Laufenburg – Es funkt, und schon ist es passiert: Kurzschluss. Ein elektrischer Kurzschluss kann gefährlich werden und zu Kabelbrand führen. Im neuen Programm von Flurin Caviezel ist aber keine Muffe und keine Sicherung durchgebrannt. Es gibt auch keine unlogische Schlussfolgerung, die man als Kurzschlusshandlung bezeichnet. Bei dem Bündner Kabarettisten, der mit seinem neuen Programm bei den Laufenburger Kulturtagen im Schlössle – schweizerisch "Schlössli" – auftrat, führen die gedachten Kurzschlüsse zu unterhaltsamen und manchmal sogar wahren Geschichten.

Aber auch die möglicherweise falschen und erlogenen Geschichten sind, wenn sie mit so viel Humor und hintergründigem Witz und Charme erzählt werden wie von Caviezel, von großem Unterhaltungswert. Und wenn Kulturtage-Macherin Renata Vogt Graubündnerisch versteht, können wir das auch, zumal im Publikum viele Schweizer gesichtet und gehört wurden. "Grüezi" war die gängige Begrüßung.

Im neuen und fünften Soloprogramm greift der in Chur lebende Kabarettist und Musiker zur Untermalung seiner lustigen bis skurrilen Geschichten gern zum kleinen "Örgeli" und begleitet damit seine eigenen Lieder und neu getexteten Stücke auf bekannte Melodien (zum Mitsingen). Da gibt es nicht nur feinen Humor, den bewährten Caviezelschen Wortwitz und philosophische Schlussfolgerungen, sondern viel Zeitgeistiges. Zum Running Gag wurde etwas Unvorhergesehenes: der Kabarettist ist auf der Bühne "eingesackt", was er schlagfertig kommentiert, dass es kein "Special Effect" sei.

Im zweiten Teil geht es "kurz und fertig und Schluss" um das ganze neumodische digitale Zeugs, um Apps, um Download und Streaming. Wenn sich in der Bahn die Jugend "verstöpselt", nervt dies die Generation der Babyboomer und des Pillenknicks, die sich heute als Golden Best Ager sieht. Für diese geistigen Kurzschlüsse braucht es zwischenmenschlich doch mehr Gleich- und Wechselstrom.

Typisch waren Geschichten, etwa die Odyssee seines Teleskop-Alphorns, das sich Caviezel bei seiner Radtour nach Italien nachschicken lässt und das am Zoll festhängt. Nostalgisch die Fernseherinnerungen an die 60er Jahre, an Tiersendungen wie Flipper, Fury, Clarence und Co.. Wie sich doch die Zeiten ändern. Die schönste Geschichte war die moderne Heidi-Filmversion, erzählt von DJ Bobo alias DJ Flurin. Neben seinem Erzählkabarett hört man Caviezel gerne zu, wenn er Volkslieder aktualisiert: viva Volksmusik!

Anfangs war er etwas politischer. Da ging es um den Widerstand, den es braucht, dass es keinen Kurzschluss gibt. Caviezel kann das elektrisch erklären mit zwei Polen, Plus und Minus. Das Publikum ist das "Lämpli" und steht unter Strom. Fazit: Es braucht mehr Widerstand, auch in der Politik. Während der erste Teil mehr von Kurzschlüssen in der Politik, im Leben und in der Liebe handelte, war der Rest des "Retroromanen" Caviezel retromäßig: ein Vintage-Kabarett mit einem Kurz-Schluss.