Still und friedlich beleuchten warme Lichter die Hauptstraße und die Gassen unseres kleinen in weihnachtlicher Pracht geschmückten Städtle. Ob es nun schneit oder nicht, wärmer oder kälter ist, spätestens ein paar Tage vor Heiligabend stellt sich beim Betrachten der im Dunkeln leuchtenden Dekoration doch so etwas wie ein Weihnachtsgefühl ein. So war es bei mir jedenfalls immer. Egal, wo ich herkam, Weihnachten daheim in Laufenburg mit meiner Familie und meinen lieben Freundinnen zum reich gedeckten Brunch am Morgen des 24., das war ein inoffizielles Muss, es hat mich entschleunigt. Nun ja. Und dieses Jahr ist alles anders.

sax la neukaledonien
sax la neukaledonien | Bild: Grafik dpa

Während Sie, liebe Leserinnen und Leser, gedanklich im voraus den Abend passieren lassen, Kerzen anzünden und entweder die letzten Vorbereitungen erledigen oder sich es nun weihnachtlich gemütlich machen, ist bei mir schon Abend, unsere Tochter packt Geschenke aus, weniger festlich als eher luftig gekleidet und wir besingen einen... ja... Palmwedel! Denn eine Plastiktanne, das kommt mir nun wirklich nicht ins Haus.

Isabel Montebello stutzt auf ihrer Terrasse einen Palmwedel in Form eines Weihnachtsbaums.
Isabel Montebello stutzt auf ihrer Terrasse einen Palmwedel in Form eines Weihnachtsbaums. | Bild: Isabell Montebello

In Neukaledonien, ein tropisches Inselatoll im Westpazifik, gibt es keine Tannen. Kokospalmen, Mango- oder Lycheebäume, endemische Farn- und Kiefernpalmen aber keinen LaufenburgerWeihnachtsbaum! In die Berge zu fahren ist eine schlechte Idee, denn da ist es noch heißer, weil die Brise der Meeresküste nicht bläst und sowieso, Schnee wird man hier nie finden. Also beobachte ich dieses Jahr die Kite- und Windsurfer bei ihren Festtagsaktivitäten im angenehm warmen Meer und der ein oder andere macht sich dann doch den Spaß, eine Nikolausmütze als Sonnenschutz umzufunktionieren.

Der weihnachtlich geschmückte Place de Cocotiers in der neukaledonischen Hauptstadt Nouméa.
Der weihnachtlich geschmückte Place de Cocotiers in der neukaledonischen Hauptstadt Nouméa. | Bild: Isabell Montebello

In der Hauptstadt Nouméa, auf dem zentralen Platz, der Place des Cocotiers (Kokospalmenplatz), ragen imposante geradlinig in den Himmel sich streckende Kokospalmen – der Inbegriff des tropischen Paradieses! Aber was entdecke ich dort?! Mein Entsetzen ist groß, die Plastiktanne ist mindestens so hoch wie die im Kanzleramt! Reich (eher kitschig) geschmückt und darunter sitzt der Weihnachtsmann, Vollbart und in voller Montur. Noch nie tat er mir so leid.

Strand auf Neukaledonien.
Strand auf Neukaledonien. | Bild: Isabell Montebello

In der Kindertagesstätte unserer Tochter, wo Weihnachtsfeier ist, hat eine deutsche Erasmus-Studentin Plätzchen gebacken! Aber halt, irgendwie zerfallen die bei der Hitze und ich ächze eher nach einem kühlen Kokossorbet als nach bröselnden Spitzbuben. 30 Grad im Schatten, Sonnencreme, Katamaran- und Segelausflüge, große Sommerferien für die Kinder, musikalische Klänge aus der Bambusflöte oder den Blättern des Papayabaumes, Frauen mit Blumen hinterm Ohr und in Bananeblättern gegarte Bougna, ein traditionelles kaledonisches Gericht, das durchaus auch in der Variation à la Fledermaus serviert wird – Frohe Weihnachten in Neukaledonien!

Weihnachten bleibt Weihnachten

Ich glaube trotzdem, dass wir ein schönes Fest verbringen werden, einfach deshalb, weil Weihnachten gefeiert wird, um sich auf die wichtigen Dinge des Lebens zu besinnen und die Gegebenheiten so anzunehmen wie sie sind. Es ist kein Fest wie daheim in Laufenburg, aber es ist auch hier das Fest des Friedens und der Familie. Und mal ehrlich, welchen Unterschied macht eine geschmückte Tanne oder ein geschmückter Palmwedel auf das Leuchten der Kinderaugen, wenn sie spüren, dass dies ein besonderer Moment ist? Das ist und bleibt Weihnachten, egal ob auf der Nord- oder der Südhalbkugel.

Ich wünsche meiner Familie, meinen Freunden und allen Laufenburgerinnen und Laufenburgern fröhliche Weihnachten und ein glückliches Jahr 2019!