Die Gemeinde Lauchringen kann voraussichtlich in der Zukunft zum Heizen auf Gas und Öl aus Russland und weitestgehend generell auf fossile Energieträger verzichten.

Unabhängig von den jüngsten Entwicklungen auf dem Rohstoffmarkt infolge des Ukrainekrieges plant sie seit einiger Zeit den Bau und die Weiterentwicklung eines Nahwärmenetzes.

Seit etwa zehn Jahren produziert der Bauernhof am Breiteweg in Oberlauchringen Biogas. Künftig soll das Gas die Gemeinde mit Wärme ...
Seit etwa zehn Jahren produziert der Bauernhof am Breiteweg in Oberlauchringen Biogas. Künftig soll das Gas die Gemeinde mit Wärme versorgen. | Bild: Juliane Schlichter

Der Startschuss für das Großprojekt fiel nun kürzlich in Oberlauchringen auf einem Gelände hinter der Gemeindehalle.

Ingenieur Klaus Dieter Müller (technischer Geschäftsführer Zelsius).
Ingenieur Klaus Dieter Müller (technischer Geschäftsführer Zelsius). | Bild: Juliane Schlichter

Am Rande des symbolischen Spatenstichs beantworten Bürgermeister Thomas Schäuble und Klaus Dieter Müller vom ausführenden Planungsbüro Zelsius aus Donaueschingen die wichtigsten Fragen zum Nahwärmenetz.

Woher stammt der Energieträger für das Nahwärmenetz?

Seit rund zehn Jahren besitzt der Bauernhof an der Breitestraße in Lauchringen unweit der neuen Ortsumfahrung eine Biogasanlage. „Darin werden Gülle, Grünschnitt und zum Teil Mais vergärt“, erklärt Klaus Dieter Müller. Bei dem chemischen Prozess, der sich Fermentation nennt, entsteht Gas.

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Mit dem Bau des Nahwärmenetzes wird die bislang nicht genutzte Abwärme eines Blockheizkraftwerks zur Bereitstellung von Heizwärme genutzt und der Gemeinde zur Verfügung gestellt.

Wie entsteht aus Biogas Wärme?

Ein Blockheizkraftwerk wandelt das Biogas mithilfe eines Motors in Energie um. Die technische Anlage produziert Klaus Dieter Müller zufolge 45 Prozent Strom und 45 Prozent Wärme. Den Verlust beziffert er mit zehn Prozent.

Über schwarz ummantelte Rohrleitungen, die bis zur Verlegung auf einer Wiese hinter der Gemeindehalle gelagert werden, gelangt die Energie in die ans Nahwärmenetz angeschlossenen Gebäude.

Durch diese Rohrleitungen fließt künftig Wasser, das Gebäude mit Wärme versorgt.
Durch diese Rohrleitungen fließt künftig Wasser, das Gebäude mit Wärme versorgt. | Bild: Juliane Schlichter

„In den Leitungen befinden sich zwei Stahlrohre – das eine für den Vorlauf und das andere für den Rücklauf“, erklärt Müller. Das Wasser im Vorlauf hat dem Ingenieur zufolge zwischen 75 und 90 Grad Celsius, das Wasser im Rücklauf zwischen 45 und 60 Grad.

Welche Gebäude werden zuerst angeschlossen?

Der Aufbau des Nahwärmenetzes beginnt rund um den Lindenplatz in Oberlauchringen. Laut Klaus Dieter Müller werden sämtliche im Umkreis gelegenen gemeindeeigenen Gebäude wie die Gemeindehalle, die Grundschule und der Kindergarten daran angeschlossen. Zudem gebe es etwa 45 Privathaushalte, die sich für einen Anschluss interessieren.

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In der Greutwiesenstraße, einem Neubaugebiet aus den 1980er-Jahren, werden ebenfalls erste Leitungen verlegt.

In der Greutwiesenstraße in Oberlauchringen werden die ersten Leitungen für das Nahwärmenetz verlegt.
In der Greutwiesenstraße in Oberlauchringen werden die ersten Leitungen für das Nahwärmenetz verlegt. | Bild: Juliane Schlichter

Parallel zum Glasfaseranschluss kommen die Rohre etwa 1,20 Meter tief ins Erdreich, verrät Müller, der Technischer Geschäftsführer des Planungsbüros Zelsius ist.

Das Donaueschinger Unternehmen hat Müller zufolge mehr als 100 Nahwärmenetze in den vergangenen 25 Jahren in Baden-Württemberg konzipiert, darunter im Landkreis Waldshut in Grafenhausen und in Wutach-Ewattingen.

Wie sieht der Zeitplan für das Nahwärmenetz aus?

Klaus Dieter Müller schätzt, dass pro Woche etwa 60 Meter an Rohrleitungen verlegt werden können. Witterungsbedingt müssten die Rohrbauarbeiten im November unterbrochen werden.

„Wir wollen im Herbst die ersten Gebäude versorgen“, erklärt Müller. Weil bis dahin die Leitung bis zur circa drei Kilometer entfernten Biogasanlage im Breiteweg nicht fertiggestellt sein wird, soll ein Container mit einer Hackschnitzelheizung neben der Gemeindehalle als Zwischenlösung dienen.

Andreas Kraft (rechts) zeigt Bürgermeister Thomas Schäuble (links) einen Plan des Nahwärmenetzes Lauchringen.
Andreas Kraft (rechts) zeigt Bürgermeister Thomas Schäuble (links) einen Plan des Nahwärmenetzes Lauchringen. | Bild: Juliane Schlichter

Auch künftig setzt die Gemeinde Lauchringen neben Biogas auf die Verwendung von Hackschnitzeln, sollte es einmal technische Probleme geben.

Was sind die Vorteile für Gebäudeeigentümer?

„Es gibt keinen Dreck, der Kaminfeger muss nicht kommen, und es gibt kaum Wartungsarbeiten“, zählt Klaus Dieter Müller die Vorteile für Eigentümer auf, sich an das Nahwärmenetz der Gemeinde anschließen zu lassen. Eine große Anlage im Haus, wie sie für Ölheizungen erforderlich ist, entfalle.

Lediglich eine sogenannte Übergabestation, die Wärme in das lokale Heizsystem überträgt, muss installiert werden. „Eine Übergabestation muss alle 40 bis 50 Jahre ersetzt werden, ein Heizungskessel alle 15 bis 20 Jahre“, nennt Müller einen weiteren Vorteil.

Was sind die Vorteile eines Nahwärmenetzes?

Da das Nahwärmenetz Lauchringen zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energiequellen betrieben wird, wird es auf lange Sicht keinen Einfluss durch staatliche CO2-Bepreisungen geben, erklärt der Ingenieur.

Bild: Müller, Cornelia

Auch Bürgermeister Thomas Schäuble sieht in der Technik Vorteile: „Öl- und Gasheizungen – beides ist nicht mehr zeitgemäß.“ Vor allem Hausbesitzern mit älteren Anlagen empfiehlt er: „Es ist sinnvoll umzusteigen.“

Wieso setzt die Gemeinde auf das Nahwärmenetz?

„Ich sehe das als Aufgabe der Kommune für die Zukunft an“, sagt Thomas Schäuble über das Großprojekt, das Lauchringen die kommenden Jahre beschäftigen werde. „Wir erstellen eine Wärmeplanung für die gesamte Gemarkung“, berichtet der Bürgermeister.

Auf den ersten Abschnitt des Nahwärmenetzes in Oberlauchringen sollen weitere folgen. Ziel sei es, die Gemeinde Lauchringen eines Tages flächendeckend mit Nahwärme zu versorgen. Neben der Biogasanlage am Ortsrand werden Schäuble zufolge zwei weitere Standorte untersucht.