Neben der im Jahre 2015 ausgezeichneten Herzkissengruppe vom Verband Wohneigentum Oberlauchringen hat sich seit dem vergangenen Jahr eine weitere Nähgruppe mit dem Motto "Nähen mit Herz" im Verein etabliert. Die Gruppe besteht aus sieben Frauen, von denen etwa die Hälfte durch das Erleben einer Früh- oder Fehlgeburt Leidvolles erfahren musste. 

Die Nähgruppe „Nähen mit Herz“ im Verband Wohneigentum Oberlauchringen bei ihrer Zusammenkunft im Vereinsheim Oberlauchringen (von links): Irene Spinner, Claudia Rutschmann, Andrea Dackau, Andrea Schneider und Sylvia Geiger-Amann. <em>Bild: Herbert Schnäbele</em>
Die Nähgruppe „Nähen mit Herz“ im Verband Wohneigentum Oberlauchringen bei ihrer Zusammenkunft im Vereinsheim Oberlauchringen (von links): Irene Spinner, Claudia Rutschmann, Andrea Dackau, Andrea Schneider und Sylvia Geiger-Amann.

Für eine würdevolle Bestattung

Die Näherinnen haben spontan die Idee entwickelt, für Fehl-, Früh- oder Totgeburten Sternenbettchen und Einschlagdecken zu nähen. Ihre Erfahrungen haben gezeigt, dass Krankenhäuser und Kinderkliniken meist nicht mit Kleidungsstücken für diese besonderen Kinder ausgestattet sind, um sie angemessen zu versorgen oder verstorbene Babys würdevoll zu betten.

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Schon bevor die Nähgruppe "Nähen mit Herz" in diesem Jahr damit angefangen hat, solche "Bekleidungen" zu nähen, haben die Frauen bereits vor zwei Jahren damit begonnen, Frotteelätzchen für behinderte Kinder, Nesteldecken und Luftballonhüllen als Therapiebälle für an Demenz Erkrankte, sowie Schürzen für das Familienzentrum Hochrhein zu nähen. Die Frauen möchten durch ihre Aktionen Menschen in besonderen Lebenssituationen helfen, und zeigen: "Wir denken an euch, ihr seid nicht allein!"

Übergabe in einem Karton

Nachdem Andrea Schneider von der Nähgruppe vor wenigen Jahren nicht überlebensfähige Zwillinge zur Welt gebracht hatte und diese ihr nur in einem Karton übergeben werden konnten (siehe Interview), reifte in ihr der Gedanke, für solche Geschehnisse angepasste Bekleidungsstücke zu entwerfen und zu nähen. Mit dieser Idee fand sie spontanen Zuspruch bei weiteren sechs Näherinnen, die zum Teil durch Frühgeburten gleichartige Erfahrungen gemacht hatten.

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Die Umsetzung dieser Idee erfolgt nun seit Mitte dieses Jahres mit der Herstellung solcher Bettchen und Decken aus Stoffspenden und in Handarbeit, wofür die Näherinnen eigene Schnittmuster kreiert haben. Die liebevoll gefertigten Sachen geben die Näherinnen kostenfrei an die Krankenhäuser und Kinderkliniken im Umkreis ab.

Diese sind sehr dankbar und freuen sich sehr über das besondere Engagement der Näherinnen. Es wurden außerdem fleißige Strickerinnen für kleinste Söckchen und Schühchen aktiviert, um das Angebot abzurunden. Neben den Kliniken können sich auch Privatpersonen in entsprechender Situation an die Nähgruppe im Verband Wohneigentum Oberlauchringen wenden.

"Ich kannte niemanden mit solch einem schmerzlichen Verlust"

Andrea Schneider hatte die Idee zur Nähgruppe. Bild: Herbert Schnäbele
Andrea Schneider.

Andrea Schneider (42) aus Lauchringen ist Betroffene und Initiatorin der Aktion. Im Interview gibt sie Einblick in die Arbeit der Gruppe.

Frau Schneider, Sie haben vor einigen Jahren Zwillinge zur Welt gebracht, die nicht überlebensfähig waren. War diese besondere Erfahrung die Initialzündung dafür, dass Sie heute in Ihrer Nähgruppe beim Verband Wohneigentum Sternenbettchen und Einschlagdeckchen für Frühchen und Sternchen nähen?

Ja, ohne dieses einschneidende Erlebnis wäre ich wahrscheinlich nicht auf diese Idee gekommen. Ich kannte niemanden mit solch einem schmerzlichen Verlust. Außerdem spricht man auch nicht gerade drüber. Leider gibt es Fehl- und Frühgeburten häufiger als man denkt. Die Hebamme im Krankenhaus musste uns damals unsere Kinder in einem Karton übergeben, da es nichts Besseres gab. Wir hatten das Glück, dass meine Schwester für unsere Sternchen etwas Passendes nähte, um diese wenigstens einmal hübsch betten und würdevoll bestatten zu können.

Sind Sie mit der Idee bei ihren Kolleginnen in der Nähgruppe „Nähen mit Herz“ gleich auf große Akzeptanz gestoßen?

Ja, wir hatten schon seit zwei Jahren unterschiedliche Artikel für verschiedene soziale Einrichtungen gefertigt. Da wir ein neues Projekt in Angriff nehmen wollten und die Hälfte meiner Nähkolleginnen selbst leidvolle Erfahrungen mit Früh- und Fehlgeburten gemacht hatte, war schnell klar: „Das ist unser neues Projekt!“ Wir wollen mit unseren Aktivitäten nach und nach Kliniken in unserem näheren und weiteren Umkreis helfen, für diese Fälle entsprechend ausgestattet zu sein. Auch Privatpersonen können von uns bei Bedarf entsprechende Artikel kostenlos beziehen. Uns ist es wichtig, den Eltern einen kleinen Teil abzunehmen und zu zeigen: „Ihr seid nicht allein – wir denken an euch, selbst wenn eure Kinder noch so klein sind.“

Wie finanzieren Sie Material und Ausstattung?

Wir treffen uns ein bis zwei Mal im Monat in unserem Vereinsheim, nähen mit unseren eigenen Nähmaschinen und können im Zusammenwirken mit der Herzkissengruppe immer wieder auf Stoffspenden zurückgreifen. Durch den häufigen Transport und die großen Temperaturschwankungen, sind unsere Maschinen besonderen Belastungen ausgesetzt. Wir würden uns deshalb freuen, wenn wir die eine oder andere Nähmaschine als Spende bekommen könnten, um diese Maschinen im Vereinsheim zu stationieren. Oft stehen in Haushalten ungenutzt voll funktionstüchtige „Schätzchen“, für die wir eine wertvolle Verwendung hätten. Da wir ehrenamtlich arbeiten und sich unsere liebevoll gefertigten Sachen rein aus Spenden finanzieren, sind wir auch für Stoffe, Spitzen oder Bänder dankbar.

Fragen: Herbert Schnäbele

Anfragen nimmt die Gruppe unter der Telefonnummer 07741/68 98 24 oder per E-Mail (ichbinkleinmeinherzistrein@web.de) entgegen.