Sandra Holzwarth

Behutsam rührt Deeba Gemüse in ihren Kichererbsenteig. Sie formt mit einem Löffel kleine Häufchen und lässt sie in eine Pfanne mit heißem Öl gleiten. Ihre Freundin Andleeb rührt währenddessen eine Kräutersauce an. Die beiden Freundinnen kochen heute in der Küche des evangelischen Gemeindehauses in Lauchringen. Neben Pakora gibt es noch weitere Köstlichkeiten aus ihrer Heimat Pakistan. Die Aktion ist Teil des Projekts „Powerfrauen – Migration gestalten“, das im April im Familienzentrum Lauchringen (Faz) gestartet ist.

Beim Kochen ihres Menüs werden die beiden Frauen von anderen Projektteilnehmerinnen unterstützt, zum Essen kommen noch weitere Frauen dazu. Die meisten haben ihre Kinder dabei, die Kleinen spielen friedlich miteinander und lassen sich von der Geschäftigkeit in der Küche nicht stören.

Jedes Mal steht ein anderes Land im Mittelpunkt

„Wir kochen heute das zweite Mal gemeinsam und es macht wirklich richtig viel Spaß“, erklärt Projektleiterin Monika Studinger, während sie nebenbei Gemüse für den Salat schneidet. Heute haben Deeba und Andleeb das Menü geplant, eingekauft und sie delegieren die Arbeiten in der Küche. Bei der nächsten Kochaktion wird Ukrainerin Ohla Panina mit einer Freundin die Federführung übernehmen und die Küche ihres Heimatlandes vorstellen.

Deeba und Andleeb bei der Zubereitung ihres pakistanischen Menüs.
Deeba und Andleeb bei der Zubereitung ihres pakistanischen Menüs. | Bild: Olha Panina

Das interkulturelle Kochen ist nur ein kleiner Teil des Projektes ‚Powerfrauen – Migration gestalten‘, das zehn Monate lang mit EU-Fördermittel unterstützt wird. Monika Studinger organisiert neben wöchentlichen Treffen im Faz auch Ausflüge, Besichtigungen, Vorträge, Sprachkurse, Kinderbetreuung und Hilfe in allen Lebenslagen für die Teilnehmerinnen.

„Die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und sprachliche, aber auch kulturelle Barrieren abzubauen, sowie einen Einstieg in das Berufsleben zu unterstützen sind tragende Säulen dieses Projektes“, erklärt Monika Studinger. „Viele unsere Frauen leben sehr isoliert, kommen, abgesehen von der eigenen Familie, kaum unter andere Menschen. Die regelmäßigen Zusammentreffen mit Frauen anderer Kulturen sind auch für das Erlernen der deutschen Sprache wertvoll.

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Unterstützt wird sie von einer Lenkungsgruppe, die im Hintergrund tätig ist. Für das Kochprojekt hat sie die Künstlerin Maria Lichtsteiner als Partnerin und Referentin mit ins Boot genommen. 60 Frauen unterschiedlichster Kulturen sind inzwischen in das Projekt integriert. Sie alle profitieren von dieser bunten Gemeinschaft und sind sehr glücklich über das Angebot.

„Wenn meine Kinder in der Schule sind, sitze ich alleine Zuhause vor dem Fernseher“, berichtet die 39-jährige Deeba, die vor zehn Jahren nach Deutschland gekommen ist. „Hier komme ich mit anderen Frauen zusammen, habe schon Freundschaften geschlossen und freue mich auf jedes Treffen.“

Olha Panina hat Monika Studinger und Maria Lichtsteiner über das Integrationsprojekt kennengelernt.
Olha Panina hat Monika Studinger und Maria Lichtsteiner über das Integrationsprojekt kennengelernt. | Bild: Sandra Holzwarth

Auch die 31-jährige Ukrainerin Olha Panina ist dankbar: „Ich habe so viele nette Menschen kennengelernt und tolle Unterstützung erhalten.“ Vor sechs Monaten ist die junge Fotografin aus ihrem Heimatland geflüchtet, jetzt sie in Waldshut und macht sich gerade mit einem kleinen Fotostudio selbstständig. Gerade hat sie ihre Mutter, den 92-jährigen Opa und ihre Katze aus der Ukraine nachgeholt. Nun ist die Familie wieder vereint. „Monika Studinger hat mich sehr unterstützt und ist ein echter Herzensmensch für mich geworden“, betont die junge Frau.

Die Gemeinschaft der Powerfrauen wächst immer mehr zu einem Netzwerk der Kulturen zusammen. Die Frauen sind inzwischen auch über eine Whats-App-Gruppe miteinander verbunden. Da alle aus unterschiedlichen Kulturen kommen, tauschen sich die Frauen bei allen Begegnungen in deutscher Sprache aus, was einen großen Lerneffekt mit sich bringt, erläutert Studinger. Es werden aber auch Kurse organisiert. Die meisten der Projektteilnehmerinnen besuchen beispielsweise Sprachkurse und intensivieren das Erlernte bei den Treffen der Powerfrauen.

Frauen blühen in der Gemeinschaft auf

Monika Studinger ist begeistert, wie die Frauen in dieser Gemeinschaft aufblühen, Selbstbewusstsein entwickeln und sich immer mehr in die Gesellschaft integrieren. Nicht nur die verschiedenen Kulturen, sondern auch den unterschiedliche Bildungsstatuts aller Teilnehmerinnen auf einen Nenner zu bringen, sei eine Herausforderung für die Projektleiterin gewesen. „Dass ist schon sehr spannend und verlangt bei aller Planung einfach auch viel Flexibilität. Ich orientiere mich bei der Projektorganisation immer am Bedarf der Frauen.“

Inzwischen ist das Essen fertig gekocht, immer mehr dampfende Schüsseln füllen den großen Esstisch im Gemeindesaal, es kommen auch einige geladen Besucher dazu. Frauen unterschiedlichster Kulturen und ihre Kinder genießen das gemeinsame Essen und den Austausch mit anderen Frauen in ähnlichen Lebenssituationen.

Zum Essen sind alle Projekteilnehmerinnen eingeladen. Im Bild Monika Viecenz (links), Mitglied der Lenkungsgruppe, sowie die ...
Zum Essen sind alle Projekteilnehmerinnen eingeladen. Im Bild Monika Viecenz (links), Mitglied der Lenkungsgruppe, sowie die Projektleiterinnen Monika Studinger (Mitte) und Maria Lichtsteiner. | Bild: Olha Panina

Im Dezember läuft das Projekt aus, aber Monika Studinger und Maria Lichtsteiner haben bereits Pläne: „Dieses Projekt ist für die Teilnehmerinnen so wertvoll und auch wichtig, dass wir es ehrenamtlich weiterführen möchten“, erklärt Monika Studinger, die in den vergangenen Monaten erlebt hat, wie sehr die Frauen aufgeblüht sind, Selbstbewusstsein gewonnen haben und sich mehr und mehr in die Gesellschaft integrieren.

Weitere Teilnehmerinnen seien deshalb willkommen. Auch Menschen, die das dann ehrenamtliche Projekt mit Lebensmittelspenden unterstützen möchten, werden gesucht. Bisher konnten diese über die Fördermittel der EU finanziert werden. Ebenfalls in Planung haben Monika Studinger und Maria Lichtsteiner ein künstlerisch gestaltetes Kochbuch mit allen Rezepten aus dem Projekt, das in der Vorweihnachtszeit präsentiert wird. Die Erlöse aus dem Buchverkauf kommen dem Projekt zugute.

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