Laufenburg/CH (rik) Historische Karten und Pläne erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit. Insbesondere beeindrucken die gegen Ende des 18. Jahrhunderts gefertigten Gemarkungspläne, die neben ihrer Brillanz eine erstaunlich hohe Genauigkeit aufweisen. Sie sind auf einen 1769 herausgegebenen Erlass der vorderösterreichischen Regierung mit dem Tenor „Das ganze Land soll ausgemessen werden“ zurückzuführen. Anlass war die von Kaiserin Maria Theresia verfügte Steuerreform, die eine gerechte Besteuerung von Grund und Boden vorsah.

In den österreichischen Vorlanden beidseits des Hochrheins waren daher zwischen 1772 und 1787 zehn gut ausgebildete Geometer in 120 Gemarkungen tätig, die die Ergebnisse ihrer Vermessungsarbeiten in großmaßstäblichen Bannplänen zum Vorschein brachten. Einer davon ist der 90 auf 79 Zentimeter große „Plann der Kaiserl.-Königl. Voresterreichischen Wald-Stadt Lauffenburg“ aus dem Jahre 1778, den die beiden Geometer Joseph Fridolin Kunzelmann (1730 bis 1790) und Johann Hienerwadel (1744 bis 1802) anfertigten. Am unteren Kartenrand stellten sie eine 21 Zentimeter lange Maßstabsleiste dar, die 200 Ruthen beinhaltet. Das entspricht einem Maßstab von 1:3000, denn nach Einführung des Metermaßes (1872) wurde eine vorderösterreichische Ruthe mit 3,16 Metern gleichgesetzt.

Weil sich das Hoheitsgebiet der alten Waldstadt bis anfangs des 19. Jahrhunderts bekanntlich über beide Seiten des Rheins erstreckte, hebt sich der Laufenburger Plan von allen Karten dieser Art ab. So kommen gleich zwei Stadtkerne, deren Wald- und Feldflur, sowie zwei Pfarrkirchen mit ihren damals noch nebenanliegenden Friedhöfen darin vor; selbstverständlich auch die teilweise überdachte Brücke, die die beiden Stadtgebiete verband. Auch war 1778 die Burg auf dem Schlossberg noch vollständig vorhanden. Dagegen konnte auf der Karte an den Standort der längst nicht mehr bestehenden Burg auf dem Ofteringer Felsen nur durch ein eingezeichnetes Kreuz erinnert werden. Ein solches stand anschließend viele Jahrzehnte an dieser Stelle. Das wesentlichste Merkmal der Karte ist aber die Beschreibung, Größe und Besitzer der „rusticalen“ (privaten) und „dominicalen“ (Herrschafts-, Gemeinde- und Kirchen-) Güter in der Legende links auf der Karte. Mit Hilfe dieser Daten konnte die Grundsteuer berechnet werden.

Im Jahre 1778 lag der größere Teil der Stadt mit 178 Hektar südlich des Rheins. Der an die Grafschaft Hauenstein angrenzende rechtsrheinische Laufenburger Abschnitt brachte es lediglich auf zwölf Hektar. Zur gewünschten Stadtentwicklung sollte er vergrößert werden und sich mit 61 Hektar bis hoch zur Diegeringer Mühle hinziehen, was einen Streit mit dem Waldvogteiamt Waldshut entfachte. Er endete 1780 durch einen Vergleich dahingehend, dass die Gemarkungsgrenze um 200 Meter nach Süden verschoben wurde, und der rechtsrheinische Laufenburger Teil alsdann 49 Hektar umfasste.

Zur Ausstellung

Die derzeit im Museum Schiff in Laufenburg/CH stattfindende Ausstellung unter dem Titel „Die Hochrheinregion in historischen Landkarten“ ist mittwochs, 14 bis 16 Uhr, sowie samstags und sonntags, 14 bis 17 Uhr, geöffnet.