Wenn eine deutsche Nachwuchssolistin der Extraklasse Mendelssohns bedeutendstes Klavierwerk, die Variations sérieuses in d-Moll, aufführt, tritt sie in die Fußstapfen legendärer Pianisten wie Horowitz. Bei dem Sonder-Benefizkonzert in der Reihe „Flügel ohne Grenzen“ im Schlössle spielte die Laufenburger Pianistin Gabriela Fahnenstiel dieses von den großen Pianisten geschätzte Schlüsselwerk der romantischen Klaviermusik.

Die sommerliche Soiree hatte als Anlass eine Fernsehaufnahme des SWR. So kam es, dass die Pianistin im Scheinwerferlicht stand, im Vorfeld eines Interviews. Der Panoramasaal war bis hinten gefüllt und dies, obwohl, so Bürgermeister Ulrich Krieger, für viele die Abendunterhaltung an diesem Dienstag der Fußball sei.

Steinway-Flügel eingeflogen

Aber es gibt doch zahlreiche Klavierfreunde und Förderer des neuen Flügels fürs Schlössle und somit wurde der Steinway wieder einmal „eingeflogen“. An ihm saß, mit kräftigem Anschlag, sehr souverän die Werke vorstellend, die 23-jährige Pianistin, gerade auf Semesterferien aus den USA zurück. Wie sie Mendelssohns Hauptwerk in den Raum stellte, war beeindruckend und sehr effektvoll. Immerhin sind es ja 17 „seriöse“ Variationen. Vom Andante bis zum Agitato muss der dynamische Charakter der Musik ausgelotet werden, hat sich die Spielerin mit Synkopen, Staccati, Sforzati, Bassoktaven, Arpeggien, Figurationen, Triolen und einem Tremolo-Orgelpunkt „herumzuschlagen“.

Pianistin und Kameramannn: Gabriele Fahnenstiels Benefizkonzert wurde vom SWR-Fernsehen aufgezeichnet. Bild. Jürgen Scharf
Pianistin und Kameramannn: Gabriele Fahnenstiels Benefizkonzert wurde vom SWR-Fernsehen aufgezeichnet. Bild. Jürgen Scharf | Bild: Picasa

Bis zum abschließenden furiosen Presto zeigte Fahnenstiel ihre geläufigen Finger und stupende Virtuosität. Wer in dem Alter schon so spielt, der verspricht höchst Beachtliches. Übrigens passte dieses Variationenwerk perfekt zum Anlass eines Benefizkonzertes. Schrieb es doch Mendelssohn für ein Benefizalbum, einen Sammelband mit Werken verschiedener Komponisten der Zeit; mit dem Erlös beteiligte er sich zugunsten eines Beethovendenkmals in Bonn.

Kraftvoller Anschlag

Auch die anderen aufgeführten Werke an diesem ohne Pause durchgespielten Klavierrecital zeigten die manuellen Fähigkeiten Fahnenstiels, ein mit kraftvollem Anschlag dargebotener Satz aus der Schubert-Sonate D-Dur, die Valse-Caprice Nr.6 von Liszt und eine kleine Auswahl von Mendelssohns „Lieder ohne Worte“, die ihr – man denke nur an das „Allegro leggiero“ – leicht und flüssig von der Hand gingen.

Freund als Überraschungszugabe

Als Überraschungszugabe spielte sie ein Prélude in d-Moll von Robert Freund, dem zweiten Ehemann von Mary Codman, der Hausdame des Schlössles und Laufenburger Ehrenbürgerin, nach der die neue Konzertreihe benannt ist. Das eingängige, kurze wie charmantes Stück versetzte die Zuhörer zurück in die Atmosphäre um 1900. Wie Maria-Theresia Rist vom Förderverein Kultur im Schlössle anfügte, könnte man sich durchaus vorstellen, dass Robert Freund dieses Stück an einem Sommerabend wie diesem gespielt hat und sich die poetischen Töne mit den Klängen des Laufen mischten.