Nächstes Jahr soll es in Laufenburg erstmals einen Burgschreiber geben. Drei Monate bekommt er von Anfang März bis Ende Mai Logis und einen finanziellen Zuschuss gestellt, um sich im badischen wie im aargauischen Laufenburg künstlerisch inspirieren zu lassen und Lesungen abzuhalten. Noch bis Mitte November können sich deutschsprachige Autoren aus Deutschland und der Schweiz bewerben. Bei Petra Gabriel und Martin Willi als Projektverantwortlichen sind bis Freitagmittag vier Bewerbungen eingegangen.

Mehrere Nachfragen

„Das ist ein Anfang, aber da kommt sicherlich noch mehr“, ist Petra Gabriel überzeugt. Neben den formellen Bewerbungen seien mehrere Nachfragen eingegangen. "Derzeit rufen auch dauernd Leute an", so die in Berlin und Rhina wohnhafte Autorin. Zusammen mit Kultschüür-Geschäftsführer Martin Willi aus Laufenburg/CH hat sie das Stadtschreiberprojekt initiiert. „Wir wollen Literatur fördern, wir wollen Kultur fördern, wir wollen Laufenburg bekannter machen“, so beide über die Ziele des Projekts.

Inzwischen wurde die Ausschreibung auf der Homepage des deutschen Verbandes der Schriftsteller (VS), auf der Homepage der Autorinnen und Autoren der Schweiz (AdS) sowie in verschiedenen Foren veröffentlicht. Außerdem haben die Verlage, mit denen Petra Gabriel zusammenarbeitet, die Ausschreibung an andere Verlage weitergeleitet.

Jury entscheidet über Vergabe

Über die Vergabe des von beiden Laufenburger Kommunen mit jährlich jeweils 1250 Euro unterstützten Stipendiums entscheidet eine Jury. Ihr gehören neben den Initiatoren Petra Gabriel und Martin Willi von deutscher Seite die Buchhändlerin und Kulturorganisatorin Renata Vogt sowie die Stadträtin Maria-Theresia Rist, von Schweizer Seite der Schriftsteller Christian Haller und der Stadtrat Meinrad Schraner an. Dem Burgschreiber werden eine kostenlose Unterkunft je eineinhalb Monate im badischen und im aargauischen Laufenburg und eine monatliche Aufwandsentschädigung in Höhe von 850 Euro zur Verfügung gestellt. Auf beiden Seiten des Rheins unterstützt ein Pate den Burgschreiber und knüpft Kontakte beispielsweise zu Archiven oder Vereinen.

"Ankommen" als Thema

„Ankommen“ lautet das Thema, auf das sich die Initiatoren, die Jury und die Gemeinderäte geeinigt haben. „In welcher literarischen Form das umgesetzt wird, steht jeder Burgschreiberin/jedem Burgschreiber frei – Gedicht, Drehbuch, Novelle, Kurzgeschichte, Roman – jede Form von Lyrik oder Prosa ist willkommen, der Bezug zu Laufenburg und der speziellen Situation der Stadt sollte aber erkennbar sein“, heißt es in der Ausschreibung. Vom Burgschreiber wird eine öffentliche Lesung zu Beginn seiner Amtszeit erwartet, auf Wunsch etwa der Stadtbüchereien oder der Schulen weitere Lesungen dort und zum Abschluss eine resümierende Darstellung der Zeit als Burgschreiber in Laufenburg. Bewerben können sich deutschsprachige Autoren, die mindestens eine selbständige nicht im Eigenverlag erschienene literarische Publikation vorweisen können.

Kunststipendium bis 2004

In Laufenburg hatte es bereits 1996 bis 2004 einmal ein von Peter Böhnel aus dem schweizerischen Laufenburg privat initiiertes Kunststipendium für junge Künstler bis 35 Jahren gegeben. Es wurde von einer Jury vergeben und beinhaltete einen vier- bis fünfwöchigen Atelieraufenthalt in Laufenburg plus 3000 bis 3500 Franken Honorar. Die Gesamtkosten von jährlich rund 10000 Franken wurden größtenteils private Sponsoren aufgebracht, 4000 Franken trugen hälftig die beiden Laufenburg bei. Jährlich gingen aus Deutschland und der Schweiz etwa 30 Bewerbungen fürs Stipendium ein.