Laufenburg Schweizer Kunden können mit einem Trick mehr Fleisch ausführen

Der Metzger Rainer Stepanek aus Laufenburg-Luttingen entdeckt Lücke in Zollbestimmungen. Seine Schweizer Kunden können achtmal so viel Fleisch einkaufen, wie der Zoll eigentlich erlaubt.

Manchmal ist ein Metzger gescheiter als eine ganze Riege von Juristen und Politikern. Die Juristen und Politiker machen Regeln, der Metzger aber legt sie aus. Beispielsweise dürfen maximal ein halbes Kilo Frischfleisch über die Grenze in die Schweiz eingeführt werden, kein Gramm mehr. Das dachten zumindest alle. Bis der Luttinger Metzgermeister Rainer Stepanek (43) die Zollvorschriften ganz genau studierte – und ein Schlupfloch fand. Seitdem verkauft er seinen Schweizer Kunden achtmal so viel wie die erlaubte Höchstmenge. Und der Zoll ist machtlos. Sogar in Vorarlberg kopieren Metzger jetzt den Stepanek-Trick.

Der Zolltarif Tares regelt minutiös, welche und wie viel Waren Schweizer zollfrei aus der EU in ihr Land einführen dürfen. Bei Frischfleisch sind bis zu 500 Gramm pro Kopf angegeben. Bei gesalzenem, geräuchertem oder getrocknetem Fleisch beträgt die Höchstmenge 3,5 Kilo.

Marinade ist die Lösung

„Als die das verfassten, dachten die natürlich an Speck und ähnliche Dinge“, lacht Stepanek. Aber Salz ist Salz. Und von einem bestimmten Salzanteil stand im Zolltarif auch nichts. Also begann der Luttinger Metzger Ende 2012 damit, Fleisch ganz leicht zu salzen. Auf die Frischhaltepackung kam ein Aufkleber „Mariniert Tarifgruppe 2 laut Tares D6 2010“. „Davon dürft Ihr jetzt dreieinhalb Kilo zusätzlich zu Eurem halben Kilo Frischfleisch mitnehmen“, erklärte Stepanek seinen Schweizer Kunden.

Für 4000 Franken machte er im ganzen Aargau Werbung. Doch keiner glaubte dem Metzgermeister so recht. Die potentiellen Käufer hielten sich zurück. Auch so mancher Grenzbeamte legte sich quer. Das Problem: Die winzigen Salzkristalle waren mit dem bloßen Auge oft nicht erkennbar. Schließlich einigten sich der Metzger aus Luttingen und das Hauptzollamt in Basel. Das Fleisch wird jetzt mit einer sichtbaren Würzmischung behandelt. Manche Kunden bringen vor dem Kauf sogar ihre eigenen Marinaden mit.

Marinaden-Krieg an der Schweizer Grenze

Am ganzen Hochrhein kennen die Zöllner inzwischen das Stepanek-Fleisch mit den roten Aufklebern. In der Luttinger Metzgerei ist der Umsatz um 15 Prozent gestiegen. Die Kunden kommen bis aus Luzern. „Fleisch ist bei uns um die Hälfte billiger als in der Schweiz“, erklärt der Metzgermeister. Dabei ist Stepanek alles andere als ein Discounter. Als einer der wenigen Metzgereien am Hochrhein schlachtet er noch selbst: „Wir verkaufen nur soviel, wie wir auch geschlachtet haben und schlachten nach dem Bedarf unserer Kunden.“

Das Fleisch liefern ein halbes Dutzend Bauern aus der Umgebung. Fast alle Restaurants und Gasthöfe in Laufenburg beziehen ihr Fleisch von Stepanek. Das Schweiz-Geschäft macht gerade einmal 20 Prozent seines Umsatzes aus. Inzwischen ist der Metzger schweizweit ein Begriff. Am 10. Juli berichtete das Wirtschaftsblatt „Handelszeitung“ über den „Marinaden-Krieg an der Schweizer Grenze“, am Samstag die „Blick“, dann die „NZZ am Sonntag“.

So viel darf zollfrei über die Grenze

Bei der Einreise in die Schweiz gelten für Personen ab 17 Jahren folgende zollfreie Freimengen für mitgeführte Waren: Alkohol bis 15 % zwei Liter, über 15 % ein Liter, Zigaretten 200 Stück, Zigarren 50 Stück, Tabak 250 Gramm, Frischfleisch 500 Gramm, gesalzenes, getrocknetes oder geräuchertes Fleisch 3500 Gramm. Darüberliegende Mengen müssen verzollt werden. Die Freimengen werden einmal pro Person und Tag gewährt.

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