Lauchringen Grabhügel bei Lauchringen bleiben erhalten

Seit 1928 wurden mehrere Hügelgräber aus der Bronzezeit bei Lauchringen gefunden. Die archäologischen Funde sind etwa 3500 Jahre alt. Die Bauplanung im Gewerbegebiet ist daher eingeschränkt. Ausgrabungen sieht das Denkmalamt allerdings skeptisch, weil zu teuer.

Die Gemeinde Lauchringen will ihr Gewerbegebiet Wiggenberg in Oberlauchringen nach Osten erweitern. Im Gemeinderat wurde Ende September ein Planentwurf vorgestellt, der überraschend geändert werden musste, denn auf dem vorgesehenen Gelände befinden sich Hügelgräber, die vom Landesamt für Denkmalpflege in Stuttgart der Bronze- oder Hallstattzeit zugeschrieben werden.

Vor 2500 bis 3500 Jahren lebten in Mitteleuropa Menschen, über deren Gesellschaftsformen es nur archäologische Befunde geben kann. Da in Holz gebaut wurde, sind kaum Siedlungsreste zu ermitteln, doch erlaubt die damalige Bestattungsweise der Toten Rückschlüsse auf das Niveau der Kulturen.

In den frühen Jahrhunderten handelte es sich um Körperbestattungen, später vorwiegend um Urnenbegräbnisse, und zumeist sind Beigaben aufzufinden: Waffen bei den Männern, Schmuck bei den Frauen. Über den steinernen Grabkammern wurden Hügel aufgeschüttet, die über die Jahrtausende zwar erodiert, doch in bergigen Lagen noch oft erhalten sind. Viele wurden in den letzten 2000 Jahren geplündert, die Hügel in den Ebenen zumeist unerkannt “abgeackert”. Im Landkreis gibt es nach letzten Feststellungen (J. Hessel, 1998) noch 350 bis 400 Grabhügel – je weiter in den Schwarzwald, desto mehr. In der Umgebung von Titisee-Neustadt sind es noch 2600.

Entdeckung im Jahr 1928

Am Wiggenberg befinden sich heute noch vier von ursprünglich 18 Hügelgräbern. Diese wurden in den Zeiten aktiver Heimatforschung 1928 entdeckt, später dann kartiert und vermessen und 1969 durch Egon Gerspach in den “Badischen Fundberichten, Band 11” kreisweit veröffentlicht. Gerade noch rechtzeitig, denn im selben Jahr plante die damals noch selbstständige Gemeinde Oberlauchringen die Einrichtung eines Gewerbegebiets genau im Bereich der westlichen Hügelgruppe. Die Planung wurde genehmigt, “sodass die zwölf Hügel 1971/72 vollständig ausgegraben werden mußten. Die Erd-Stein-Hügel erbrachten Befunde der Hallstattzeit und Hinweise auf eine schon frühere Belegung in der mittleren und ausgehenden Hügelgräberbronzezeit” (Wesselkamp, 1990).

Die noch unberührte östliche Hügelgruppe geriet 1985 ins Visier der Planer der Autobahn A 98, deren Trasse dann so gewählt wurde, dass hier 1990 nur zwei Hügel weichen mussten. Im größeren der Hügel befanden sich acht Gräber. Die Männergräber enthielten Bronzedolche, die der Frauen bronzene Armreifen, in allen fanden die Archäologen auch Nadeln (Gewandspangen). Im zweiten Hügel mit fünf Toten verschiedener Altersstufen befanden sich auch Beigaben aus Eisen. Das Material wird im zentralen Fundarchiv Rastatt des Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg verwahrt. Die Hügelgräber am Wiggenberg sind die einzigen, die bislang im Landkreis Waldshut archäologisch untersucht wurden.

In der Gemeinderatssitzung, in der die Hügelgräber als “Planungshindernis” auftauchten, meinte Bürgermeister Thomas Schäuble spontan: „Wir sollten Ausgrabungen lancieren und das Gebiet der Öffentlichkeit zugänglich machen.“ Dem begegnete das Landesdenkmalamt jedoch mit einem Hinweis auf hohe Kosten. Die Ausgrabung der „Autobahnhügel“ wurde vom Staat finanziert, in Lauchringen würde die Gemeinde mit in die Pflicht genommen.

Das betroffene Areal wurde mittlerweile aus der Planung ausgegrenzt. Noch ist es vor Ort nicht gelungen, die Lage der Grabhügel genau auszumachen. Sie befinden sich jedoch in einem von Waldwegen klar abgetrennten Bereich.

Bronze- und Hallstattzeit

Die “mittlere und ausgehende Bronzezeit” wird auf 1800 bis 800 v. Chr. datiert, die Hallstattzeit (benannt nach einem Fundort in Österreich) ist danach durch die Verwendung von Eisen charakterisiert und wird den “frühen Kelten” zugeordnet. Südwestdeutschland gehört zu den Zentren keltischer Kultur, die Volksstämme wurden im 1. Jahrhundert n. Chr. von den Römern unterworfen und weitgehend friedlich “romanisiert”.

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