Der Patient kommt in die Praxis, bekommt einen Herzschrittmacher und darf nach etwa drei, vier Stunden wieder nach Hause gehen. Kaum vorstellbar. In der Praxis des Herzspezialisten Brahim Krasniqi im Ärztezentrum in Lauchringen ist es seit mehr als einem Jahr fast schon Alltag. Als einziger in der Region praktiziert der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, wie er versichert, ambulante kardiologische Operationen.

Das Team in der Praxis Krasniqi: Nicole Gluch, Larisa Preus, Regina Bennek , Dr.Brahim Krasniqi, Dr. Annette Hoffmann und Silvia Rühmann (von links).
Das Team in der Praxis Krasniqi: Nicole Gluch, Larisa Preus, Regina Bennek , Dr.Brahim Krasniqi, Dr. Annette Hoffmann und Silvia Rühmann (von links). | Bild: Michael Neubert

Schrittmacher und implantierte Defibrillatoren, darunter kann sich der Laie noch etwas vorstellen. Bei „Eventrecorder“, „TEE gestützte Kardioversionen“ muss er schon genauer nachfragen. Es geht darum, Herzrhythmusstörungen und Herzflimmern rechtzeitig zu erkennen und behandeln, die Ursachen von kurzzeitigen Bewusstseinsverlusten zu klären. Schlucksonden werden in die Speiseröhre eingeführt. So diagnostiziert der Spezialist Herzklappenfehler.

Das OP-Team: Monika Turbeis, Brahim Krasniqi, Anästhesistin Karin Mahr und Regina Bennek(von links).
Das OP-Team: Monika Turbeis, Brahim Krasniqi, Anästhesistin Karin Mahr und Regina Bennek(von links). | Bild: Praxis Krasniqi

Das „Herzbild“ wird mittels Monitoring digital überwacht. „So können wir Störungen frühzeitig feststellen“, erklärt Krasniqi. Auch hierfür gibt es spezielle Geräte. Die Daten können übertragen werden, der Kardiologe kann Unregelmäßigkeiten frühzeitig erkennen. Krasniqi: „Das Herzbild kann rund um die Uhr überwacht werden.“ Zwischen Arzt und Patient entstehe eine enge Verbindung. Auch, was die Nachkontrolle betrifft.

Weltweit erhielten mehr als eine Million Patienten einen implantierbaren Herzmonitor, Schrittmacher oder Defibrillator, heißt es in der Broschüre des Homemonitoring-Entwicklers Biotronik. Die implantierbaren Geräte glichen heute winzigen Computern, die Enormes leisteten und immer komplexer würden. Wer sich einem derartigen Eingriff unterzieht, denkt sofort an einen längeren Krankenhausaufenthalt. In der Lauchringer Praxis geht alles in wenigen Stunden, nach denselben Sicherheitsstandards wie im Krankenhaus. Unterstützt von einer erfahrenen Narkoseärztin dauert der Eingriff, von der Vorbereitung bis zur Implantation, eine Stunde. „Plus zwei bis drei Stunden Nachsorge. Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, kann der Patient nach Hause“, sagt Krasniqi. Die Praxis sei eng mit dem Krankenhaus verbunden. Bei Komplikationen könne schnell reagiert werden. Aber Krasniqi versichert: „Wir arbeiten so vorsichtig, dass nichts passieren kann.“

Künftig noch mehr OP-Tage

Das OP-Team kann die Infrastruktur des Ärztehauses nutzen. Der OP-Bereich der Praxis Boll steht zur Verfügung. Krasniqi: „Wir mieten die Räume. Es klappt gut mit den Terminen. Alles ist gut koordiniert.“ Krasniqis Wunsch ist, die Wartezeiten zu verkürzen. In naher Zukunft will er mehr OP-Tage anbieten, damit die Patienten schneller versorgt würden.

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Der 42-jährige Facharzt und frühere Oberarzt in der Kardiologie im Heliosklinikum in Aue, der seit 2017 in Lauchringen praktiziert, ist ein erfahrener Spezialist. In seiner Laufbahn habe er weit über 500 Implantationen (Applikationen) durchgeführt. Seit der Einführung des neuen Tätigkeitsfelds in Lauchringen seien es bisher an die 60 gewesen. „Mit höchster Zufriedenheit der Patienten, ohne Komplikationen.“ Die Patienten kommen aus Lottstetten, Murg, Bad Säckingen, Blumberg oder Grafenhausen. In Zeiten des Ärzte- und Fachärztemangels betont Krasniqi: „Die Kardiologie ist hier unterversorgt. Dass wir das anbieten können, darauf sind wir stolz.“