Herr Schäuble, Sie waren am 1. August 20 Jahre lang Bürgermeister von Lauchringen. In dieser Zeit hat sich die Gemeinde nicht nur deutlich vergrößert, sondern auch in manchen Bereichen weiter entwickelt. Was waren für Sie die größten Herausforderungen in dieser Zeit?

Ganz am Anfang meines Amtes war es bei dem außergewöhnlich erfolgreichen Vorgänger Bertold Schmidt nicht ganz leicht, eigene Spuren zu finden und eigene Wege zu gehen. Mir war es wichtig, die Arbeit und die Entscheidungen breit auf den Gemeinderat und die Beschäftigten zu verteilen.

Die ausgeprägte Kontinuität bei den Bediensteten – der größte Teil des Personals gehört seit über 20 Jahren unserer Verwaltung an – ist sicher ein Garant für den Erfolg in der kommunalpolitischen Arbeit. Als Chef der Verwaltung ist es mir wichtig, den Mitarbeitern das Gefühl zu geben, voll hinter ihnen zu stehen. Weitere Herausforderungen gab und gibt es im Austausch mit den Fachbehörden.

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Im Gegensatz zu der vielfach proklamierten Deregulierung hat in den zurückliegenden 20 Jahren das Gegenteil stattgefunden. Vieles muss mit Fachgutachten belegt werden, weil die Entscheidungsträger sich immer mehr über solche Gutachten absichern müssen. Eine besondere Herausforderung bedeutet der Einklang zwischen dem zeitlichen Engagement und dem privaten Umfeld.

Das Amt des Bürgermeisters ist mit der Vielfalt der Aufgaben und der Pflicht zur dauernden Präsenz ein sehr fordernder Beruf. Was gibt Ihnen die Kraft, dieses Amt, dazu noch bei einer außergewöhnlich rasanten Entwicklung Ihrer Gemeinde, so viele Jahre auszuüben?

Die größte Kraft schöpfe ich aus meiner Familie. Meine Frau und die Kinder freuen sich, dass mir mein Amt Spaß macht. Von meinen Mitarbeitern fühle ich mich getragen und im Gemeinderat haben wir ein sehr gutes Einvernehmen. Sehr wertvoll ist dabei auch der vorhandene fraktionsübergreifende Vertrauensvorschuss. Grundsätzlich begegne ich den Menschen positiv und unvoreingenommen, was mir Vieles erleichtert

Wo sehen Sie die künftigen Herausforderungen einerseits in der weiteren Entwicklung der Gemeinde Lauchringen und allgemein im gesellschaftlichen Zusammenleben?

Die finanziellen Mittel der Kommunen werden von Jahr zu Jahr knapper und die Steuerbelastung der privaten Haushalte ist jetzt bereits sehr hoch. Somit werden zukünftig nach und nach freiwillige Leistungen der Kommunen, an die wir uns gewöhnt haben, gestrichen werden müssen.

Im gesellschaftlichen Zusammenleben stelle ich fest, dass der Respekt und der Anstand gegenüber Menschen, die in unserer Gesellschaft einen wichtigen Dienst tun, stark gelitten haben. Denken wir an Polizisten, Pflegepersonal in Krankenhäusern, Pädagogen, Politiker und viele Bereiche mehr.

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Es ist auch keine Seltenheit, dass meine Berufskollegen verbal attackiert werden. Ich frage mich dann schon, wer in Zukunft bereit ist, in diesen Berufssparten tätig zu sein. Mit einher geht die Verrohung der Sprache in den sozialen Medien, wie auch das Phänomen, dass man Fake News Glauben schenkt.

Auf welche besonderen Erfolge können Sie Ihres Erachtens in der bisherigen Amtszeit zurückblicken?

Als größten Erfolg sehe ich den außergewöhnlich umfangreichen Ausbau des ambulanten Gesundheitswesens. Ein echtes Leuchtturmprojekt ist das Familienzentrum Hochrhein mit zahlreichen sozialen Angeboten und insgesamt über 100 ehrenamtlichen Helfern. Verkehrsmäßig stellt die inzwischen fertiggestellte Ortsumfahrung Oberlauchringen einen Meilenstein dar.

Der Bahnhaltepunkt Lauchringen West hat sich sehr bewährt. Mit der vielfältigen Bebauung im Riedpark vollenden wir die Fusion von Ober- und Unterlauchringen auch im baulichen Zusammenwachsen. Energetisch verfügen wir über ein eigenes Stromnetz, eine Bürgersolaranlage und errichten derzeit ein Nahwärmenetz für private und öffentliche Gebäude im Altdorf in Oberlauchringen.

Sehr erfreulich ist der Wandel unseres Gemeindeimages hin zu einer offenen, innovativen und familienfreundlichen Gemeinde.

Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Vorhaben für die weitere Zukunft Ihrer Gemeinde ?

Im Vordergrund steht die Sanierung des Altdorfs Oberlauchringen mit dem Umbau des Gemeindehauses in der Wettenstraße 2 zum Bürgerhaus mit Mediathek, Bürgersaal, Marktscheune und Café. Die Entwicklung und Realisierung des Lauffenmühleareals als zukunftsorientiertes Quartier für Wirtschaft, Handel, Handwerk, Kultur, Gastronomie und Wohnen hat mit dem städtebaulichen Wettbewerb begonnen und wird die Gemeinde in den kommenden 20 Jahren begleiten und auch fordern.

Vielfältig sind die Aufgaben eines Bürgermeisters: Thomas Schäuble (von links) bei einem Gottesdienst mit Pfarrer Matthias Hasenbrink, ...
Vielfältig sind die Aufgaben eines Bürgermeisters: Thomas Schäuble (von links) bei einem Gottesdienst mit Pfarrer Matthias Hasenbrink, Landesbischöfin Heike Springhart und dem Geschäftsführer des Diakonischen Werks, Andreas Harder. | Bild: Familienzentrum Hochrhein

Dabei haben wir folgende kommunalen Ziele: Schaffung von Arbeitsplätzen, Das Schaffen von Lebensqualität durch Begrünung des Quartiers, Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, den Umbau der Baumwollhalle zu einer Kulturhalle, ein innovatives Energiekonzept für das gesamte Areal sowie gemeinschaftliche Wohnformen. Natürlich werden wir auch das Baugebiet „am Landvogtweg“ erschließen, da weiterhin viele Familien in Lauchringen wohnen möchten.

Haben sich ihre Vorstellungen von diesem Beruf erfüllt und wie fällt Ihr heutiges Resümee aus?

Die Vorstellungen wurden weit übertroffen. Die Vielfalt der Themen, die Gestaltungsmöglichkeiten, die zahlreichen Begegnungen mit großer Herzlichkeit, Freundschaften die daraus entstanden sind, die große Unterstützung meiner Arbeit durch alle Bediensteten und durch den Gemeinderat. All das inspiriert mich, auch heute mit viel Freude. Begeisterung und Elan, den für mich schönsten Beruf auszuüben.

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