Burgschreiber zu Laufenburg ist kein leichter Job. Mit wie viel Erwartungen dieses Amt auf Zeit verknüpft ist, erfuhren die interessierten Besucher bei der Auftaktveranstaltung und Einführung von Markus Manfred Jung am Freitag in der vollbesetzten Kultschüür in Laufenburg/Schweiz. Der Wiesentäler Mundartdichter, der die erste grenzüberschreitende Burgschreiberstelle gewann, ist wahrlich nicht zu beneiden.

Die Erwartungen sind hoch

Die "Göttis" – Paten oder auf neudeutsch "Guides" – wie Hannes Burger oder Stadtarchivar Martin Blümcke wollen dem Autor die Historie Laufenburgs näher bringen; die Juroren erwarten, dass Jung etwas zum Thema "Ankommen" mit Bezug zu Laufenburg schreibt.

Einer der beiden Initianten, der Theaterpädagoge und Regisseur Martin Willi erhofft sich, dass Jung beim dreimonatigen Aufenthalt gleich einen Gedichtband, ein Theaterstück oder einen Liebesroman schreibt.

Markus Manfred Jung gab bei der Burgschreiber-Auftaktveranstaltung einen Einblick in seine literarische Arbeit.
Markus Manfred Jung gab bei der Burgschreiber-Auftaktveranstaltung einen Einblick in seine literarische Arbeit. | Bild: Jürgen Scharf

Dazu hat Jung noch ein anstrengendes Pensum zu absolvieren mit Lesungen beidseits des Rheins in Bibliotheken, Buchhandlungen und bei einem Frühschoppen. Ein Workshop an der Kreisschule Laufenburg und eine Schulstunde in der Hans-Thoma-Schule werden dem erfahrenen, vor einem Jahr pensionierten Schopfheimer Lehrer sicher nicht schwerfallen.

Freie Logis und Taschengeld

Zum Glück dauert dieses Kulturstipendium nur drei Monate und nicht drei Jahre, wie ein lustiger Versprecher von Willi bei der Vorstellung andeutete. Und dazu bekommt der Burgschreiber für deutsche (nicht schweizerische) Verhältnisse noch ein ganz passables Salär von monatlich 850 Euro bei freier Logis.

Zuletzt wohnt er auf badischer Seite bei Petra Gabriel, der Autorenkollegin und Jurorin, die das Stipendium angeregt hat, bis er am 31. Mai Laufenburg wieder verlässt.

Zum Start eine Urkunde

Ein Vorgeschmack auf die verschiedenen Veranstaltungen war die Kurzlesung, bevor Bürgermeister Ulrich Krieger und Stadtammann Herbert Weiss dem Autor Markus Manfred Jung die Urkunde mit dem von Regina Erhard vom Stadtrat Laufenburg/CH entworfenen Burgschreiber-Signet überreichten. Krieger betonte, dass in digitalen Zeiten das Buch und der Umgang mit Sprache wieder mehr Wert bekommen sollte.

Strahlende Gesichter: Der erste Burgschreiber zu Laufenburg, Markus Manfred Jung (Mitte) mit den beiden Initiatoren des Kulturstipendiums, Petra Gabriel und Martin Willi.
Strahlende Gesichter: Der erste Burgschreiber zu Laufenburg, Markus Manfred Jung (Mitte) mit den beiden Initiatoren des Kulturstipendiums, Petra Gabriel und Martin Willi. | Bild: Jürgen Scharf

Jung gab einen Einblick in sein vielfältiges literarisches Schaffen mit Geschichten, die mit der Gegend und viel mit der Schweiz zu tun hatten, und stellte einige Mundartgedichte vor. Aus seinem Theaterstück "Blutschuld vo Laufenburg" las er nichts, das sei zu "grausam", meinte der Verfasser.

Jung vergaß auch nicht zu erwähnen, dass er Kolumnist bei der Basler Zeitung war und viele Texte über die Schweizer Nachbarschaft verfasst hat, meist auf den Punkt gebrachte Alltagsgeschichten.

Kämpfer für alemannische Sprache

"Aber eigentlich bin ich ein Dichter", so M. M. Jung, "der probiert, die alemannische Sprache am Leben zu erhalten, dass sie nicht im Museum landet und ausgestellt wird". Als Burgschreiber hat er nun Zeit und Gelegenheit, solche Geschichten und Gedichte zum vorgegebenen Thema zu verfassen. Erste Ideen hat Jung, der sein "Notizbüchlein immer dabei" hat, schon gleich nach der Ankunft gesammelt.

Die Zuhörer – unter den Gästen auch politische Prominenz wie Franziska Roth, Aargauer Regierungsrätin – sind nach dieser dichterisch starken "Kostprobe" in gespannter Erwartung, was dem literarisch beschlagenen Jung an Textsorten so einfällt. Kultschüür-Betriebsleiter Martin Willi wünschte dem Burgschreiber dafür schon mal "viel Inspiration, tolle Momente, genügend Ideen und eine gute Zeit in Laufenburg."