Laufenburg Boshaft-vergnüglich: Schweizer Kabarettist Thomas Lötscher nimmt die "Verien" im Rebmann-Museum aufs Korn

Der Schweizer Kabarettist Thomas Lötscher beschert den Gästen im Rehmann-Museum einen boshaft-vergnüglichen Abend.

Ferien können eine grauenhafte Angelegenheit sein, besonders, wenn man sie mit dem satirisch geschärften Blick Thomas Lötschers betrachtet. Im Rahmen des grenzüberschreitenden Laufenburger Kulturprogramms „Die Brücke“ bescherte der Schweizer Kabarettist am Samstag zahlreichen Gästen im Rehmann-Museum einen höchst vergnüglichen Abend, gespickt mit Bosheiten über „Verien“, deutsch-schweizerische Beziehungen und die Regelungswut der Eidgenossenschaft.

Renata Vogt, die Vorsitzende des Kulturausschusses, berichtete, wie sie den Kabarettisten in Thun entdeckt hatte und gleich begeistert war, denn „er lässt alle Bosheiten raus, nur merkt man es erst später“. Die maliziöse Ader Thomas Lötschers bekam auch die Bundeskanzlerin zu spüren, deren Haupt – neben anderen scheußlichen Souvenirs – in Gestalt einer Zitronenpresse präsent war, was deren Gesichtsausdruck erklären könnte. Mit hämischem Grinsen empfahl er ihr, in den Reiseführern die Rubrik „Was bekomme ich für mein Geld in Griechenland“ genau zu studieren. Seine Antwort: „Nichts mehr, Frau Merkel“.

Thomas Lötscher zeigte am Samstag die grauenhafte Seite der „Verien“ auf.<sup></sup><em>Bild: Michael Gottstein</em>
Thomas Lötscher zeigte am Samstag die grauenhafte Seite der „Verien“ auf.Bild: Michael Gottstein

Thomas Lötscher liebt es, in die Rolle des Kleinbürgers „Veri“ zu schlüpfen. Sein Kleidungsstil bemüht sich um konventionelle Korrektheit, wirkt aber weder förmlich und schon gar nicht elegant, sondern eher spießig. Und wie schwer sich seine Kunstfigur tut, mit der neumodischen Zeit Schritt zu halten, zeigt er, indem er sich regelmäßig verhaspelt, wenn er Anglizismen oder andere Fremdwörter ausspricht. In der Rolle des Pedanten tut er nichts lieber, als über die pedantische Regelungswut zu schimpfen: Die Defizite, die man an sich selbst nicht gerne wahrnimmt, werden somit auf die Außenwelt projiziert. Leitmotiv ist der Satz „Das regt mich auf“, worauf regelmäßig eine Schimpftirade in schönstem Schweizerdeutsch folgt, unter emsigem Gebrauch der Vorsilbe „Huere“, die bei Bedarf durch die zusätzliche Vorsilbe „Löli“ noch gesteigert werden kann.

Veris Selbsthass zeigt sich etwa in seinem Überblick über die „kulturelle Entwicklung der Schweiz“. Vor 5000 Jahren seien die Eidgenossen an der Stelle, wo heute die Züricher Großbanken stehen, aus den Höhlen gekommen. „Die Wohnsituation hat sich seither geändert, nicht aber das Denken.“ Vor 2000 Jahren lernten sie von den Römern den Gebrauch von Tongefäßen, danach von den Habsburgern den Umgang mit Besteck. Vor 30 Jahren schließlich hätten sie das Aufsammeln von Hundehäufchen in „Hundesäckli“ gelernt. Diese „Hundesäckli“ waren der Auftakt zu einer obsessiven Beschäftigung mit Hundekot, Sanitäranlagen und allerlei Verdauungsprodukten, an welcher Sigmund Freud eine wahre Freude gehabt hätte, zeigte „Veri“ doch, wie sich hinter dem Reinlichkeitsfimmel eine halbverdrängte Lust am Dreck verbirgt.

Sein nie versiegender Assoziationsstrom führte Thomas Lötscher zu Atomkraftwerken, Windrädern und „Löli-Vögeln“, die zu dumm seien, den Rotorblättern auszuweichen, zu nörgelnden Veriengästen, übergewichtigen Kindern und immer wieder zurück zu den „Huere-Löli-Hünd“.

Thomas Lötscher zeigte am Samstag die grauenhafte Seite der "Verien" auf.
Thomas Lötscher zeigte am Samstag die grauenhafte Seite der "Verien" auf.

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