Im Übersichtsplan von 1894 der Katastervermessung ist noch die Mühle des Johann Trautweiler und dessen Wohngebäude (links unten) zu sehen. Darüber hinaus die ehemalige Rheinmühle und das heutige Haus Mariagrün. Repro: Richard Kaiser
Im Übersichtsplan von 1894 der Katastervermessung ist noch die Mühle des Johann Trautweiler und dessen Wohngebäude (links unten) zu sehen. Darüber hinaus die ehemalige Rheinmühle und das heutige Haus Mariagrün. Repro: Richard Kaiser | Bild: Richard Kaiser

Die Bahnstrecke von Koblenz nach Stein, entlang des Hochrheinsüdufers, besteht am heutigen 1. August 125 Jahre. 36 Jahre älter ist die parallel dazu verlaufende Eisenbahnlinie von Basel bis Waldshut auf der deutschen Seite. Während die Schweizer Bahnbauer bis auf das Brückenbauwerk über die Aare bei Koblenz keine größeren Kunstbauten vornehmen mussten, hatten die badischen Ingenieure wegen den topografischen Verhältnissen bei Laufenburg ein besonderes Problem.

Der ursprüngliche Planentwurf sah vor, die Bahnlinie aus Kostengründen in einer scharfen Kurve um die Schimpfelhalden, auch als Oftringer Lehen bezeichnet, herum zu führen. Die ganze nördliche Häuserreihe des Städtchens, einschließlich dem Rathaus, hätte dadurch abgerissen werden müssen. Die Einwohner liefen dagegen Sturm, so dass sich die großherzoglich-badische Eisenbahnverwaltung genötigt sah, die Strecke 337 Meter zu untertunneln.

Die Pläne mussten also grundlegend geändert werden. In den ersten Oktobertagen des Jahres 1853 vermaß Geometer V. Zamponi das Gelände, steckte die Bahntrasse ab und fertigte einen Lageplan über das Gebiet westlich des vorgesehenen Tunnels. Dabei stellte es sich heraus, dass die Mühle des Franz Joseph Haas, die idyllisch zwischen der Rheinmühle des Johann Haas (1923 abgebrochen) und der Schlossmühle des Altbürgermeisters Johann Nepomuk Trautweiler (1890 abgebrochen) lag, dem Bahnbau weichen musste. Der Landerwerb zog sich schnell über die Bühne, den Zamponi für das Mühlenanwesen mit einem Morgen und 78 Quadratruthen (43,02 ar) ermittelte. 32 500 Gulden bekam Franz Joseph Haas dafür. Der weitere Flächenbedarf zwischen künftigem Tunneleingang und Bahnhofgebäude betrug drei Morgen, drei Viertel und 25 Quadratruthen (137,25 ar).

Um die nötige Dammhöhe entlang der Stromschnelle zu erreichen, musste eine hohe Mauer aus gewaltigen Quaderblöcken errichtet werden. Dies auch, um die Salmenfischerei weiterhin gut zu ermöglichen.

Zunächst war der Bahnhof am östlichen Tunneleingang bestimmt. Im Interesse der Schweizer Schwesterstadt, die erst 1892 die Eisenbahnlinie Koblenz – Stein erhielt, konnte man das Stationsgebäude aber als Laufenburger Westbahnhof errichten. Der heutige Ost-Bahnhaltepunkt wurde zunächst nur als Güterbahnhof genutzt und erst 1912 dem Personenverkehr freigegeben.

Der Tunnelbau ging aufgrund der schwierigen Arbeiten im überaus harten Gneisgestein nur sehr schleppend vor sich und kostete statt der veranschlagten 600 000 Gulden das fünffache. Auch wurde er gleich zweispurig trassiert, so dass das zweite Gleis darin 2001 ohne größere Umbauten verlegt werden konnte.

Der Tunnel wird seit etlichen Jahren Rappensteintunnel genannt. Das ist aus historischer Sicht nur bedingt richtig, denn der Rappenstein begann seit jeher erst auf der Anhöhe (also nördlich der Tunnellinienführung) und zog sich bis zur Binzger Gemarkungsgrenze hin. Der Halde südlich davon gab man den Flurnamen Oftringer Lehen. Diese Bezeichnung geht auf die aus dem Wutachtal stammenden Herren von Ofteringen zurück, die einst eine Burg am heutigen Kriegerfelsen besaßen, zu deren Besitz die ganze Halde, bestehend aus einem großen Rebenhang mit Trotte, sowie einem Baum- und Krautgarten gehörte. 1567 kaufte Friedrich Schimpf die nicht mehr bewohnte Burg samt dem großen Gelände, doch gab er bald darauf alles wieder auf. Die Burg verfiel, die Mauerreste wurden nach und nach weggeräumt und durch den Bahnbau (1853 bis 1856) wurde der markante Oftringer Felsen beseitigt.

Die Gegend beim östlichen Tunneleingang erhielt einst den Flurnamen „Am Rank“; die heutige Straßenbezeichnung an dieser Stelle lautet daher Alter Rank. Weiter in Richtung der Oftringer Lehen ist in früheren Flurkarten auch der Gewannname „Schanz“ ersichtlich. Er zog sich bis zur heutigen Codmanstraße hin.

Alte Maßeinheiten

Mit der Gründung des Großherzogtums Baden 1806 wurden auch die ehemaligen vorderösterreichischen Längen- und Flächenmaße abgeschafft und durch neue Einheiten ersetzt. Unter anderem entstanden Morgen, Viertel und Quadratruthe. 1872 wurde das metrische System mit Hektar, Ar und Quadratmeter eingeführt, die für einen Morgen 36 Ar, ein Viertel (100 Quadratruthen) demnach neun Ar und für eine Quadratruthe (eine Ruthe gleich drei Meter) neun Quadratmeter mit sich brachten.