Laufenburg Die Schluchseewerk AG glaubt weiter an die Pumpspeicher

Das Laufenburger Unternehmen sieht mittelfristig gute Perspektiven für sein Geschäftsmodell. Der Abschied vom Projekt Atdorf hat mehr als 80 Millionen Euro gekostet.

Der Abbruch des Pumpspeicherprojekts Atdorf hat die Schluchseewerk AG 84 Millionen Euro gekostet. Diese Summe nennt das Unternehmen in seinem Geschäftsbericht 2017. Die Vorstände Nicolaus Römer und Stefan Vogt sind indes weiter vom Geschäftsmodell ihres Unternehmens überzeugt. Mit dem Abschalten der Atomkraftwerke und dem Wegfall weiterer fossiler Kraftwerke werde der Einsatz großer Speicher an Bedeutung gewinnen wieder rentabler werden, erklärte sie am Mittwoch am Unternehmenssitz Laufenburg im Gespräch mit der Presse.

Von besonderer Bedeutung für das Unternehmen ist derzeit die Verlängerung der Betriebserlaubnis für die seit 1928 bestehende Staustufe am Schluchsee. Im Januar hat das Regierungspräsidium nach einem langen Anhörungsverfahren die wasserrechtliche Erlaubnis für weitere 60 Jahre Staubetrieb erteilt – allerdings mit wesentlichen Einschränkungen. Die Behörde setzte für die touristische Hauptsaison am See von 15. Mai bis 30. September eine Mindeststau­höhe von 924 Metern über Normalnull fest. Dagegen klagt jetzt die Gemeinde Schluchsee.

Die Kommune und alle anderen an einer touristischen Nutzung des Sees Interessierten wollen einen möglichst hohen Mindestwasserspiegel, weil Stauschwankungen eine Beeinträchtigung beispielsweise für den Bade- und Bootsbetrieb bedeuten. Das Geschäft der Schluchseewerk AG wiederum ist umso einfacher, je größer die erlaubte Bandbreite im Staubetrieb. "Ein Höhenmeter am Schluchsee macht so viel Speicherkapazität aus, wie der jährliche Zuwachs an Hausspeichern in ganz Deutschland", verdeutlichte Römer. Deshalb habe auch die Schluchseewerk zuerst eine Klage gegen die Entscheidung des Regierungspräsidiums erwogen, diesen Schritt dann aber wegen mangelnder Erfolgsaussichten nicht getan.

Stefan Vogt (links) und Nicolaus Römer sehen für die Schluchseewerk AG und ihre Pumpspeicher mittelfristig wieder gute Geschäftsmöglichkeiten. <em>Bild: Markus Vonberg</em>
Stefan Vogt (links) und Nicolaus Römer sehen für die Schluchseewerk AG und ihre Pumpspeicher mittelfristig wieder gute Geschäftsmöglichkeiten. Bild: Markus Vonberg | Bild: Markus Vonberg

Die 108 Millionen Kubikmeter Wasser hinter der Staumauer des Schluchsees entsprechen über 90000 mWh elektrischen Stroms. Damit sei der Schluchsee nicht nur Deutschlands größte Batterie, sondern auch einziger Wochenspeicher, wie Vogt unterstrich. Und Speicher werden trotz des Aus für den geplanten Pumpspeicher Atdorf nach Auffassung der Schluchseewerk AG eine immer wichtigere Rolle spielen.

Zwar rentiere der Betrieb von Pumpspeichern derzeit in dem Maß immer weniger, je mehr zu Spitzenlastzeiten Strom aus regenerativen Quellen zur Verfügung stehe, gestanden die Schluchseewerk-Vorstände ein. Doch glichen derzeit konventionelle Kraftwerke noch Produktionsengpässe bei regenerativen Anlagen aus. Wenn aber nach den atomaren auch die fossilen Kraftwerke weggefallen seien, würden Speicher immer wichtiger. Durch ihre Größe und ihre Kaltstartfähigkeit hätten Pumpspeicher gegenüber anderen Speichertechnologien entscheidende Vorteile.

Zum Unternehmen

Die Schluchseewerk AG betreibt die Pumpkraftwerke Häusern, Witznau, Waldshut, Säckingen und Wehr, zu denen zwölf Stauseen und -becken gehören, darunter der namengebende Schluchsee. 2017 wurden 2,6 Milliarden kWh Pumpenergie aufgenommen und 2,1 Milliarden kWh Strom erzeugt. Das Unternehmen mit Sitz in Laufenburg beschäftigt 340 Mitarbeiter, es gehört hälftig der RWE und der EnBW mit deren Tochterunternehmen Energiedienst. (von)

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