Unterschiedlicher könnten die beiden Reisegesellschaften kaum sein. Am Dienstag bestieg die deutsche Fußballnationalmannschaft zusammen mit 40 Betreuern, darunter zwei Köche, acht Ärzte und mehrere Physiotherapeuten, auf dem Flughafen Frankfurt am Main die Lufthansa-Maschine nach Moskau. Einen Tag später packten am Mittwoch Rainer Martin und Axel Ebner auf dem Waldshuter Campingplatz ihre minimalistische Ausrüstung aufs Rad.

Der Luttinger und der Schmitzinger haben aber dasselbe Ziel wie die deutsche Nationalelf: das Moskauer Luschniki-Stadion. Dort wird am 15. Juli um 17 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) das Endspiel der heute beginnenden Fußball-WM angepfiffen. Während für Jogi Löw und seine Spieler die Reise zum Finale im besten Fall sechs Spiele dauert, haben der 46-jährige Elektrotechniker Martin und der 43-jährige Heizungsbauer Ebner für ihre insgesamt 4300 Kilometer lange Route 54 Tage angesetzt.

Das Zelt, die Fahrräder und das wasserdicht verpackte Gepäck warten am Tag nach der Abschiedsparty am Campingplatz Waldshut auf die Abreise.
Das Zelt, die Fahrräder und das wasserdicht verpackte Gepäck warten am Tag nach der Abschiedsparty am Campingplatz Waldshut auf die Abreise. | Bild: privat

Von Waldshut geht es mit selbst gebauten Tourenrädern zunächst nach Augsburg, dann der Donau entlang in die österreichische Hauptstadt Wien. Von dort ein Stück auf Napoleons Spuren über Austerlitz und Breslau, nach Kiew. In der Ukraine ist ein Besuch bei Tschernobyl fest eingeplant. Am 14. Juli wollen die beiden Extremsportler mit dem Fahrrad das Moskauer WM-Stadion erreicht haben.

Anders als bei der Nationalelf ist für Rainer Martin und Axel Ebner die Reise in der russischen Hauptstadt noch nicht zu Ende. Wenn die Spieler schon Urlaub haben, radeln die beiden Südbadener über St. Petersburg weiter ins finnische Helsinki. Von dort mit dem Schiff über die Ostsee nach Travemünde, wo ein Wiedersehen mit der Familie und Freunden geplant ist. Ein Transporter bringt die beiden Langstreckenradler dann zurück an den Hochrhein.

„Wir starten völlig autark, mit nur einem Zelt und einem Benzinkocher im Gepäck, und wollen, nachdem wir Moskau erreicht haben, mit dem Fahrrad weiterfahren, um schlussendlich das finnische Helsinki zu erreichen“, erklären Rainer Martin und Axel Ebner die in einem sozialen Netzwerk unter dem Titel „@Moskau“ ihren 67 dort vertretenen Freunden. Vorausgegangen ist der Radreise eine akribische Vorbereitung unter der Maxime: möglichst wenig Gewicht! Um abends warm essen zu können, wurde ein Benzinkocher mitgenommen, weil es laut Weltenbummler Martin „an ausländischen Tankstellen erfahrungsgemäß kaum Gas zu kaufen gibt, aber Benzin immer“.

Wieder einmal werden die beiden Langstreckenradler bei einer Reise an ihre physischen Grenzen gehen müssen. Das Duo hat Erfahrung damit. Vor drei Jahren radelten die langjährigen Freunde bereits von Luttingen in exakt 28 Tagen 3700 Kilometer weit ans Nordkap in Norwegen.

30 Freunde verabschiedeten die Radler auf dem Zeltplatz Waldshut. Auch aus den sozialen Netzwerken kamen Glückwünsche und aufmunternde Worte: „Hals & Pedal-Bruch!“, "hoffentlich lassen die Bären euer Zelt in Ruhe“, „Rainer, bring mir Putin mit“ oder „wo ladet ihr eure E-Bikes auf?“ E-Bikes? So etwas kennen Rainer Martin und Axel Ebner nicht. Sie fahren M-Bikes. "M" wie Muskel.