Der Wald als einer der letzten Zufluchtsorte, wenn die Welt Kopf steht? Philosophen, Künstler und Wissenschaftler haben sich damit befasst, haben Gedichte, Bücher und Lieder geschrieben, haben Bilder gemalt und Filme gedreht über den Wald und das Leben darin. 1854 erschien quasi als Blaupause für Aussteiger das Buch „Walden oder Leben in den Wäldern“ von Henry David Thoreau, in dem dieser über sein zweijähriges Leben in den Wäldern von Massachusetts schrieb.

Dem Thema hat nun der in Laufenburg wohnhafte Autor, Musiker und Keltenforscher Roland Kroell mit seinem rund 40-seitigen Büchlein „Waldgänger“ im A4-Format neue Aspekte hinzugefügt. Kroell hat zwar keine zwei Jahre ausschließlich im Wald verbracht.

Roland Kroell hat dem Thema „Wald“ mit der Publikation „Waldgänger“ neue Aspekte hinzugefügt.
Roland Kroell hat dem Thema „Wald“ mit der Publikation „Waldgänger“ neue Aspekte hinzugefügt. | Bild: Peter Schütz

Aber der Wald ist ihm schon seit vielen Jahren ein Freund. „Ich mach fast täglich meine Waldgänge“, berichtet er im Kapitel „Waldluft für die Gesundheit“. Darin stellt er dar, wie Reha-Patienten in Kurorten den positiven Einfluss von Waldspaziergängen auf ihre Genesung spüren. In dem Zusammenhang hebt Kroell „den Vorteil unseres Mittelgebirges“ hervor, „weil man immer schnell im Wald ist“. Kroell: „Das ist Naturerholung pur!“

Zum Waldläufer im waldlosen Irland

Seine neue Publikation „Waldgänger“ ist in der Summe eine Huldigung an den Wald. Im ersten Kapitel beschreibt er, wie er zum Waldgänger geworden ist. Ausgerechnet im nahezu waldlosen Irland, wohin er vor einigen Jahren ausgewandert ist, um ein neues Leben zu beginnen. Er mietete sich ein kleines Häuslein, vor dem 60 Tannen standen, die ihn an den Schwarzwald erinnerten.

Aber sonst, erfuhr Kroell, hat Irland mit dem Schwarzwald wenige Gemeinsamkeiten. Weshalb er, auch aufgrund einer besonderen Begegnung, wieder in seine Heimat zurückkehrte, um dort zum Waldgänger zu werden.

Der Eselsfuß auf dem Wolfspfad

Auf kurzweilige Art beschreibt Kroell Wanderungen durch Eichenhaine und über Waldpfade, über federnden Waldboden und an bemoosten Felsensitzen vorbei. Beobachtet Tiere und stellt fest, dass die Zeit stehen bleibt. Ist in Schluchtengängen und an Bergen unterwegs, macht sich einen Wildkräutersalat, sucht den Eselsfuß auf dem Wolfspfad. Und er macht sich mit dem aus Japan stammenden „Waldbaden“ bekannt.

Der Autor berichtet von Begegnungen mit freundlichen, aber auch weniger freundlichen Menschen im Wald, von kuriosen sowie inspirierenden Begebenheiten. Mit seiner speziellen Vorgehensweise, über die Erfahrungen, Eindrücke und Erlebnisse direkt vor Ort zu schreiben, bewahrte er das Spontane.

Erst daheim habe er die Texte ins Reine geschrieben, sagt er. „Ich wollte, dass die Atmosphäre rüberkommt“, so Kroell. Das gelingt ihm besonders dann bei den Kurzgeschichten, in denen er die Leser daran teilhaben lässt, wie die Einsamkeit und Stille des Waldes auf die Seele des Menschen wirken kann. „Im Wald schlägt das Herz langsamer“, schreibt er.

Was das Heft „Waldgänger“ nicht ist: Eine bloße Ansammlung von poetischen Reflexionen über das Leben im Wald. Kroell ist auch ein Realist, der sieht, wie der Wald sich nicht unbedingt zum Guten verändert. Er erklärt, wie bedroht der Wald ist – etwa durch die industrielle Nutzung mit dem Bau von Windkraftanlagen auf bewaldeten Anhöhen. Was es auch nicht ist: Ein Wanderbuch. Deshalb macht er selten lokale Angaben, sondern legt den Fokus auf das, was, so Kroell, „innerlich passiert und was einem im Wald durch den Kopf geht“. Was die Lektüre „Waldgänger“ auf jeden Fall ist: eine Einladung, den Wald mit allen Sinnen zu erleben.