Die Biene ist ein essentieller Bestandteil der Nahrungsmittelproduktion. Ohne sie würde der Großteil der Bestäubung von Nutzpflanzen nicht stattfinden. Eingeschleppte Krankheiten, moderne Landwirtschaft und der Klimawandel machen der Biene allerdings zu schaffen. Zuletzt kam mit dem plötzlichen Kälteeinbruch im April eine weitere Belastung hinzu. Die regionalen Imker sind dennoch vorsichtig zuversichtlich.

Willi Dold ist Vorsitzender des Oberlauchringer Imkervereins und betreut den vereinseigenen Lehrbienenstand. Der Kälteeinbruch von Mitte bis Ende April wird seinen sieben und den rund 225 Bienenvölkern seiner 38 Vereinskameraden noch die gesamte Saison über zu schaffen machen. Obwohl durch die zuvor warmen Wochen bereits sehr viele Pflanzen zu blühen begannen, war es den Bienen damals zu kalt zum Ausfliegen. „Bienen fliegen erst ab einer Temperatur von zehn bis 12 Grad Celsius“, erklärt Dold.

Der Frost machte vielen Blüten, darunter jenen von Obstbäumen, wie Kirsche und Apfel, und Weinreben, wieder den Garaus, noch bevor sie bestäubt werden konnten. Bis zu 90 Prozent an Einbußen beklagen die regionalen Obstbauern und Winzer schon jetzt. Die Nahrung aus den erfrorenen Blüten fehlt auch den Bienen.

Zwar würde man meinen, in der Natur gäbe es genügend Blüten, an denen die Biene satt würde, doch auch hier müsse die Biene laut Dold mittlerweile hungern. Monokulturen aus Mais böten nur sehr wenig Nahrung für die nur rund drei Kilometer von ihrem Stock ausfliegende Biene. Blütenreiche Mischwesen gibt es immer weniger.

Trotz Zuversicht macht sich der Bienenflüsterer Sorgen um die Gesamtsituation der Biene. Rückgängige Nahrungsketten und Krankheiten fordern ihre Opfer. <em>Bilder: Peter Rosa</em>
Trotz Zuversicht macht sich der Bienenflüsterer Sorgen um die Gesamtsituation der Biene. Rückgängige Nahrungsketten und Krankheiten fordern ihre Opfer. Bilder: Peter Rosa

Bereits in den vergangenen Jahren wurde deutlich, dass die Biene vom Aussterben bedroht ist. Laut der aktuell geltenden Roten Liste für bedrohte Arten sind 31 der rund 560 in Deutschland heimischen Wildbienen vom Aussterben bedroht, 39 gelten als ausgestorben oder verschollen. Viele weitere sind gefährdet. Gemäß den Angaben des Deutschen Bienenjournals im Deutschen Bauernverlag zählen fast 41 Prozent der Wildbienen zu den bestandsgefährdeten Arten. Laut Bundesregierung sei die Ursache auch in der intensiven Nutzung von Landflächen mitbegründet, die keinen Platz für Mischwiesen ließe, oder diese zu früh entferne. Auch „aufgeräumte“ private Gärten seien als Nistplätze für Wildbienen ungeeignet.

Das Problem besteht weltweit. So mussten zum Beispiel in China und den USA bereits Nutzpflanzen in großem Umfang von Hand bestäubt werden, weil die Populationen der früher dafür verantwortlichen Insekten stark zurückgegangen waren. Auch die Honigbiene leidet unter dem rückgängigen Nahrungsangebot. Zudem machen ihr Krankheiten zu schaffen, allen voran Faulbrut und Varroa-Milbe. Der Befall durch Letztere kann mit einer speziellen Ameisensäure behandelt werden, die jedoch jeder Imker aus eigener Tasche bezahlen muss.

Trotz der Tatsache, dass auch Willi Dold im Jahreswechsel 40 Prozent seiner Bienenvölker verloren hat, ist der Imker zuversichtlich. In den vergangenen zwei Jahren habe das Bewusstsein für die Problematik zugenommen und auch das Interesse an der Imkerei sei gestiegen.

Alleine der Imkerverein Oberlauchringen konnte in den vergangenen zwei Jahren 15 Neumitglieder aufnehmen. Auch der Lehrbienenstand sei ein beliebtes Ausflugsziel. Vor allem Kindergartengruppen lernen die Biene und ihre Bedeutung für Mensch und Natur, hier kennen. „Ohne Biene geht gar nichts“, sagt Willi Dold.
 

Kontakt: Wer den Lehrbienenstand besuchen möchte, kann sich beim Vereinsvorsitzenden Willi Dold im Internet (www.bienenflüsterer.de) anmelden.