Noch immer fällt es Ronald Landwehr aus Tiengen sichtlich schwer, über das Aus der Lauffenmühle zu sprechen. Knapp 40 Jahre hat der 55-Jährige in dem Textilbetrieb in Lauchringen gearbeitet, erst im Hochregallager, später bei der Verladung der LKW. „Das war fast mein gesamtes Leben. Viele der rund 160 Mitarbeiter haben nie irgendwas anderes gearbeitet – oft waren mehrere Generationen dort beschäftigt. Wir Mitarbeiter haben uns mit der Lauffenmühle identifiziert – wir waren die Lauffenmühle. Jetzt ist sie Geschichte.“

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Knapp 20 Kilometer legt Ronald Landwehr als Hausmeister täglich an der Schule am Hochrhein zurück. Der 55-Jährige ist nicht nur für die Schule zuständig, sondern auch für die Sporthalle und den Wohnmobilplatz.
Knapp 20 Kilometer legt Ronald Landwehr als Hausmeister täglich an der Schule am Hochrhein zurück. Der 55-Jährige ist nicht nur für die Schule zuständig, sondern auch für die Sporthalle und den Wohnmobilplatz. | Bild: Duygu-D'Souza, Susann

Ronald Landwehr ist einer, der sich frühzeitig, also noch vor dem endgültigem Aus, um eine neue Stelle beworben hat – mit Erfolg. Seit Mai arbeitet er als Hausmeister an der Schule am Hochrhein in Lauchringen. Für ihn stand schon Ende 2017 fest, dass die Lauffenmühle wieder in Schwierigkeiten steckt. „Das wurde deutlich durch den Verkauf des Hochregallagers und der Turbine.“ Einige Monate danach gab es dann die Betriebsversammlung. „Wir haben den Mercedes mit Stuttgarter Kennzeichen auf dem Gelände gesehen und wussten, was das zu bedeuten hat. Denn im Wagen aus Stuttgart war kein unbekannter – er gehört Insolvenzverwalter Philipp Grub.“ Landwehr weiter: „Uns war spätestens jetzt klar, dass unsere Lauffenmühle wieder Insolvenz anmelden muss.“ Mittlerweile die Fünfte – und diesmal auch die Letzte.

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Ronald Landwehr hat einen Neuanfang geschafft. „Und das mit 55 Jahren. Zudem bin ich gesundheitlich angeschlagen durch die schwere Arbeit in der Lauffenmühle. Deshalb bin ich wirklich sehr dankbar für die Möglichkeit, in der Schule zu arbeiten. Die Gemeinde hat versucht, so viele Leute aus der Lauffenmühle aufzufangen, wie es ihr möglich war.“

Dennoch hätten viele seiner Kollegen noch keine neue Stelle gefunden. „Ich habe ihnen schon vor der Insolvenz geraten, sich bei anderen Firmen zu bewerben. Aber irgendwie hat keiner an das tatsächliche Aus des Unternehmens gedacht oder es wahr haben wollen. Schließlich haben die Kollegen ja auch bis zum Schluss für den Erhalt der Lauffenmühle gekämpft.“

Schwer sei es für Landwehr schon gewesen, eine neue Stelle anzutreten und die alten Kollegen zu verlassen, aber die neuen Kollegen und sein Vorgänger hätten ihn sehr herzlich aufgenommen und ins Team eingebunden. „Ich kann schon jetzt sagen, dass ich wieder eine tolle neue Stelle gefunden habe, aber leider geht es nicht jedem aus der Lauffenmühle so.“ Das weiß der 55- Jährige, weil er sich regelmäßig mit seinen Kollegen trifft. „Wir haben so lange zusammengearbeitet, dass die Kontakte auch über die Arbeit hinaus gehen.“

Nachdem auf Initiative der Gemeinde Lauchringen eine Jobbörse mit der Bundesagentur für Arbeit und der Wirtschaftsregion Südwest in der Lauchringer Gemeindehalle vor wenigen Tagen auf die Beine gestellt wurde, konnten erste Kontakte zwischen etlichen ehemaligen Mitarbeitern der Lauffenmühle und Firmen geknüpft werden. „Ich hoffe, dass viele wieder eine neue Stelle finden und appelliere an alle Firmen, die Mitarbeiter der Lauffenmühle einzustellen. Denn loyalere und fleißigere Mitarbeiter kann man sich kaum vorstellen.“ Landwehr weiter: „Wir Mitarbeiter haben im Rahmen der fünf Insolvenzen auf viel Geld verzichtet, um überhaupt ein Weiterbestehen der Firma und auch unserer Stelle möglich zu machen – und das heißt schon einiges.“

Weil Ronald Landwehr knapp drei Monate vor der offiziellen Betriebsschließung seine neue Stelle angefangen hat, müsse er auf die Abfindung verzichten. Für ihn ärgerlich, wenn er daran denkt, dass er fast 40 Jahre dort gearbeitet hat und immer wieder auf Geld verzichten musste. „Aber immerhin habe ich eine neue spannende Arbeit gefunden.“