Die Zahlen, die Bürgermeister Ulrich Krieger dem Gemeinderat vorlegte, sprachen eine klare Sprache: 2014 bis 2018 wurden auf dem Waldfriedhof jedes Jahr im Durchschnitt 27 Urnengräber verkauft, davon zwölf anonyme, aber nur fünf Einzel- oder Doppelgräber. Dies spiegle zwei Trends wieder, so Krieger: Statt der Erd- werde immer häufiger die Urnenbestattung gewählt. Gleichzeitig wachse der Wunsch nach einer Grabstätte, die möglichst wenig Pflegeaufwand erfordere.

Das könnte Sie auch interessieren

Beides hat der Gemeinderat erkannt und gründete im Juni 2015 eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Errichtung einer Urnenwand auf dem Waldfriedhof befasste. Doch schon in der ersten Sitzung habe die Arbeitsgruppe erkannt, so Krieger: „Eine klassische Urnenwand fügt sich nicht in den Waldfriedhof ein.“ Als Alternative sei die Anlage eines Rasenhügels im ungenutzten nördlichen Bereich des Friedhofs geprüft worden. Doch diese Lösung sei mit hohen Kosten verbunden. Die Anlage des Hügels mit Urnenerdgäbern koste mehr als 200.000 Euro, außerdem müsse danach der auf der bisher naturbelassenen Wiese angelegte Rasen gepflegt werden.

Platz genug für neue Gräber

Eine Analyse der des aktuellen Gräberbestandsund der in den nächsten Jahren erwarteten Grababräumungen führte die Arbeitsgruppe zum Schluss, dass es auf dem Waldfriedhof auch ohne Erweiterung genügend ungenutzte Grabstätten gebe, um den erwarteten Bedarf decken zu können. Auf diesen Flächen könnten weitere Urnengräber auf Rabatten, auf Wiesen oder um Bäume herum gruppiert angelegt werden.

Urnengrabanlage auf dem Albbrucker Friedhof.
Urnengrabanlage auf dem Albbrucker Friedhof. | Bild: Manfred Dinort

Konkret schlägt die Arbeitsgruppe die Schaffung halbanonymer Urnenfelder vor. Dort könnten in einem Schacht bis zu 120 Urnen beigesetzt werden, auf Stelen angebrachte Namen erinnerten an die Toten. Diese Art der Beisetzung verbinde den Wunsch nach Verzicht auf Grabpflege mit dem nach einer personenbezogenen Erinnerungsstätte, sage Krieger. Gleichzeitig füge es sich ein solches halbanonymes Urnengrabfeld gut in den Waldfriedhof ein.

Terbeck: „Wie ein Soldatenfriedhof“

Stadtrat Robert Terbeck (SPD), der auch schon in der Arbeitsgruppe gegen diese Lösung opponiert hatte, widersprach: „Das sieht aus, wie ein Soldatenfriedhof. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei der Bevölkerung gut ankommt.“ Die Stadt müsse auf ihrem Friedhof auch andere als ausschließlich erdbezogene Bestattungsformen anbieten. Stadtrat Jürgen Weber (Grüne) unterstützte diese Forderung.

Eine Urnenwand auf dem Friedhof Furtwangen.
Eine Urnenwand auf dem Friedhof Furtwangen. | Bild: Jürgen Liebau

Andere Stadträte begrüßten die geplante Einführung halbanonymer Bestattungsformen. „Für viele ist ein anonymes Grab schwierig. Sie wollen einen Erinnerungsort“, sagte Gabi Schäuble (FW). Auch ihre Fraktionskollegin Michaela López Dominguez unterstützte den Vorschlag ebenfalls. Bisher habe es nur anonyme oder herkömmliche Gräber gegeben, nun würde eine dritte Möglichkeit angeboten, sagte Raimund Huber (Grüne).

Forderung: Kommission soll sich mit allen Friedhöfen befassen

Die Luttinger Ortsvorsteherin Michaela Kaiser (CDU) begrüßte die Gründung einer Friedhofskommission, die sich nicht über den Waldfriedhof Gedanken mache: „Wir haben in Luttingen eine ähnliche Situation und müssen schnell tätig werden.“ Auch Bruno Sonnenmoser schlug vor, dass sich die Kommission mit allen drei Laufenburger Friedhöfen befassen solle.