Wer sich die idyllische Rheinlandschaft zwischen Laufenburg und Obersäckingen zu Gemüte führen will und sich darüber hinaus noch für die Schleuse am Laufenburger Kraftwerk als technisches Denkmal begeistern kann, ist mit dem „Löwe von Laufenburg“ gut unterwegs. Mit diesem Fahrgastschiff bietet das Schifffahrtsunternehmen Jürgen und Luzia Schroff neben ihren öffentlichen Rundfahrten und Gesellschaftsfahrten einmal im Monat vom Mai bis Oktober eine Schleusenfahrt an.

Voller Stolz: Kapitän Jürgen Schroff am Steuerrad seines Schiffes.
Voller Stolz: Kapitän Jürgen Schroff am Steuerrad seines Schiffes. | Bild: Richard Kaiser

Der Hochrhein wurde bereits in vorrömischer Zeit befahren. Der Schiffsverkehr hatte damals aber in erster Linie eine militärische Bedeutung. Ab dem 11. Jahrhundert waren es wirtschaftliche Gründe, denn vor allem das begehrte Salz wurde auf dem Wasserweg transportiert. Die Waren kamen vom Bodensee, wurden an einem Stapelplatz bei Schaffhausen umgeladen und unterhalb des Rheinfalls flussabwärts weiterbefördert.

Voller Leidenschaft: Gusty Hufschmid bei seinen Dreharbeiten auf dem Laufenburger Fahrgastschiff.
Voller Leidenschaft: Gusty Hufschmid bei seinen Dreharbeiten auf dem Laufenburger Fahrgastschiff. | Bild: Richard Kaiser

Die Stromschnellen bei Laufenburg (auch als Laufen bezeichnet) waren für die Schifffahrt ein weiteres Hindernis. Nach dem Bau der Eisenbahnlinie Basel – Konstanz (1863) wurde der Güterverkehr auf dem Hochrhein immer spärlicher und kam 1895 durch den Bau des Kraftwerks Rheinfelden, das ohne Schleusenanlage errichtet wurde, gänzlich zum Erliegen.

Voller Einsatz: Der Schleusenwärter (links oben) nimmt den Laufenburger „Löwen“ in Empfang.
Voller Einsatz: Der Schleusenwärter (links oben) nimmt den Laufenburger „Löwen“ in Empfang. | Bild: Richard Kaiser

Weitere Kraftwerke mit Staustufen wurden am Hochrhein aus der Taufe gehoben, die für kleinere Boote kein allzu großes Hindernis darstellen, denn sie kommen über Rollwagen oder ähnliche Transporteinrichtungen weiter. Das zwischen 1909 und 1914 gebaute Wasserkraftwerk Laufenburg wurde jedoch mit einer Schleuse ausgestattet, die es Ausflugsboten ermöglicht, die Staustufe zu überwinden. Die Schleuse ist 30 Meter lang und zwölf Meter breit. Ihre Höhe beträgt zehn Meter, ihr Fassungsvermögen 3600 Kubikmeter und für einen Schleusenvorgang muss mit etwa 20 Minuten gerechnet werden.

Voller Vergnügen: Reger Bootsverkehr und Badefreuden bei Murg.
Voller Vergnügen: Reger Bootsverkehr und Badefreuden bei Murg. | Bild: Richard Kaiser

War es von 1981 bis 2000 der „Hochrheinpionier“ des Kapitäns Gottfried Michlmayr, mit dem man von Obersäckingen bis zum Kraftwerk Albbruck-Dogern fahren konnte, wurde nach der Übergabe des Betriebs an seinen Sohn Johann-Peter die Schifffahrtsstrecke oberhalb des Kraftwerks Säckingen frei, da sich dieser mit dem Fahrgastschiff „Trompeter von Säckingen“ auf die Strecke zwischen Bad Säckingen und Schwörstadt konzentriert. Dies bewog Kapitän Schroff, neben seinen verschiedenen Ausflugsfahrten die beliebten Laufenburger Schleusentouren zu übernehmen.

Video: Video- und TV-Produktion Gusty Hufschmid

Die Einfahrt in die Schleuse erfordert viel Geschick. Insbesondere von Westen her, da ein dortiger Felsvorsprung dem 24 Meter langen Schiff wenig Spielraum lässt. Schroff macht die Tour aber mit großer Erfahrung und Leidenschaft und wird dabei von seiner Frau Luzia vorbildlich unterstützt. Sie geht ihrem Mann nicht nur als ausgebildeter Matrose zur Hand, sondern kümmert sich auch um das leibliche Wohl der Fahrgäste. Ein Salatbüffet gehört zur Schleusenfahrt, wobei die Eheleute Schroff größten Wert darauf legen, dass alle Zutaten stets frisch und selbst zubereitet sind.

Voller Dank: Gusty Hufschmid verlässt das Schiff nach getaner Arbeit. Kapitän Jürgen Schroff bedankt sich bei ihm.
Voller Dank: Gusty Hufschmid verlässt das Schiff nach getaner Arbeit. Kapitän Jürgen Schroff bedankt sich bei ihm. | Bild: Richard Kaiser

Die Schleusenfahrt dauert zwei Stunden, ist aber sehr kurzweilig, denn Jürgen Schroff weiß allerhand zu erzählen. Er kennt sich aus mit der Geschichte über Laufenburg und die der Habsburger, über die Entwicklung der Hochrheinlandschaft, über die Lebewesen im und am Rhein und über Vieles mehr. Beispielsweise weiß er über den einst ausgerotteten und inzwischen wieder heimisch gewordenen und streng geschützten Biber zu berichten, dass dieser einst als Kaltblüter eingestuft wurde, um das Fleischspeiseverbot der Fastenzeit zu umgehen. Schroff hat auch ein Herz für Kinder, die bei ihm während der Fahrt mit dem „Löwe von Laufenburg“ die „Praktische Prüfung als Kapitän“ ablegen können und ein Diplom erhalten.

Voller Blick: Gusty Hufschmid bei seinen Dreharbeiten auf dem Laufenburger Fahrgastschiff.
Voller Blick: Gusty Hufschmid bei seinen Dreharbeiten auf dem Laufenburger Fahrgastschiff. | Bild: Richard Kaiser

Die Stadt Laufenburg hat ein großes Interesse am Bestehen der Fahrgastschifffahrt, bringt sie doch zusätzliche Ausflügler und Touristen zu ihr. Um die Laufenstadt noch attraktiver zu machen, erscheint im November ein neuer Film über sie. Dem bekannten Filmemacher Gusty Hufschmid wurde der Auftrag hierfür erteilt. Er ließ es sich nicht nehmen, die jüngste Schleusenfahrt mit seiner Kamera festzuhalten. Beiden Schwesternstädten kommt der Film über zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Events zugute, zeigt er doch die Schönheiten auf beiden Seiten des Rheins – und jetzt noch von der Rheinmitte aus gesehen mit dem Erlebnis einer Schleusenfahrt.

Voll konzentriert: Kritischer Beobachter in der Schleusenkammer.
Voll konzentriert: Kritischer Beobachter in der Schleusenkammer. | Bild: Richard Kaiser

Möglicherweise bekommt das Schiff im kommenden Jahr einen neuen Besitzer, denn Jürgen Schroff, nun bereits im Rentenalter, will sich in den Ruhestand verabschieden. Ein Interessent steht zwar bereit, doch sind die Vertragsverhandlungen noch nicht über die Bühne. Ein Pachtvertrag auf zwei Jahre steht als weitere Option im Raum. Im schlimmsten Fall würde Schroff das Schiff europaweit für andere Gewässer anbieten; doch das würde er selbst am meisten bedauern, fährt er doch seit 2000 mit großer Begeisterung den „Löwen von Laufenburg“ auf dem Hochrhein.