Diese Woche fielen wir wegen der Datenschutzgrundverordnung aus allen Wolken: „Was? Erst 2016 beschlossen und schon tritt sie diesen Freitag in Kraft?“ Hektisch stöberte jeder auf der Festplatte und in der Cloud, um herauszufinden, wessen Daten er da weshalb gespeichert habe – und ob zurecht. WhatsApp-Gruppen wurden aufgelöst, fieberhaft Facebook-Profile gelöscht, Homepages vom Netz genommen. Plötzlich fürchtete sich jeder vor der Brüsseler Datenpolizei, ausnahmslos wirklich jeder außer Mark Zuckerberg. Denn der Hüter unser aller Datenprofile weiß: „Wer ohne digitale Sünde ist, werfe den ersten Bit!“ Schließlich ist ja schon schwer genug, die analog gespeicherten alle Daten im Blick zu halten, wie ich zwei Tage vor Inkrafttreten der Verordnung erfahren musste. Denn als ich mich morgens auf den Weg zur Arbeit machen wollte, fand sich nirgendwo mein verflixtes Portemonnaie! Nicht nur die darin enthaltene analoge Prä-Kryptowährung war damit nicht mehr verfügbar, auch Systeme wie Personalausweis, Führerschein und Fahrkarte waren offline. Weil so ein Geldbeutel dummerweise über kein GPS verfügt, ist sein Standort schwer zu lokalisieren. Ich versuchte, meine Timeline zu rekonstruieren. Wann hatte ich die Börse gestern zuletzt in der Hand? Wo könnte ich sie abgelegt haben? Selbst Alexa und Siri schwiegen zu diesen Fragen. Meine umhervagabundierenden Daten bereiteten mir immer größeres Unbehagen. Was sollte ich tun? Kurz vor Feierabend dann besuchte mich eine Freundin im Büro. „Schau mal, was ich da habe“, sagte sie und zog aus ihrer Handtasche mein Portemonnaie. „Das muss ich gestern wohl versehentlich eingesteckt haben.“ Wenigstens meine analogen Daten habe ich jetzt wieder bei mir.

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