Weit über 100 Kommentare und Reaktionen auf den SÜDKURIER-Facebookseiten hinterließen Internetnutzer in den vergangenen Tagen zur Berichterstattung über die mutmaßlichen Misshandlungen von Kindergartenkindern inOberlauchringen. Essen bis zum Erbrechen und Schlafen auf Befehl waren die Vorwürfe, die der Träger, das Erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg, am vergangenen Donnerstag eingeräumt hatte. Am vergangenen Freitag eröffnete die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen anlässlich der Berichterstattung im SÜDKURIER ein Ermittlungsverfahren.

Vehemente Ablehnung solcher Handlungen sind die häufigste geäußerte Reaktion unter den Facebook-Nutzern. Unter dem Namen Silvia Schindler wird beispielsweise kommentiert: „So ein Verhalten der Erzieherinnen ist ein absolutes No-Go. Sie schädigen nicht nur die Kinderseelen, sondern auch den Ruf der Erzieherinnen, die sehr liebe- und verständnisvoll mit den Kindern umgehen.“ Kommentare wie der ihre finden sich viele. Mehrheitlich wird Unverständnis zum Ausdruck gebracht, auch darüber, dass die Vorfälle erst nach rund einem Jahr bekannt wurden und der Träger mit der Kündigung der Kindergartenleiterin und ihrer Stellvertreterin Konsequenzen gezogen hatte, wie der SÜDKURIER berichtete.

Erzieherinnen äußern sich

Facebook-Nutzerin Jenny Czichowsky schreibt: „Ich, selbst Mama und Erzieherin kann aber auch nicht nachvollziehen, warum scheinbar keiner der Kollegen eingegriffen hat... Die Leitung und ihre Stellvertretung werden ja in der Ess- und Schlafsituation nicht immer mit den Kindern allein gewesen sein. Warum kam von dessen Seite nichts? Kann man bei solchen Situationen einfach wegschauen und diese ignorieren? Wenn ja, dann haben sie meiner Meinung nach den Beruf verfehlt, auch wenn ihr eigener Umgang mit den Kindern anders ist.“

Aber auch das Verhalten der Eltern wird in den sozialen Netzwerken hinterfragt: Eine Kommentatorin schreibt unter dem Namen Gina Stollarski: „Diese Vorwürfe standen schon länger im Raum. Und alle Kinder wurden da noch weiterhin hin gebracht?! Das wäre mir im Traum nicht eingefallen. Egal ob mein Kind betroffen gewesen wäre oder nicht, sofort da raus nehmen.“

Facebook-Nutzerin Bettina Wiehl-Wutzler vertritt ebenfalls diese Ansicht: „Viele wussten, dass ihr Kind in dieser Einrichtung nicht gut aufgehoben ist und haben es dennoch jeden Tag dorthin gebracht und den Mund gehalten. Für mich persönlich nicht nachvollziehbar. Kein Job der Welt ist es wert, dass das eigene Kind misshandelt und psychisch kaputtgemacht wird.“

Nutzerin Jas Win: „Ich hatte keine Wahl“

Unter dem Kürzel Jas Win bezieht eine Kommentatorin zu diesen Vorwürfen Stellung, die selbst angibt, eine der Mütter zu sein, deren Kind die Einrichtung besuchte: „Ich gehörte zu einem der Elternteilen, die mit Vorwürfen auf die Verantwortlichen zu ging. Man hat zwar das Landesjugendamt eingeschaltet aber mehr als, es würde nicht stimmen was unsere Kinder sagen, kam nicht. Und weißt du was. Ja ich bin berufstätig. Und ich hatte keine Wahl mein Kind wo anders hinzubringen. [...] Wir hatten als die einzigen beiden Elternteile, die den Mund aufmachten, keine Chance. Es hieß nur, es würde nicht stimmen.“

Insgesamt positiv wird im Internet bewertet, dass nun die Staatsanwaltschaft in diesem Fall ermittelt. „So was darf nicht ungestraft bleiben“, schrieb beispielsweise eine Facebook-Nutzerin unter dem Namen Ramona Mona.

Auch die Frage nach der Vorbeugung solcher Übergriffe beschäftigt im Internet: Unter dem Namen Sandra Topolac wird kommentiert: „Kindergärten und Erzieher sollten mehr unter die Lupe genommen werden. Prüfungen, Kontrollen etc. Der Steuerprüfer kommt doch auch jedes Jahr in jedes Unternehmen.“

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