Valeska van den Berg aus Lauchringen war gerade 18 Jahre alt, hatte eben erst ihre Ausbildung abgeschlossen, als sie zusammen mit einer Freundin, drei Pferden und einem Hund im Juli 2018 in der Nähe vom bayrischen Augsburg aufbrach. Ihr Ziel: Die Ostsee. Im Gepäck: Nichts weiter als ihr Handy, eine Zahnbürste und Wechselsachen. „Ich habe in einer Nacht davon geträumt, wie ich mit meinem Pferd am Strand reite. Da war dann für mich klar: Das muss ich machen“, erinnert sich Valeska van den Berg. Ihren Weg begleitet haben rund 80.000 Instagram-Follower (liberty_with_horses) und ein Film-Team. Die Dokumentation „Magie der Wildpferde“ lief deutschlandweit in den Kinos und ist nun bereits als DVD erhältlich.

Valeska van den Berg und Simone Hage haben nach 1500 Kilometer quer durch Deutschland den Timmendorfer Strand erreicht. Ein Film-Team ...
Valeska van den Berg und Simone Hage haben nach 1500 Kilometer quer durch Deutschland den Timmendorfer Strand erreicht. Ein Film-Team hat die beiden auf ihrer Reise begleitet. Bild: Caro Lobig | Bild: privat

Sie klopften an fremde Türen und baten um Unterkunft

Als sich die beiden Freundinnen Valeska van den Berg und Simone Hage auf den Weg machten, hatten sie weder eine Unterkunft gebucht, noch Essen bei sich. Lediglich ein wenig Wasser befand sich im Gepäck. Rund 1500 Kilometer und acht Wochen dauerte ihre Reise, bis sie schließlich am Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein ankamen.

Der Weg führte die beiden jungen Frauen über Felder und Wiesen, aber auch durch kleine und große Städte. Übernachtet haben die Reiterinnen bei Fremden, die zu Freunden wurden. „Wir haben immer an unbekannten Türen geklingelt, den Menschen von unserer Reise erzählt und wurden kein einziges Mal weggeschickt. Es war unglaublich, wie gastfreundlich wir empfangen wurden. Die Menschen gaben uns Essen und Trinken, einen Schlafplatz und einen Platz für unsere Pferde“, erzählt die heute 19-jährige Lauchringerin und blinzelt dabei leichte Tränen weg. „Es ist ein wundervolles Gefühl, überall so herzlich empfangen zu werden. Bis heute haben wir zu vielen noch Kontakt.“ Geblieben sind die jungen Frauen in der Regel zwei bis drei Nächte, manchmal auch nur eine, je nachdem, wie beschwerlich der Weg war. „Oft saßen wir mit unseren Gastgebern bis 1 Uhr nachts, bevor wir dann gegen 4 oder 5 Uhr morgens wieder aufgebrochen sind.“ 

Fast ohne Geld

Zwischen 20 bis 30 Kilometer haben die beiden jungen Frauen am Tag zurückgelegt. Sind dabei getrabt, galoppiert, aber auch viel zu Fuß gegangen. „Je nachdem wie der Boden beschaffen war.“ Valeska, die sich als Pferdetrainerin selbstständig gemacht hat und mit Pferden aufgewachsen ist, ist die gesamte Reise ohne Sattel geritten. Hufeisen bekam ihr Pferd erst in Thüringen. Das war neben einem neuen Handy auch mit etwas über 100 Euro die größte Ausgabe, die die 19-Jährige auf ihrer Reise hatte. „Wir haben fast kein Geld ausgegeben.“ Nur einige Male haben sich die Freundinnen mit Lebensmitteln im Supermarkt eingedeckt. „Die Leute haben nicht schlecht gestaunt, wenn sie unsere Pferde angebunden vor dem Laden gesehen haben“, sagt Valeska van den Berg und lächelt.

Der Unfall

Doch nicht alles lief glatt auf der Reise. Kurz vor dem Ziel ist Valeskas Pferd Sillero, ein brauner P.R.E. Spanier (Pura Raza Española, eine der ältesten Pferderassen in Europa), beim Trinken in den Elbe-Lübeck-Kanal gefallen. „Ich bin sofort hinterher gesprungen, um ihn zu beruhigen. Wäre er in Panik ausgebrochen, wäre er in den Kanal gekommen und vermutlich ertrunken.“ Zwei Stunden haben Valeska und ihr Pferd im Wasser verbracht, bis die örtliche Feuerwehr kam und das Tier mit Schläuchen heraus gezogen hat. Bis auf eine Unterkühlung und einen Schock ging es beiden nach dem Unfall gut. „Während wir auf die Rettungskräfte gewartet haben, dachte ich wirklich, wir müssen sterben.“ Trotz des Unfalls hat Valeska nicht daran gedacht, aufzugeben. „Der Traum war immer noch da, seit dem Erlebnis noch stärker als zuvor.“ Und wenige Tage danach war es dann soweit: „Wir haben unsere Schuhe ausgezogen und sind ins Meer gerannt. Das war ein unglaublicher Moment, den ich nie vergessen werde.“

Veleska van den Berg hat sich die Strecke ihres Wanderritts tätowieren lassen.  Bild: Susann Duygu-D‘Souza
Veleska van den Berg hat sich die Strecke ihres Wanderritts tätowieren lassen. Bild: Susann Duygu-D‘Souza | Bild: privat

Doch die Reise ist für die 19-jährige Lauchringerin noch längst nicht zu Ende. „Da wir ja in Bayern gestartet sind und nicht von Lauchringen, will ich die letzten 500 Kilometer noch mit Sillero zurücklegen.“ Rund 350 Kilometer hat Valeska schon geschafft. „Aber diesmal waren wir vier Wochen allein unterwegs, waren ganz für uns und konnten unser Tempo gehen.“ Die restlichen 150 Kilometer sollen bald folgen.

Zur Person

Valeska van den Berg ist in Lauchringen auf dem elterlichen Pferdehof aufgewachsen. Die 19-Jährige absolvierte die Fachschulreife und eine Ausbildung zur bio-technologischen Assistentin an der Justus-von-Liebig-Schule in Waldshut. Nach diversen Praktika bei Reitkunst-Experten in Europa hat sie sich vor einem Jahr selbstständig gemacht und arbeitet als Coach für Pferd und Mensch.