Herr Tröndle, im Alter von 15 Jahren haben Sie begonnen, zu arbeiten, mit Ihrem Eintritt in den Ruhestand haben Sie über 50 Jahre gearbeitet.

Für meine Generation ist das noch ganz normal, dass man gleich nach der Schule mit einer Lehre begonnen hat und das man seinem Betrieb treu bleibt. Das ist ja heute nicht mehr so.

Wie ist Ihr persönlicher beruflicher Werdegang verlaufen?

Nach der Schule bin ich in die Lehre als Mauerer in den heimischen Betrieb gegangen, der nach dem Tod meines Vaters von meinem zwölf Jahre älteren Bruder geführt worden ist. Einige Jahre habe ich dann als Geselle gearbeitet, als mein Bruder krank geworden ist. Nach seinem Tod habe ich die Meisterprüfung gemacht und habe den Betrieb dann 1988 übernommen. Als Vorbereitung zum Meister bin ich ein Jahr lang nach Waldshut in die Abendschule und habe Buchführung gelernt. Dann ging es weiter nach Konstanz, wo ich dann meine Meisterprüfung absolviert hatte. Und das alles bei laufendem Betrieb.

Als Bauunternehmen in Hochsal haben Sie hier im Ort bestimmt viele Häuser gebaut. Wo waren Sie sonst noch tätig und was war Ihr prägnantestes Gebäude?

Unsere Kundschaft kam hauptsächlich aus dem Laufenburger Raum und ja, es stimmt, wir haben hier in Hochsal viele Häuser gebaut. Das Hochsaler Gemeindehaus zum Beispiel, das heute noch dem Musikverein als Proberaum dient. Aber auch wo die Mitglieder der Feuerwehr zu Hause sind und der Schwarzwaldverein.

Neben Ihrer Tätigkeit als Unternehmer sind Sie auch im Laufenburger Stadtrat tätig. Es ist auch bekannt, dass Sie immer mit dem Rad von Hochsal aus zu den Sitzungen fahren. Wie viele Jahre sind Sie jetzt dabei?

Auch beim Stadtrat bin ich seit 29 Jahren mit dabei und seit vier Jahren bin ich als zweiter, stellvertretender Bürgermeister tätig. Zu Beginn meiner Karriere in dem Gremium war ich im Bauausschuss. Doch neben meinem Betrieb hat es die Zeit nicht immer zugelassen, weshalb ich dann zum Finanz- und Verwaltungsausschuss gewechselt bin. Ja, das stimmt, dass ich mit dem Rad zu den Sitzungen fahre. Allerdings nur, wenn es das Wetter zulässt. Ansonsten nutze ich das Auto.

Sind Sie sonst noch in Vereinen oder Gremien aktiv?

40 Jahre lang habe ich beim Musikverein Hochsal das Tenorhorn geblasen. 13 Jahre davon habe ich außerdem die Vereinskasse geführt. Weiter war ich auch beim Rad- und Motorsport in Rotzel aktiv. Allerdings nur so lange der Verein eine Abteilung für Korsofahren hatte. Mein berufliches Engagement ging ebenfalls über die eigentliche Tätigkeit hinaus. Seit 13 Jahren bin ich Obermeister in der Bauinnung in Waldshut-Tiengen. Dieses Amt gebe ich aber im Frühjahr dieses Jahres ab. Außerdem bin ich seit über zwölf Jahren stellvertretender Kreishandwerksmeister bei der Kreishandwerkerschaft. Das Amt führe ich noch bis zur nächsten Hauptversammlung im Herbst 2018. Außerdem war ich einige Jahre Vollversammlungsmitglied bei der Handwerkskammer in Konstanz. Dort wurde ich jetzt im Dezember verabschiedet und mit der Ehrennadel in Silber von der Kammer geehrt.

In Hochsal geboren und aufgewachsen, aktiv im Stadtrat und dann Jahrzehnte lang in einem Beruf, bei dem man Land und Leute kennt. Was hat sich Ihrer Meinung nach in dieser Zeit im ländlichen Raum getan?

Oh, getan hat sich einiges. Allein in Hochsal. Früher gab es zwei Lebensmittelgeschäfte und einen Bäcker am Ort. Heute ist nur noch der Bäcker da, der einige Lebensmittel verkauft. Auch die beiden Wirtschaften am Ort gibt es nicht mehr. Alles Orte der Kommunikation, die es heute nicht mehr gibt. In den Wirtschaften haben Konzerte und Tanzveranstaltungen stattgefunden. Heute muss der Musikverein in die Halle nach Schachen oder Luttingen ausweichen. Eine kleine Bereicherung war der Umbau der alten Pfarrscheune mit dem neuen Pfarrsaal, der auch für private Feste gemietet werden kann. Einzige Tradition ist es noch, dass der Musikverein seit den 1950er Jahren noch zu seinem Blumenfest einlädt. Sonst findet nicht mehr viel statt. Der Zusammenhalt, so wie er früher war, ist heute einfach nicht mehr da. Aber das ist eben der Trend der Zeit.

Wie geht es Ihnen jetzt, wo Sie Ihr Unternehmen abgewickelt haben?

Grundsätzlich gilt für mich und meine Jahre als Unternehmer, dass alles einen Anfang und ein Ende hat. Wenn man 50 Jahre in diesem Beruf gearbeitet hat, hat man sich seinen Lebensabend verdient.

Wie werden Sie jetzt Ihre freie Zeit nutzen?

Nun, als Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister werde ich nach wie vor die Jubilare in unserer Stadt besuchen und auch die Sitzungen werden mich weiter fordern. Noch müssen ein paar Arbeiten meines Unternehmens abgewickelt werden und ich habe zu tun. Wenn das aber vorbei ist, werde ich mich vermehrt dem Radsport widmen, ins Schwimmbad gehen oder in die Sauna. Mir wird es bestimmt nicht langweilig.

2019 finden die nächsten Kommunalwahlen statt. Werden Sie sich dann auch wieder als Stadtrat zur Verfügung stellen?

Das lasse ich mir noch offen, bis es so weit ist. Darüber mache ich mir jetzt noch gar keine Gedanken.

Fragen: Susanne Kanele

Zur Person

Gerhard Tröndle (66) ist in Hochsal geboren und aufgewachsen. Noch heute lebt er in seinem Elternhaus, in dem Vater Leo 1930 das Bauunternehmen gegründet hatte. 1988 hat Tröndle das Geschäft von seinem älteren Bruder übernommen und bis zum Jahresende geführt. Mit dem Eintritt in den Ruhestand wurde auch das Unternehmen geschlossen.