Der Zustand des Hochrheinwassers hat sich gegenüber den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts deutlich verbessert. Dennoch gelangen auch an diesem relativ sauberen Abschnitt des Stroms Schadstoffe ins Wasser, die mit der gegenwärtigen Technik der Kläranlagen nicht herausgefiltert werden können. Vor allem der Eintrag von Mikroplastik hat am Hochrhein bereits spürbare Auswirkungen auf die Fischpopulation.

Wichtige Informationen zum Zustand des Rheins lieferte vor zwei Jahren Andreas Fath. Der Professor der Hochschule Furtwangen durchschwamm im Juli und August 2014 für sein Projekt „Rheines Wasser“ den Fluss von der Quelle bis zur Mündung und nahm dabei Messungen vor. Ein 35-köpfiges Team unterstützte ihn. Grundsätzlich ist der Hochrhein im Vergleich zum Mittel- und Niederrhein noch relativ wenig belastet. Doch hinterlassen am Flussabschnitt zwischen Konstanz und Basel Schadstoffe ihre Spuren – vor allem bei den Lebewesen im Fluss.

Die Untersuchungen brachten erstaunliche Ergebnisse. So konnte Fath kaum Pestizide und Herbizide finden. Dies liegt möglicherweise daran, dass zum Zeitraum der Messungen solche Substanzen kaum auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht wurden. Die Belastung des Hochrheins durch Schwermetalle liegt weit unter den vom Gesetzgeber geforderten Grenzwerten. Dafür sind in erster Linie die Kläranlagen verantwortlich. Weil sie immer technisch nachgerüstet werden, können sie immer mehr Schadstoffe aus den Abwässern herausfiltern.

Trotzdem gelangen Stoffe in den Rhein, die mit der Klärtechnik nicht herausgefiltert werden können. Das Team von Fath wies 128 Substanzen nach. Besonders auffällig sind Rückstände aus dem Medizin- und Hygienebereich. So ist im Rhein bei Laufenburg ein erhöhtes Vorkommen sogenannter Blockersubstanzen vorhanden. Sie sind Teil der Medizin, die von Menschen mit Herz-Kreislaufbeschwerden eingenommen werden. Hinzu kommen Substanzen aus Präparaten zur Schwangerschaftsverhütung. Aus dem Hygienebereich sind jene Stoffe auffällig, wie sie in den Reinigungskapseln der Spülmaschinen verwendet werden.

Zudem ist der Fluss mit Mikroplastiksubstanzen belastet. Sie seien zu einer neuen Dimension der Wasserbelastung geworden, so Fath. Der Rhein spült jährlich acht Tonnen Mikroplastik in die Nordsee. Bedingt durch ihre chemische Struktur dienten sie als Transportmittel für viele andere Stoffe. Das Mikroplastik gelangt einerseits über die Niederschläge ins Wasser. Mikroplastik wird in vielen Reinigungsmitteln und in Zahnpasten zur Reinigungsunterstützung eingesetzt und gelangt über die Abwässer in den Rhein.

Der Hochrhrein hat eine intensive Flussgrundaktivität: Die Strömung schiebt Gestein am Flussgrund entlang. Dies sorgt für eine entsprechende Geräuschkulisse unter Wasser, die Wirkung als solches gleicht der einer Gesteinsmühle. Alles, was sich in diesem Geschiebe befindet, wird zermahlen: Plastikflaschen, Plastikbecher und andere Gegenstände aus Kunststoff. Fath war erstaunt, wie viel Plastikabfall sich insbesondre vor den Staustufen der Kraftwerke befindet.

Einst lebten im Rhein 43 Fischarten. Gegenwärtig kommen hier noch knapp ein Dutzend Fischarten vor. Die starke Verschmutzung in den 70er und 80er Jahren haben den Artenreichtum deutlich reduziert. Die Verbauung durch Kraftwerke und Stauwehre haben dem Fluss einen anderen Charakter gegeben. Ausbaggerungen zur Kiesgewinnung und die Vertiefung der Fahrrinnen für Schiffe haben die Lebensräume für die Fische deutlich verändert.

Am Hochrhein wurde der Fluss-Charakter am deutlichsten durch die zwölf 1898 bis 1966 erbauten Wasserkraftwerke verändert. Das ehemals starke Fließgewässer ist verschwunden und damit die Kiesbänke, die für viele Fische als Laichzonen wichtig sind. Der Lachs oder Salm, wie er hier am Hochrhein genannt wird, gilt als ausgestorben. Trotz vielfacher Bemühungen, ihn wieder im Hochrhein sesshaft zu machen, konnten bisher nur ganz wenige Exemplare gesichtet werden. Auch andere typische Rheinfische sind in ihrem Vorkommen rückläufig.

Die Fischervereine entlang des Hochrheins versuchen zwar, mit dem Aussetzen von Jungfischen den Bestand zu erhöhen – der Erfolg ist allerdings eher gegenläufig. Zum einen liegt es nach Aussagen der Fischer am starken Vorkommen der Kormorane. Weit mehr jedoch fallen die Veränderungen der Lebensräume und die Wasserqualität ins Gewicht. So beklagen die Fischereivereine eine Veränderung im biologischen Verhalten der Fische.

Das dürfte nach Aussagen von Andreas Fath wiederum mit dem Mikroplastik zusammenhängen. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich an den Schuppen, den Kiemen wie auch in den Mägen der Fische Mikroplastik und Restsubstanzen von Faserstoffen aus der Wäsche befinden. Da das Mikroplastik als Transporteur anderer chemischer Substanzen dient, erklärt es sich von selbst, dass dieses Substanzenpaket den Fischen und anderen Lebewesen im Rhein zusetzt und sich außerdem negativ auf die Fischpopulation auswirkt. Nicht unterschätzt werden dürfen die Rückstände aus den schon erwähnten Pharmapräparaten, die das biologische Verhalten der im Rhein vorkommenden Fische beeinflussen.

Der Rhein ist in den vergangenen Jahrzehnten sauberer geworden, aber rein ist er noch lange nicht. Die Ergebnisse und Erkenntnisse von Fath fließen bereits in die Entwicklung zur Verbesserung der Klärtechnik ein. So soll das Mikroplastik bei der Verbesserung der Filtertechnik in den Kläranlagen Verwendung finden. Entsprechende Versuche liefen derzeit.

 

Zu Person und Projekt

  • Professor Dr. Andreas Fath wurde 1965 in Speyer geboren. Er ist verheiratet und Vater von drei Söhnen. Mit seiner Familie lebt er in Furtwangen, wo er an der dortigen Hochschule als Professor an der Fakultät Medical and Life Sciences lehrt. Fath ist Inhaber mehrerer Patente, die Fraunhofer-Gesellschaft zeichnete ihn 2011 mit dem Umsicht-Wissenschaftspreis aus.
  • Das Projekt: "Rheines Wasser" hieß der 1231 Kilometer lange Schwimm-Marathon, bei dem Professor Andreas Fath 2014 den Rhein von der Quelle bis zur Mündung durchschwamm. Ein 35-köpfiges Team der Hochschule Furtwangen unterstützte ihn dabei und wertet die vorgenommenen Messungen aus. 2017 will Fath den Tennessee in den USA durchschwimmen.
Informationen im Internet: www.rheines-wasser.eu