen. Es scheint ein Herzensanliegen von Natalia Dauer, auch einmal Filmmusik zu präsentieren und ihre Arrangements für zwei Celli waren hörbar eine Liebesarbeit.

Die Bogen werden wie Laserschwerter gekreuzt

Aber da es um Filmmusik ging, sollte es wohl über die akustische Ebene hinausgehen, und so wurden einige spaßige visuelle Aspekte in die Livemusik hineingebracht. In einer Episode aus "Star Wars" kommen die Musiker aus dem Off mit einem Spielzeugraumschiff und kreuzen die Bogen wie Laserschwerter; in dem James Bond-Thema setzen sie beim Spielen Sonnenbrillen auf und markieren die typische James Bond-Pose mit fiktivem Colt wie auf den Filmplakaten.

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Mystisch wird der Auftritt im "Herr der Ringe", wenn sie "Gollums Lied" spielen und zuvor eine Fantasyszene vorführen. In der Titelmelodie zu "Der Pate" trägt Nathan Zürcher einen Borsalino und streicht kräftig die Melodie, während Natalia Dauer die Pizzicatobegleitung übernimmt.

Anderer Blickwinkel auf die Musik

Da wird also vertrautes Hören in neue bildliche Zusammenhänge gebracht. Und ein anderer Blickwinkel auf die Musik gelegt. Das war recht unterhaltsam und ging, wenn nicht in Richtung Performance, so doch schon in Richtung "sichtbare Musik". Natalia Dauer und ihr Cellopartner waren ihre eigenen Regisseure und alle Filmtitel von ihr raffiniert bearbeitet.

Eigene Kompositionen können sich hören lassen

Bemerkenswert ist nicht nur, dass beide das etablierte Kunstformat Konzert aufbrechen, sondern auch eigene Kompositionen bringen, die sich hören lassen können. Etwa Natalia Dauers durch dunklen Himmel, Sterne und Sternbilder inspirierte, fein artikulierte Lyrik in "Nachthimmel" – ein hübsches Stück, und gar nicht zu kurz, angelegt zwischen Arvo Pärt und Philip Glass. Oder Zürchers sehr ausgearbeitete Moderne Suite in vier Sätzen über atmosphärische Aspekte, gespielt mit prägnantem authentischem Profil.

Interpretationen wirken lebendig und farbig

Überhaupt wirkten alle Interpretationen lebendig und farbig. Das Duo Dauer/Zürcher zog alle Register seines Könnens, das Programm war ernsthaft und kurzweilig zugleich und originell in jeder Beziehung. So nutzten die jungen Cellisten die sanglichen und rhetorischen Qualitäten ihres Soloinstruments intensiv und emotional (Dauer), gleichwohl wendig und schlank im Ton (Zürcher) voll aus: angefangen von einem Barockstück über einen gehaltvollen langsamen Satz von Offenbach und einem Stück aus Duos für zwei Celli von Gliere bis zu dem ursprünglich nicht für diese Besetzung geschriebenen Tango "Oblivion" von Piazzolla als Zugabe. Beider Auftritt war richtig schöne "Klangrede", bei der man auch das Kopfkino einschalten konnte.