Wenn der graue Transportbus an einem sonnigen Donnerstagnachmittag die Haltestelle beim Gartenhotel Feldeck in Oberlauchringen ansteuert, ist sofort klar, dass dies keine gewöhnliche Busfahrt werden wird. Fahrer Edwin Ebi steigt aus, um den zwei bereits wartenden Damen in den Kleinbus zu helfen und sie anzuschnallen. Dann schwingt er sich wieder auf den Fahrersitz. So beginnt die erste von vier Touren des Lauchringer Bürgerbusses, der von Ober- nach Unterlauchringen und zurück fährt.

Das Angebot ist kostenlos

Edwin Ebi ist bereits seit zwei Jahren einer von vier ehrenamtlichen Fahrern der von der Gemeinde eingerichteten Buslinie. Wer hier mitfährt, muss kein Ticket ziehen. Die Fahrt im Bürgerbus ist kostenlos – und unterscheidet sich nicht nur da von einer Fahrt im öffentlichen Nahverkehr. Schnell entwickelt sich zwischen den beiden Damen – Anneliese Schülke und Alma Bomsdorf – und Ebi ein vertrautes Gespräch über das Wetter und den Besuch von Familienmitgliedern.

Als ehrenamtlicher Fahrer sorgt Edwin Ebi dafür, dass seine Fahrgäste unbeschwert in Unterlauchringen einkaufen konnten – und wieder zurück nach Oberlauchringen kommen.
Als ehrenamtlicher Fahrer sorgt Edwin Ebi dafür, dass seine Fahrgäste unbeschwert in Unterlauchringen einkaufen konnten – und wieder zurück nach Oberlauchringen kommen. | Bild: Halter, Maximilian

Mit den Fahrgästen ist der 67-jährige ehemalige Berufskraftfahrer mittlerweile per du. „Ich bin Lauchringer, sie sind Lauchringer. Das ist dann persönlicher“, erklärt er. Alma Bomsdorf wirft vom Rücksitz ein: „Unsere Fahrer sind alle so freundlich und hilfsbereit. Ohne sie wären wir schon längst verhungert.“

Bürgerbus soll das Einkaufen ermöglichen

Tatsächlich ist der Bürgerbus seinerzeit wegen der fehlenden Einkaufsmöglichkeiten in Oberlauchringen gegründet worden. Bürgermeister Thomas Schäuble erklärt: „Als bekannt wurde, dass das Lebensmittelgeschäft Weissenrieder in Oberlauchringen zum Jahresende 2013 schließen wird, haben wir mit dem Bürgerbus noch davor ein kostenloses Angebot geschaffen, damit gerade auch ältere Personen wenigstens an zwei Tagen einfach und problemlos zu den Geschäften, Banken oder auch zu den Ärzten fahren können.“

Dafür mussten die ehrenamtlichen Fahrer allerdings einen Personenbeförderungsschein machen, der alle fünf Jahre erneuert wird. „Der Personenbeförderungsschein wird von der Gemeinde bezahlt. Auch die Gebühren für die Wiederholungsprüfung nach fünf Jahren übernehmen wir“, sagt Bürgermeister Schäuble. Seit Einrichtung der Bürgerbuslinie wurden bis zum 30.6 bereits 8061 Fahrgäste mitgenommen, so Schäuble. „Das finde ich sehr beachtlich.“

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Zurück im Bürgerbus heißt es zusammenrücken. Alle Plätze sind mittlerweile belegt. Ebi erklärt: „Normalerweise haben wir den geräumigeren Bus vom Familienzentrum, doch die benötigen ihn zurzeit selbst. Dieser hier ist nur der Ersatzbus und eigentlich das Vereinsfahrzeug.“

Kann das eigentliche Fahrzeug, ein Bus vom Familienzentrum Lauchringen, nicht zum Einsatz kommen, nutzen die Fahrer das Vereinsauto der Gemeinde Lauchringen als Bürgerbus.
Kann das eigentliche Fahrzeug, ein Bus vom Familienzentrum Lauchringen, nicht zum Einsatz kommen, nutzen die Fahrer das Vereinsauto der Gemeinde Lauchringen als Bürgerbus. | Bild: Halter, Maximilian

Die Fahrgäste scheint dies nicht zu stören, die Gespräche sind in vollem Gange. Der Bus sei eben auch ein sozialer Treffpunkt, sagt Ebi. Die Menschen tauschen sich aus und nutzen die Zeit, um sich über alles Mögliche zu informieren, so der 67-Jährige. Wenn da jemand unangekündigt über einen längeren Zeitraum fehlt, kann es schon einmal sein, dass Ebi persönlich nach dem Rechten schaut.

Mit den Einkaufstaschen bis zur Haustüre

In Unterlauchringen hilft Ebi einem nach dem anderen aus dem Bus, bis er alleine zum Ausgangspunkt nach Oberlauchringen zurückfährt. Mit der zweiten Tour sammelt er hauptsächlich die bekannten Gesichter auf, die er zuvor erst nach Unterlauchringen gebracht hatte.

Auf dem Rückweg bringt er Alma Bomsdorf und Anneliese Schülke mit ihren schweren Einkaufstaschen bis vor die Haustüre. „Das ist so ein Service von uns Fahrern“, erklärt er. „Das wissen wir, dass das ein Service ist“, antwortet Anneliese Schülke, während sie ihre Einkäufe parat hält. Sie ist heute die Erste, die dank Edwin Ebi und dem Bürgerbus mit vollen Einkaufstaschen nach Hause kommt.