Schon lange hat Ehsa Muhammad Makhdoom mit der großen Wasserrutsche im Lauchringer Freibad geliebäugelt. So ein Teil hätte er gern für ein Freibad in seinem Heimatort im Norden Pakistans. Jetzt, zum Jahresende, ist er am Ziel seiner Wünsche. Die Gemeinde Lauchringen überlässt ihm das Spaßgerät zum Nulltarif. Allerdings muss sich der 45-Jährige um Abbau, Personal und Transport selber kümmern. „Das ist alles per Vertrag geregelt“, informierte Bürgermeister Thomas Schäuble auf Anfrage.

Seit 1984 sorgt die Großrutsche im Lauchringer Freibad für Badespaß. Bis 15. Januar muss sie abmontiert sein. Der neue Besitzer bekommt sie gratis von der Gemeinde. Er will das Teil nach Pakistan bringen lassen. Bild: Herbert Schnäbele
Seit 1984 sorgt die Großrutsche im Lauchringer Freibad für Badespaß. Bis 15. Januar muss sie abmontiert sein. Der neue Besitzer bekommt sie gratis von der Gemeinde. Er will das Teil nach Pakistan bringen lassen. | Bild: Herbert Schnäbele

Die Rutsche nach Pakistan in seinen Heimatort Sarai-E-Alamgir zu bringen, ist ein Herzensprojekt des Geschäftsmannes Ehsan MuhammadMakhdoom. In jungen Jahren ist er nach Mailand ausgewandert, hat dort als Journalist und Autor gearbeitet und zwei Zeitungen gegründet, für Landsleute und diplomatische Kreise. Bis 2015 ist er viel in der Welt herumgekommen, bis er sich in Waldshut niederließ, seit kurzem ist er auch Gastronom.

Der Kontakt in die Heimat sei in all den Jahren sehr eng gewesen, erzählt der 45-Jährige bei seinem Besuch in der Redaktion. Auch für Politik habe er sich stets interessiert und sie auch kritisch verfolgt. Unter anderem habe er früher den jetzigen PräsidentenImran Khan unterstützt.Makhdoom zeigt beim Gespräch über sein Projekt viele Fotos von sich mit dem früheren Cricketstar bei Veranstaltungen.

Engagement für die Heimat

Sein großes Anliegen ist es, die Menschen in seiner Heimat mit seinen Möglichkeiten zu unterstützen, wie er sagt. So hat er für Krankentransporte kostenlos ein Auto zur Verfügung gestellt. Das Angebot möchte er mit weiteren Fahrzeugen ausbauen, eventuell ausgemusterte Krankenwagen, die er kaufen würde.

Schon im Frühsommer soll auf diesem Gelände in Pakistan ein öffentliches Freibad fertig sein. Möbliert wird es unter anderem mit einer Rutsche, die in Lauchringen ausgemustert wird.
Schon im Frühsommer soll auf diesem Gelände in Pakistan ein öffentliches Freibad fertig sein. Möbliert wird es unter anderem mit einer Rutsche, die in Lauchringen ausgemustert wird. | Bild: Ehsa Muhammad Makdoom

Sein jüngstes Projekt will er an seinem Heimatort realisieren: Ein öffentliches Freibad, das ein Treffpunkt mit Café und Freizeitmöglichkeiten werden soll. „Das Grundstück im Zentrum habe ich schon“, berichtet Ehsa Muhammad Makhdoom. Wenn die Rutsche in Pakistan ankommt, soll mit dem Bau des Freibads begonnen werden. Im April sollen die Container, die von Hamburg aus verschifft werden, in Pakistan ausgepackt werden können. Rund 7000 Euro kostet der Transport bis Karachi, von dort sind es noch etwa 1000 Kilometer bis in die Heimatprovinz Punjab. Etwa drei Monate soll dann der Schwimmbadbau dauern. „Ich werde den Fortgang der Arbeiten von hier aus verfolgen, ausführen werden ihn Arbeiter aus meiner Heimatstadt.“ Spätestens im Sommer sollen dann die ersten Badegäste die Rutsche in Betrieb nehmen. Die Badesaion dauert etwa neun Monate, rechnet sich Makhdoom aus, er hofft auf viele Besucher.

Lob für deutsche Kommunalpolitik

Er sei der Gemeinde Lauchringen und Bürgermeister Thomas Schäuble für die unbürokratische und schnelle Entscheidung dankbar, ihm die Rutsche zu überlassen. Überhaupt sei er sehr angetan von deutscher Kommunal- und Bundespolitik. „Das ist ein Vorbild für andere Länder“, sagt Makhdoom, der in seinen Publikationen unter anderem Korruption in Verwaltungen und Regierungen an den Pranger stellt. Gerne würde er auch Gäste aus Lauchringen nach Pakistan einladen, um die Fertigstellung des Projekts zu feiern. In Lauchringen freut man sich derweil schon auf die größere Rutsche, die zu Saisonbeginn aufgestellt sein soll. So steht hier wie dort dem Badespaß nichts im Wege.

Abbau bis 15. Januar

Die Lauchringer Rutsche, Baujahr 1984, hat damals 134.797,16 Euro gekostet (DM-Preis umgerechnet), wie der Leiter der Finanzverwaltung, Franz Tröndle, mit einem Klick in seine Computerdateien mitteilen kann. Nach zwölf Jahren sei sie komplett abgeschrieben gewesen, der Buchwert liege heute bei 0,00 Euro.

Die 62 Meter lange und 6,70 Meter hohe Rutsche wird nicht in einem Stück komplett von ihrem Standort abgehoben, sondern Teil für Teil demontiert, wie Dominik Weißenberger, stellvertretender Leiter des Ortsbauamts, weiß. Bis 15. Januar muss die Rutsche, die viele Sommer in Lauchringen für Badespaß sorgte, abgeräumt sein. „Sie besteht aus Halbschalen, 1,50 bis zwei Meter lang. Die sind einzeln gesteckt und werden von unten her abmontiert und dann in Container gepackt“, erklärt Weißenberger. Der künftige Besitzer habe schon mit der Arbeit angefangen und bisher vor allem Schrauben lösen müssen. Er werde aber wohl bald Hubgeräte brauchen, je höher es hinaufgeht. Die Rutsche am Bestimmungsort wieder zusammenzusetzen, sollte zu machen sein, meint der Gemeindemitarbeiter. Ehsan Muhammad Makhdoom habe die Grundrisspläne bekommen und sehe die Markierung der Einzelteile beim Abbau. Die müsse er in Pakistan dann wieder entsprechend zusammenstecken. Ähnlich wie in der Bauanleitung für ein Regal aus einem schwedischen Möbelhaus beschrieben? „Ein bisschen komplizierter ist das schon“, lacht Dominik Weißenberger. Der neue Besitzer ist schon bei der Arbeit. Bis Mitte Januar, da ist er zuversichtlich, sind alle Teile in Container nach Pakistan verpackt.