Im gesamten vorderösterreichischen Territorium wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Gemarkungspläne angelegt. Man wollte damit vor allem Gerechtigkeit bei der Steuererhebung schaffen. Auch der Hotzenwald gehörte seinerzeit zu den österreichischen Vorlanden. Er war der westliche Teil der Grafschaft Hauenstein, die sich bis zu ihrem Übergang an das 1806 neugegründete Großherzogtum Baden zwischen Wehra und Schwarza/Schlücht erstreckte.

In der Regel fertigten die vorderösterreichischen Geometer für jede Gemarkung einen separaten Plan, in dem Häuser, Straßen, Wege, Bäche und Nutzungsarten verzeichnet waren. Ein Plan sticht durch seine Größe besonders hervor, denn auf ihm ist sogar das Gebiet von fünf Ortschaften enthalten, nämlich Hottingen, Hänner, Rotzel, Hochsal und Binzgen. Er hat das Format 88 auf 168 Zentimeter und wird im Generallandesarchiv Karlsruhe aufbewahrt.

Wenn sich auch die kolorierte Handzeichnung übersichtlich erweist, so sind darin doch mancherlei Informationen gänzlich verborgen. Beispielsweise der Name des Autors, der aber als Johann Hünerwadel (1744 bis 1802) ausfindig gemacht werden könnte, wenn man dessen zeichnerische Fertigkeit aus den Plänen von Waldshut und Nöggenschwiel (1775), Laufenburg (1778), Säckingen und Waldkirch (1780) oder Harpolingen (1787) mit dem Plan der fünf Ortschaften des Hotzenwaldes vergleicht.

Hottingen liegt etwas abseits zu den vier anderen ebenfalls auf der Karte abgebildeten Ortschaften. Die Waldungen der Gemarkung Hänner und Rotzel liegen dazwischen.
Hottingen liegt etwas abseits zu den vier anderen ebenfalls auf der Karte abgebildeten Ortschaften. Die Waldungen der Gemarkung Hänner und Rotzel liegen dazwischen. | Bild: Richard Kaiser

Der Herstellungszeitpunkt ist etwas schwieriger zu deuten, er dürfte sich jedoch aufgrund Untersuchungen der angrenzenden Pläne der fünf Ortschaften und der Arbeitsauslastung des Waldshuter Geometers Hünerwadel auf 1778/79 belaufen.

Auch ist der Maßstab der Karte nicht auf Anhieb erkennbar. Weil aber eine 15,8 Zentimeter lange Maßstabsleiste am unteren Kartenrand angebracht wurde, die 300 Ruthen vorgibt, kann der Maßstab von 1:6000 ermittelt werden, denn einer vorderösterreichische Ruthe entsprechen 3,16 Meter.

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Der Geometer zeichnete allerdings nicht nur die Karte, sondern berechnete darüber hinaus die Flächen der dargestellten Nutzungsarten. Dabei unterschied er zwischen „rusticalen“ (bäuerlichen) und „dominicalen“ (Herrschafts- und Kirchen-) Gütern. Er ordnete sie jeder Gemarkung zu und kam durch Addition der Nutzungsartenflächen auf die jeweilige Gemarkungsfläche.

Trennung zwischen bäuerlichem und kirchlichem Besitz

Und zwar für Hottingen mit 1199 Jauchert, was 432 Hektar entspricht, Hänner mit 2212 Jauchert (796 Hektar), Rotzel mit 1998 Jauchert (719 Hektar), Hochsal mit 1079 Jauchert (388 Hektar) und Binzgen mit 813 Jauchert (293 Hektar). Auf der Gemarkung Hänner waren 62 Jauchert (22 Hektar) und auf der Gemarkung Hochsal 136 Jauchert (49 Hektar) dominicale Güter inbegriffen.

Bei den Gütern von Hänner handelte es sich um vier Jauchertier Acker und Wald für das Säckinger Damenstift und 58 Jauchert für den Lebensunterhalt des Hänner Pfarrers und Siegristen, die in einzelnen Stücken exakt auf der Karte eingetragen sind.

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Mehr Besitz hatten in Hochsal der jeweilige Pfarrer (89 Jauchert) und der mit zu versorgende Kaplan (36 Jauchert). Des Weiteren waren elf Jauchert Matten und Wald nahe der Gemarkungsgrenze zu Luttingen als kaiserlich-königliches Lehen ausgewiesen. Seltsamerweise ist die Lage der 125 Jauchert (45 Hektar) umfassenden Güter des Hochsaler Pfarrers und seines Kaplans auf der Karte nicht zu ersehen.

Manche Randbemerkungen nur schwer verständlich

Der handschriftliche Vermerk auf der Karte „diese Stücke seyen von dem Feldmesser Garnier abgemessen und dem Kuntzlmann von dem Pfarrer auf diese Art zur Eintragung vorgelegt worden“ hilft zwar etwas weiter, ist aber schwer zu verstehen. Von welchen Grundstücken sollte denn der Pfarrer profitieren, wenn sie auf dieser Karte gar nicht dokumentiert sind? Oder gab es über die Vermessung der Hochsaler dominicalen Parzellen einen zusätzlichen Plan, an dem auch der Säckinger Geometer Fridolin Kunzelmann (1730 bis 1790) mitwirkte?

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Nicht von der Hand zu weisen wäre auch, dass die Erträge aus 125 Jauchert Acker, Wiese und Wald von allen Bauern von Hochsal für den Klerus aufgebracht wurden – wie in Hottingen, wo die Bevölkerung zum Lebensunterhalt des Pfarrers und des Mesners der Kirchengemeinde Hänner, zu der sie damals noch gehörte, abgabepflichtig war.

Streit wird wenig später beigelegt

Als der Autor der Karte sein Werk abschloss, war das 13,5 Jauchert (4,86 Hektar) große Gewann „Willematte“ westlich des Ortsetters von Hänner mit dem Vermerk versehen: „Das Feld ligt in Streitt mit Hoffen und Henner und ist keinen theil an gerechnet.“ Wenige Jahre später war das geklärt, denn im Hünerwadel-Grundriss über den „Orths Bahn Ober Hoff“ von 1788 war dieses Gebiet nicht enthalten, es wurde demnach zwischenzeitlich als Hänner zugehörig anerkannt. So ist es auch im Katasterplan von 1889 zu ersehen und so ist es noch heute.