Auf den ersten Blick ist die Metzgerei Stepanek in Luttingen eine gewöhnliche Fleischerei: Der Duft von geräuchertem Schinken liegt in der Luft; Stangen an den Wänden tragen meterweise Würste; die Frischetheke beherbergt ein üppiges Arsenal verschiedenster Fleischspezialitäten. Erst bei genauerem Hinsehen fällt er auf, der kleine jedoch bedeutende Unterschied: Denn die Kunden erhalten ihren Einkauf hier nicht mehr wie gewöhnlich verpackt in Papier- oder Plastiktüten, die nach einmaliger Nutzung meist im Mülleimer landen. Sie bekommen die Wurst und das Fleisch in transparenten Mehrwegbehältern aus robustem, langlebigem Kunststoff.

Mit seinem Metzgereibetrieb ist Rainer Stepanek einer der ersten in der Region, der mit diesem Verpackungskonzept dem Plastikmüll den Kampf ansagt. "Zurück in die Zukunft", so bezeichnet der 48-Jährige seine Idee. Einkaufen wie damals, als Kunden noch eigene Behältnisse mitbrachten, für eine Zukunft mit weniger Kunststoff. "Der Gedanke kam mir vor rund einem halben Jahr und wurde durch die SÜDKURIER-Serie 'Leben ohne Plastik' verstärkt", sagt Stepanek, und fügt nachdenklich hinzu: "Es ist einfach erschreckend, wie wir unsere Weltmeere verdrecken."

Umweltschutz und Hygiene wichtig

Weniger Plastikmüll, das ist für immer mehr Menschen eine erstrebenswerte Sache. Die Umsetzung scheitert meist jedoch recht schnell, auch an Frischetheke beim Fleischer, wo gerade jene dünnen Folien verwendet werden, die nicht wiederverwertbar sind. Entschlossen und überzeugt davon, dass er einen Beitrag leisten kann, setzte Stepanek seine Idee Ende Juni in die Tat um. Dafür verteilen seine Mitarbeiter nun kostenlos Stapelboxen an die Kundschaft, wodurch das neue System in Gang kommt: Die Kunden bringen ihre Mehrwegbehälter gewissenhaft gereinigt bei ihrem nächsten Einkauf wieder mit und platzieren diese auf einem Tablett, das als Hygieneschleuse dient. "Dadurch kommt der Bereich hinter der Theke nicht in direkten Kontakt mit den Boxen", sagt Stepanek. Anschließend desinfizieren die Mitarbeiter Tablett sowie Hände – und widmen sich den nächsten Kunden.

Einfach ist diese Umstellung nicht, wie Stepanek bereits nach wenigen Tagen feststellt. Das zeigt auch ein Blick in das Lager, wo am Morgen eine neue Palette mit konventionellem Verpackungsmaterial angeliefert wurde. "Natürlich wäre es bequemer für uns, diese normalen Tüten zu verwenden", sagt Stepanek. "Aber all das wandert nach dem Einkauf häufig direkt in den Mülleimer." Vieles davon könne nun durch die Mehrwegbehältnisse eingespart werden. So auch Verpackungskosten, die sich im Jahr auf einen unteren fünfstelligen Betrag belaufen, wie Stepanek vorrechnet. Rund 640 Stapelboxen hat der Unternehmer deshalb mittlerweile angeschafft – von einer Firma aus der Region. Etwa fünf Euro zahlt er für einen dieser Behälter. Und weitere werden folgen. Denn von seiner Kundschaft, so sagt Stepanek, bekomme er fast ausschließlich positive Rückmeldungen: "Jeder möchte mitmachen."

Kundenresonanz ist positiv

Eine seiner Kundinnen ist Agnes Kaiser. Sie lässt ihre Gratis-Kunststoffdose gerade mit Salami, Pfefferbeißern, Schinken und Speck befüllen. Das neue Verpackungskonzept ist für sie ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung: "Man muss weg vom Plastikmüll", sagt die Laufenburgerin überzeugt, während sie ihren Einkauf entegegen nimmt. "Alle Lebensmittel einzeln in Plastiktüten zu verpacken, ist Schwachsinn", bekräftigt Kaiser zum Abschied. Deshalb sollten ihrer Meinung nach mehr Fleischer auf langlebige Verpackungsmöglichkeiten setzen.

Dass Metzger Schwierigkeiten mit einer solchen Umstellung haben, zeigt die Nachfrage bei der Fleischerinnung Waldshut-Bad Säckingen, der 15 Betriebe angehören. "Aus Gründen des Umweltschutzes ist das natürlich lobenswert", sagt Obermeister Robert Genswein. Dennoch sei der Aufwand für die Umstellung auf ein Mehrwegsystem enorm. Deshalb werde ein solches System in keinem der Innungs-Betriebe praktiziert. Ein weiterer Grund hierfür seien auch die Hygienevorschriften, die Lebensmittelunternehmer insbesondere im Umgang mit Fleisch beachten müssen: "Wir bewegen uns in einem Rahmen, in dem die Metzger das Risiko für alles tragen", erklärt Genswein. Das, so schiebt er hinterher, sei vielen Betrieben ein zu großes Wagnis – auch ihm persönlich.

Verantwortung beim Metzger

Klaus Reuther, Leiter des Amtes für Veterinärswesen und Lebensmittelüberwachung im Landkreis Waldshut, bewertet Rainer Stepaneks Umstellung auf langlebige Plastikbehälter ähnlich: "Bei leicht verderblichen Produkten wie Fleisch und Wurstwaren stehen wir der Verwendung von Mehrweggeschirr sehr kritisch gegenüber", betont er. Letztendlich sei aber der Lebensmittelunternehmer dafür verantwortlich, die hygienischen Risiken einzuschätzen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Rainer Stepanek sieht angesichts des gewissenhaften Hygieneanwendung seiner Mitarbeiter kein Risiko. "Es braucht Leute, die sich Mal etwas trauen", sagt der Unternehmer selbstbewusst. Wenn die Aktion so weiterlaufe wie bisher, sei dies ein Schritt hin zu einem nachhaltigerem Umgang mit der Umwelt. "Dann werden auch andere Betriebe folgen", vermutet der Luttinger Metzgermeister.