Herr Schäuble, der Workshop zum Lauffenmühle-Areal hat einige Ideen gebracht. Was halten Sie davon?

Die Ideen waren auf jeden Fall vielfältig. Sicher sind einige dabei, die nicht funktionieren. Unter anderem wegen der Finanzierbarkeit. Dann sind welche dabei, die in den weiteren Prozess einfließen werden.

Können Sie uns einige Ideen nennen?

Platz für Start-up-Unternehmen und ein Coworkingspace, ein Medical Care und Präventionszentrum, ein Wissenschaftszentrum für Kinder, eine Kooperation oder Außenstelle für Hochschulen, ein Kunst- und Kulturzentrum in der alten Schlosserei.

Wie könnte das Areal nach Ihren Vorstellungen aussehen?

Ich persönlich könnte mir ein „Vierklang“ vorstellen. Bestehende Gebäude könnten zum Gründerzentrum werden. Etablierte Betriebe können sich ebenfalls niederlassen. Wir haben bereits einige Anfragen von Betrieben am Hochrhein. Der „dritte Klang“ bietet eine künstlerische Szene mit Ateliers. Als Beispiel dient dafür das alte Kesselhaus in Friedlingen/Weil. Der vierte Bereich betrifft Veranstaltungen und Events, sowie ein gastronomisches Angebot. Als Kommune könnten wir uns vorstellen, auch öffentlich geförderten, also bezahlbaren Wohnraum selbst zu bauen. Außerdem sehe ich einen Bedarf für „junges Wohnen“ oder generationenübergreifende Wohngemeinschaften,

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Gibt es schon konkrete Interessen?

Ja, sowohl renommierte Firmen wie wohnungswirtschaftliche Unternehmen haben ihr Interesse schon bekundet. Darüber freuen wir uns und man sieht welches Potenzial in diesem großen Areal steckt.

Welche Gebäude können oder müssen stehen bleiben?

Die alte Baumwollhalle und die ehemalige Schlosserei sind denkmalgeschützt. Außerdem möchten wir die Weberei mit ihrem Seddach und eventuell auch das Kesselhaus mit Kamin erhalten.

Wie kann man diese Gebäude nutzen?

Für das alte Baumwolllager würde sich eine gastronomische Nutzung anbieten. Wenn das nicht funktioniert, können dort auch Start-up-Unternehmen einziehen. Das Kesselhaus biete sich als Nahwärmezentrale für das gesamte Gebiet an.

Und das Verwaltungsgebäude?

Es wird noch im Dezember dieses Jahres abgebrochen. Die Arbeiten sollen Ende Januar beendet sein. Auf einem Teil der Grundfläche des Verwaltungsgebäudes entsteht danach das erste neue Bürogebäude.

Was geschieht mit der Photovoltaikanlage?

Da gibt es verschiedene Optionen. Der Gemeinderat hat beschlossen, dass der jetzige Nutzungsberechtigte die Anlage demontiert und außerhalb des Betriebsgeländes wieder aufbaut. Dieser Beschluss ist aber an eine Bedingung geknüpft. Aktuell prüfen wir auch die beiden weiteren Optionen und haben hierzu einen sehr guten Sachverständigen gefunden, der uns dabei berät.

Wo ist die Wohnbebauung angedacht?

Entlang der Kadelburgerstraße sollen Produktionsstätten bzw. andere Betriebe Platz finden. Die Mittelzone soll für Dienstleistungsbetriebe sein. Auf der südwestlichen Seite zum Wiesenweg und zu der Wutach hin, also auf der „Schokoladenseite“ des Betriebsareals, soll die Wohnbebauung erfolgen. Bisher haben wir nur eine städtebauliche Vorstudie. Der Gemeinderat wird noch darüber befinden, ob auf dieser städtebaulichen Vorstudie der Bebauungsplan entwickelt oder ein komplett neuer städtebaulichen Wettbewerb ausgeschrieben und durchführt wird.

Wie viele neue Arbeitsplätze könnten entstehen?

Seitens des Gemeinderates haben wir als Ziel ins Auge gefasst, dass deutlich mehr Personen auf dem Areal Arbeit finden, als zu dem Zeitpunkt, als die Firma Lauffenmühle den Betrieb einstellte. Bei der Schließung der Lauffenmühle arbeiteten dort noch 170 Menschen. Aufgrund der vielen Anfragen ist dieses Ziel sehr realistisch.

Was kostet es die Gemeinde, bis alles fertig ist?

Dazu eine verlässliche Aussage zu treffen ist sehr schwierig. Trotzdem haben wir vor dem Kauf des Areals eine Kostenschätzung innerhalb der Verwaltung gemacht und sind zu etwa 27 bis 30 Millionen Euro in den nächsten 20 Jahren gekommen. Es sind Kosten für Grunderwerb, Neuerschließungen, Abbrucharbeiten, Umnutzungen, die Grünordnung und einiges mehr. Im Gegensatz dazu stehen Bundes- und Landeszuschüsse, sowie Erlöse aus dem Verkauf von Grundstücken oder Gebäudeteilen. Das ist aber alles noch vage.

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Welchen Nutzen zieht die Gemeinde am Ende?

Der größte Nutzen ist wohl die Arbeitsplatzaussicht. Wir haben dann auch Betriebe, die Gewerbesteuer zahlen würden. Außerdem rechnen wir mit einem Einwohnerzuwachs von 600 bis 700 Personen. Das bedeutet mehr Einkommensteuer-Anteile und Schlüsselzuweisungen. Außerdem sind auf unserer Gemarkung die baulichen Entwicklungspotenziale sehr eingeschränkt. Deswegen ist es umso wichtiger, dass eine Gewerbebrache inmitten des Ortes auch teilweise zu Wohnnutzungen umgewandelt wird.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir führen Verhandlungen mit dem Nutzungsberechtigten der Photovoltaikanlage. Mit dem Gemeinderat hätten wir in Karlsruhe und Freiburg eine alte, umgebaute Industriehalle, einen alten Schlachthof und eine alte Lokhalle, angeschaut. Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Außerdem wird es einen Workshop mit dem Gemeinderat geben. Die Mitglieder des Rates sollen festlegen, welche Nutzungen auf dem Areal entstehen werden. Mit diesem „Masterplan“ wollen wir den Bebauungsplan weiterentwickeln.

Unter der Voraussetzung, dass wir uns wegen der PV-Anlage mit dem bisherigen Nutzungsberechtigten einigen können, könnte man im kommenden Jahr die notwendigen weiteren Abbrucharbeiten ausschreiben. Wir gehen davon aus, dass die komplette Neustrukturierung des Werksareals der Lauffenmühle mindestens 15 bis 20 Jahre benötigt.

Thomas Schäuble, Bürgermeister der Gemeinde Lauchringen.
Thomas Schäuble, Bürgermeister der Gemeinde Lauchringen. | Bild: Torsten Boll

Dann sind Sie nicht mehr Bürgermeister?

Sicherlich nicht mehr. Deswegen ist es umso wichtiger, dass diejenigen Personen, die jetzt Verantwortung tragen, die richtigen Weichenstellungen vornehmen, damit die nachfolgende Generation auf dieser Grundlage die Projektentwicklung „Lauffenmühle-Areal“ erfolgreich abschließen können.

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