Lauchringen – „Niemals geht man so ganz“, dieser Satz war bei der offiziellen Verabschiedung von Pfarrerin Martina Stockburger öfter zu hören. Die Verabschiedung begann mit einem Gottesdienst, geleitet von Dekanin Christiane Vogel. Die Tageslosung lautete „Ich bin der gute Hirte“ und unter dem Motto „wollen wir wie Schafe sein, die blind und dumm in der Herde einfach ihrem Hirten hinterher laufen?“ gestaltete die Dekanin ihre Predigt und hinterfragte damit die Führung und die Führungsrollen. Martina Stockburger hatte in der evangelischen Kirchengemeinde ebenfalls eine wichtige Führungsrolle inne, die sie mit Leben, Talent und Begeisterung füllte. Dennoch reduzierte die Dekanin die Funktion der Pfarrerinnen und Pfarrer auf die des Leithammels, der „bei Licht betrachtet auch nur ein Schaf ist“.

Im Glauben und in der Kirche sei es notwendig die Stimme des Hirten Jesu zu kennen und zu hören und deshalb wünschte Vogel der scheidenden Pfarrerin auch für ihre neue Stelle eine stetig gute Verbindung mit dem Blick hin zum guten Hirten und legte ihr segnend neben Peter Schrade als Vertreter der Kirchenältesten, die Hände auf. In der Unterlauchringer Gemeindehalle war eine „kleine“ Abschiedsfeier geplant, die sich jedoch aufgrund der zahlreichen Rede- und Programmbeiträge über mehrere Stunden hinzog. Neben allen Vertretern und Mitgliedern der ehrenamtlichen kirchlichen Gruppen und Kreisen fanden auch die politischen Amtsträger lobende wie dankende Worte des Abschieds. So erinnerte sich Ralf Augustin als Vorsitzender des Kirchenältestenrates noch sehr genau an die Vorstellung des Pfarrer-Ehepaares Martina und Rainer Stockburger im Jahr 2005.

Rainer Stockburger übernahm die Tiengener Gemeinde, die Ehefrau Lauchringen. Jetzt zieht es beide an den Bodensee nach Stockach und Steißlingen. Mit Heiko Probst als Moderator wurde deutlich, wie effizient Martina Stockburger in der Wutach-Gemeinde wirkte, „ich war mal Katholik“, erzählte er redselig. Und auch die närrischen Männer orientierten sich gerne an der unkomplizierten Pfarrerin, die mit Spaß an der Fasnacht mitmischte.

So kam ans Tageslicht, dass die Herren der Schöpfung beichteten, ohne dass dies in der evangelischen Liturgie vorgesehen ist, aber auch mit Vergnügen das Brot und den Wein mit Stockburger teilten. Dafür bekam die Pfarrerin zum Abschied die Ehrenorden beider Lauchringer Narrenzünfte überreicht. Bürgermeister Thomas Schäuble brachte zur Verabschiedung nicht nur einen prall gefüllten Geschenkekorb mit Lauchringer Produkten mit, sondern extra ein Gedicht, was verdeutlichte, dass Religion und Politik in Lauchringen in guter Verbindung standen. Unterstrichen wurde diese positive Verbindung auch durch die Abschiedsreden von Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter und dem Landtagsabgeordneten Felix Schreiner. Mit zahlreichen Redebeiträgen, kreativen und musikalischen sowie künstlerischen Gestaltungen verabschiedeten sich die Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Lauchringen von ihrer Pfarrerin. „Lieber ein bisschen warten und dann jemand passendes für die Gemeinde finden“, bestätigte Dekanin Vogel die vakante Stelle, die zunächst vom ehemaligen Schuldekan Ulrich Hoffmann verwaltet wird. Ab Herbst hilft Pfarrer Matthias Hasenbrink bei der Übernahme der Gottesdienste und dem Konfirmationsunterricht.