Das sichtbare Mauerwerk der Burgruine Hauenstein bei Albbruck entsprach 135 Jahre lang nicht der Darstellung in der Flurkarte der Vermessungsverwaltung. Denn dort war bis 2018 noch die topografische Aufnahme aus dem Jahre 1883 enthalten. Zuvor, aber insbesondere danach, nämlich 1892 und 1906, wurden die Burgmauern anlässlich behördlicherseits durchgeführter Renovierungsarbeiten verändert.

Die Dienststelle Flurneuordnung der Landratsämter Lörrach und Waldshut in Bad Säckingen hat mit auszubildenden Vermessungstechnikern den Wunsch von Heimatforschern, die Überreste des Wahrzeichens der Grafschaft Hauenstein terrestrisch aufzumessen, vergangenes Jahr in die Tat umgesetzt und das Ergebnis in einer Karte dargestellt, das alsdann auch im amtlichen Liegenschaftskataster Eingang fand.

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Bis ins Jahr 1806 existierte die Grafschaft Hauenstein, die das Gebiet zwischen Wehra und Schwarza/Schlücht umfasste. Ihr Verwaltungssitz war lange Zeit die Burg oberhalb der Stadt Hauenstein. Dort residierten von der vorderösterreichischen Regentschaft eingesetzte Waldvögte. 1473 galt das Bauwerk als nicht mehr stabil, sodass bald darauf das Waldvogteiamt nach Waldshut verlegt wurde.

Dennoch herrschte weiterhin Leben auf der Burg, was sich freilich änderte, nachdem sie 1503 durch Unvorsichtigkeit ihrer Bewohner niederbrannte. Ein Aufbauversuch durch den damaligen Waldvogt endete zwar 1510 wieder, doch setzten Franzosen Teile der Brandruine 1644 als ihren Stützpunkt einigermaßen wieder instand. Später nutzte das Waldvogteiamt den Wohnturm noch als Gefängnis.

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1804 wurde die 65 Meter lange Mauer an der Südseite des östlichen Teils der alten Burg abgetragen, weil von ihr hin und wieder Gesteinsbrocken auf die unter ihr verlaufende Landstraße fielen und auch Gebäude beschädigten. Damit verlor das Alte Schloss, wie man es gerne nannte, immer mehr von seinem Charakter.

Von 1991 bis 1995 wurde das 103 Meter lange und bis zu 26 Meter breite Monument von der staatlichen Hochbauverwaltung unter Mitwirkung des Landesdenkmalamtes letztmals gründlich konserviert; gleichwohl konnte dies einem Pflanzenwachstum bis hin zur Überwucherung des östlichen Teils der Anlage keinen Einhalt gebieten.

2008 wurde der Verein zur Förderung der Geschichte der ehemaligen Grafschaft Hauenstein e.V. gegründet, der sich vielfältige Aufgaben setzte. Die diesem Gremium zugehörigen historischen Einungsmeister und ihr Redmann waren es dann auch, die das Burgareal mit ihren zahlreichen Arbeitseinsätzen wieder in einen ansehnlichen Zustand brachten.

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Doch damit nicht genug. Die künftige Pflege sollte gesichert sein, die der 2013 ins Leben gerufene Förderkreis zur Erhaltung der Burgruine Hauenstein e.V. übernahm. Er ist bestrebt, seinem Namen zum Wohle aller Besucher des romantischen Naherholungszieles gerecht zu werden.

Neuvermessung 2018

Angesichts von vorgefundenen eingehauenen Jahreszahlen kann davon ausgegangen werden, dass die Burgmauern 1892 sowie 1906 in den Zustand versetzt wurden, wie sie sich heute zeigen, denn bei der Erhaltungsmaßnahme in den 1990er Jahren wurden keine Änderungen vorgenommen. Die Kartenunterlagen des Vermessungsamtes hatte man jedoch nie korrigiert, sie zeigten bis vor Kurzem noch das Ergebnis der Erstvermessung aus dem Jahre 1883, das im Gemarkungsatlas von 1886 ersichtlich ist.

Dieser Plan der Burgruine Hauenstein von 2018 zeigt die aktuellen Burgmauern (gelb), die Zufahrt (grau) und den Stand von 1883 (schwarz).
Dieser Plan der Burgruine Hauenstein von 2018 zeigt die aktuellen Burgmauern (gelb), die Zufahrt (grau) und den Stand von 1883 (schwarz). | Bild: Richard Kaiser

Neue Erkenntnisse brachte die im Jahre 2018 erfolgte Vermessung des Grundrisses der Burgruine Hauenstein mit sich. Vier angehende Vermessungstechniker ermittelten zwei Tage lang die Ausmaße der historischen Mauern und zeigten ihre Ergebnisse in einem Lageplan auf. Darin wurde die jetzige topografische Aufnahme der letztmaligen von 1883 gegenübergestellt.

Bereits bei der ersten amtlichen Vermessung der Burgruine im Jahr 1883 war ein zentimetergenaues geodätisches Lagefestpunktfeld im gesamten Großherzogtum Baden mit mehr als 50 000 trigonometrischen Punkten (TP) vorhanden, und einer davon war aufgrund der exponierten Lage auch an der höchsten Stelle der Hauensteiner Burgruine als Granitpfeiler vermarkt.

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Doch erfolgte die Einmessung der historischen Mauern im Innenbereich der Burg nur auf volle Meter. Aber nicht diese „Ungenauigkeit“, sondern eine nicht eingemessene Mauerabzweigung, verbunden mit einer generalisierten Darstellung der Mauerlinienführung, erbrachte ein verfälschtes Kartenbild.

Und weil der damalige Geometer die Messung an jener Stelle nicht durchgeführt hatte, musste er die häusliche Ausarbeitung diesbezüglich aus dem Gedächtnis heraus fertigen. So war in der bis 2018 gültigen Liegenschaftskarte eine Rundmauer eingezeichnet, die es an dieser Stelle wegen des nahezu senkrecht abfallenden Bergrückens gar nicht geben konnte.

Abgestürzter Wohnturm

Anders sieht es im westlichsten Teil der alten Burg aus. Der im bisherigen Plan dargestellte Eckpunkt der Burgmauer ist derzeit nicht mehr vorhanden. Eine 43,80 Meter lange Steinmauer führt ab der östlichen Kante des gegenwärtigen Burgeingangs laut Handriss von 1883 zwar dorthin, doch heute ist in diesem Bereich kein Mauerwerk mehr zu erkennen.

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Dennoch war dieser Teil der Hauensteiner Burg aufgrund der zahlenmäßigen Einmessung damals zumindest als Gebäuderest noch vorhanden. Manche Kenner der Burg Hauenstein vermuten ohnehin in diesem Bereich einen früheren Wohnturm, der teilweise abgestürzt ist. In den Plänen von 1786 und 1803 sind jedenfalls noch Grundmauern ersichtlich.

Wer sich die Neuvermessung von 2018 detailliert vor Augen führt, ist sicherlich nicht erstaunt, dass die Breite des Burgzugangs 2,15 Meter an der nördlichen Maueröffnung beziehungsweise 2,60 Meter an der südlichen Maueröffnung beträgt. Der schräge Mauerdurchgang ist weithin bekannt und wurde von allen Hauensteiner-Burg-Forschern so beschrieben. Wer aber den Handriss des Jahres 1883 genauer betrachtet, stellt fest, dass der damalige Eingang mit 3,20 Meter Breite eingemessen wurde. Die Instandsetzungsarbeiten von 1892 brachten die Verschmälerung mit sich; die eingemeißelte gleichlautende Jahreszahl über dem Eingangstor deutet darauf hin.