Der Anteil älterer Personen in der Gesellschaft nimmt zu und mit ihm auch der Bedarf an häuslicher Pflege. Dieser Aufgabe widmet sich in Laufenburg, Murg, Albbruck und Dogern seit 40 Jahren die Sozialstation Heilig Geist. Am Freitag, 9. November, um 17 Uhr beginnt der Gottesdienst in der Kirche Heilig Geist in Laufenburg, um 18.30 Uhr folgt ein Festakt im Pfarrheim Heilig Geist, um diesen Anlass zu feiern.

Häusliche Pflege nicht erst in der Gegenwart

Die christlichen Kirchen betrachten den karitativen Dienst seit jeher als eine ihrer Kernaufgaben. Daher ist die häusliche Pflege auch keine Erfindung der Gegenwart. Früher wurde sie oft von Ordensleuten wahrgenommen, in Laufenburg zum Beispiel von den Gengenbacher Ordensschwestern. Doch weil die Zahl der Berufungen stetig zurückging, musste der Staat diese Lücke schließen.

Für 20 000 Einwohner zuständig

Eine Pionierleistung erbrachte dabei Heiner Geißler in seiner Zeit als Sozialminister von Rheinland-Pfalz, wo 1970 in Worms die Sozialstation St. Lioba als erste in Deutschland gegründet wurde. Diesem Beispiel folgten bald die Gemeinden im Landkreis Waldshut: Zwischen Bad Säckingen und Waldshut sollte – trotz einiger Stimmen aus Laufenburg, die sich zunächst eine kleinere Einrichtung wünschten – eine Station entstehen, die für 20 000 Einwohner zuständig war.

Gut vernetzt

Lange bevor das Thema Seelsorgeeinheiten in aller Munde war, beschlossen die neun katholischen Kirchengemeinden Albbruck, Birndorf, Dogern, Hänner, Hochsal, Laufenburg, Luttingen, Murg und Unteralpfen (deckungsgleich mit den Kommunen Albbruck, Dogern, Laufenburg und Murg), Gespräche mit den politischen Gemeinden und der evangelischen Kirche aufzunehmen. So wurde im Jahr 1978 die Sozialstation Heilig Geist zur ambulanten Kranken- und Altenpflege gegründet.

50 professionelle Kräfte

Deren Aufgaben wurden mit der Zeit immer zahlreicher und vielfältiger, sodass die Zahl der Mitarbeiter wuchs. Heute stehen 50 professionelle Kräfte sieben Tage in der Woche den Patienten helfend zur Seite. Das Team West, geleitet von Marie-Michelle Loderbauer, ist für Laufenburg und Murg zuständig. Das Team Ost, geleitet von Doris Kohler, kümmert sich um Albbruck und Dogern. Daneben engagieren sich zahlreiche Ehrenamtliche in der Kranken- und Altenbetreuung: „Erst deren Einbindung macht die Bewältigung der Aktivitäten möglich“, schreibt der Vorsitzende Bolko von Reinersdorff in einem Grußwort. Er spricht zusammen mit dem Leiter der Seelsorgeeinheit Laufenburg-Albbruck, Pfarrer Klaus Fietz, und Bürgermeister Ulrich Krieger allen Mitarbeitern Dank und Anerkennung für das Geleistete aus.

Die Finanzierung

Ursprünglich waren die Sozialstationen auf Mitgliederbeiträge der katholischen Kirchengemeinden sowie Förderbeiträge der Politik und der evangelischen Kirchengemeinden in derselben Höhe angewiesen, während die Beiträge der Krankenkassen nur 15 Prozent des Budgets ausmachten. Mit der Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 wurden mit den Kranken- und Pflegekassen Leistungsentgelte mit dem Ziel der Kostendeckung vereinbart.

Die Schweiz als große Konkurrenz

Die wirtschaftliche Betriebsführung bleibe dennoch ebenso eine Herausforderung wie die Rekrutierung von Personal, gerade mit Blick auf die lockende Schweiz. Wie Pflegedienstleiter Georg Beck schreibt, ist die Sozialstation seit 2012 selbst in der Altenpflegeausbildung tätig. Außerdem organisiere sie Schulungen und Gespräche für pflegende Angehörige und mache Angebote für Patienten, um deren Angehörige zu entlasten. Wichtig sei ihr außerdem auch die Zusammenarbeit mit den örtlichen Helferkreisen.

Tieferer Sinn des Standorts

Wurde die Sozialstation 1978 in der ehemaligen Schwesternstation in der Laufenburger Andelsbachstraße untergebracht, so bezog sie im Jahr 2012 das erste Obergeschoss im denkmalgeschützten und repräsentativen Pfarrhaus von Hochsal. Im Jahr 1610 war es als Sommersitz der Fürstäbtissinnen des Damenstiftes Säckingen erwähnt worden. Die Wahl dieses Domizils hatte nicht nur praktische Gründe für die Arbeit der Station, sondern auch einen tieferen theologischen Sinn. Denn an diesem Ort wirkte im elften Jahrhundert die heilige Mechthild von Hochsal, die mit ihren Gefährtinnen in der Alten- und Krankenpflege tätig war.