Es wächst zusammen, was zusammen gehört. Nicht erst seit der Bebauung des Riedparks bilden die Ortsteile Ober- und Unterlauchringen auch optisch eine Einheit. 1985 setzte die Gemeinde unter Bürgermeister Bertold Schmidt einen Meilenstein in der damals noch jungen Geschichte der Gesamtgemeinde Lauchringen. Zwei Jahre nach dem Beginn der Planungen öffnete das neue Verwaltungszentrum im Gewann Oberhohrain, mitten in der Gemeinde, seine Pforten.

Das Rathaus in Lauchringen nach der Einweihung im Jahr 1985.
Das Rathaus in Lauchringen nach der Einweihung im Jahr 1985. | Bild: Rolf Sprenger/Gemeinde

Bis dahin wurden die Angelegenheiten der Gemeinde in den beiden Rathäusern in Ober- und Unterlauchringen erledigt. Der heute 82-jährige Viktor Frey, damals im Rathaus in Oberlauchringen beschäftigt, erinnert sich: „Es waren nur zwei Zimmer. Eins für den Bürgermeister und ein Büro mit Archiv.“

Der andere Teil der Verwaltung befand sich bis 1985 im Rathaus Oberlauchringen.
Der andere Teil der Verwaltung befand sich bis 1985 im Rathaus Oberlauchringen. | Bild: Rolf Sprenger/Gemeinde

Nach Zusammenlegung beider bis dahin selbstständigen Gemeinden wurden die Verwaltungsgeschäfte in Unter- und Oberlauchringen abgewickelt. Frey: „Ich war morgens in Ober-, am Mittag in Unterlauchringen.“ Er war Ratsschreiber, Standesbeamter und für das Grundbuch zuständig.

Ein Teil der Verwaltung war bis 1985 im Rathaus Unterlauchringen.
Ein Teil der Verwaltung war bis 1985 im Rathaus Unterlauchringen. | Bild: Rolf Sprenger/Gemeinde

Zusammen mit Helmut Schätzle habe er in Unterlauchringen oben im Sitzungssaal gearbeitet. Dort hatten die beiden Tische und Schreibmaschinen. Mehr brauchte es damals nicht.

Veränderte Verwaltungsstrukturen

Mit der Geburt der Gemeinde Lauchringen änderten sich zwangsläufig die Verwaltungsstrukturen. Eine Gemeinde mit zwei Anlaufstellen? Das schien nicht mehr zweckmäßig. Das neue Lauchringen brauchte ein neues, zentrales Rathaus. Darin waren sich Bürgermeister Schmidt und die Gemeinderäte einig. Obwohl, so steht es in den Annalen, nicht alle Lauchringer davon begeistert waren.

7,25 Millionen D-Mark, eine beachtliche Summe

Die Gemeinde legte für damalige Verhältnisse eine recht hohe Summe für den Neubau hin. 7,25 Millionen D-Mark, umgerechnet 3,7 Millionen Euro, kostete der neue Verwaltungssitz. 1983 begannen die Planungen. Den Auftrag erhielt Architekt Otto Thoß, der auch den Bau des Landratsamts geplant hatte.

Die Handschrift von Architekt Otto Thoß

Beide Gebäude tragen seine ­Handschrift. Beim genauerem Betrachten fällt auf: Das Rathaus in Lauchringen ähnelt dem Bau in der Kreisstadt doch sehr. Nicht von ungefähr spricht man heute noch vom „kleinen Landratsamt“.

2020: Der heute 82-jährige Viktor Frey, zuvor als Ratsschreiber in Oberlauchringen tätig, erlebte 1985 den Umzug der Verwaltung ins neue Rathaus.
2020: Der heute 82-jährige Viktor Frey, zuvor als Ratsschreiber in Oberlauchringen tätig, erlebte 1985 den Umzug der Verwaltung ins neue Rathaus. | Bild: Rolf Sprenger

Mit der Eröffnung zog auch Viktor Frey ins neue Rathaus ein. Für ihn war‘s nichts Besonderes. „Vom Bau habe ich nicht groß etwas mitbekommen, ich war eben so lange in Oberlauchringen, der Umzug war normal“, beschreibt er. Er muss lachen und sagt: „Ein alter Bunker. Das Gebäude hat mir nicht besonders gefallen. Aber man muss halt schaffen, egal wie es aussieht.“ Ein wenig Wehmut schwingt heute noch mit, wenn er von seiner Zeit in Oberlauchringen erzählt: „Es war schön, einfach heimeliger.“

Man muss es nicht sympathisch finden. 27 Räume befinden sich im Rathaus, das eine Nutzfläche von 2100 Quadratmetern hat. Archiv, Lagerräume und ein ABC-Schutzraum befinden sich im Keller, die Verwaltung im Erd- und Obergeschoss. Küche und Aufenthaltsraum sind im zweiten Obergeschoss eingerichtet. Bürgermeister sowie Haupt- und Bauamt, bis 2017 noch das Grundbuchamt, haben ihren Platz in der zweiten Etage. Auf der unteren Ebene sind Bürgerservice, Rechnungs-, Standes- und Ordnungsamt.

Die neue Bürgerservice-Ebene

Um die Betriebsabläufe zu optimieren und den Menschen im Dorf ein hohes Maß an Service zu bieten, gab der Gemeinderat den Bau einer neuen Bürgerservice-Ebene in Auftrag. Der Komplettumbau des Erdgeschosses war 2007 fertig. Mehrere kleine Büros wurden auf einer Fläche von 300 Quadratmetern zu einer großen Fläche umfunktioniert, wo rund 80 bis 90 Prozent der Behördengänge erledigt werden können.

Drei Argumente nannte Bürgermeister Thomas Schäuble damals nach Beginn der Bauarbeiten: „Besserer Service, mehr Wirtschaftlichkeit und die Vereinbarung von Familie und Beruf. Wir sind ein Dienstleistungsunternehmen. Die Zeit der kleinen obrigkeitlichen Verwaltung ist vorbei.“ Es war ein Schritt hin zu einer modernen Verwaltung. Außen sieht das Gebäude fast noch so aus wie vor 35 Jahren.

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