Lauchringen – Der Klimabeirat Lauchringen hat eine gemeindeeigene Wetterstation eingerichtet. Langfristiges Ziel ist es, die Auswirkungen des Klimawandels zu dokumentieren, kurzfristig soll die Auseinandersetzung mit dem Thema angeregt werden.

Die Wetterstation beim Tiefbrunnen zwischen Oberlauchringen und Erzingen, im sogenannten "Gehrgass", sammelt unter anderem Daten über Temperatur, Niederschlagsmenge und Sonneneinstrahlung. Das Interesse richte sich dabei vor allem auf die immer häufiger werdenden Extremwetterereignisse wie Stürme oder Hitzeperioden, erklärt der Vorsitzende des Klimabeirats Norbert Münch. Die im Zweiwochentakt per Notebook ausgelesenen Daten sollen in Zukunft auch über eine eigene Homepage veröffentlicht werden.

Der Tiefbrunnen zwischen Oberlauchringen und Erzingen sei für eine Wetterstation optimal, sagt Oliver Roters, Mitglied im Klimabeirat und Gemeinderat. Im Gegensatz zu der Wetterstation, die seit Jahren auf dem Dach des Rathauses betrieben wird, gibt es hier in weitem Umkreis nichts, was die Daten verfälschen könnte. Selbst bei tiefstehender Sonne reichten die Schatten der weit entfernten Bäume nicht an die Station heran. Ebenfalls gibt es hier keine Straßen ober Gebäude, deren Wärmeabstrahlung ebenfalls zu verfälschten Werten führen könne.

Die Idee zu einer eigenen Wetterstation ist aus Gesprächen hervorgegangen, die die Gruppe Bildung des Klimabeirats Mitte des Jahres mit den Rektoren örtlicher Grundschulen geführt hatte. Damals sei großes Interesse an einem solchen Projekt geäußert worden, so Münch. Die Kosten für die benötigte Technik belaufen sich auf rund 2500 Euro und werden von der Gemeinde getragen. Der benötigte Mast wurde vom Bauhof aufgestellt. Beratend zur Seite stand dem Projekt Helmut Kohler, der seit Jahren Wetterstationen in Bad Säckingen und Schwörstadt betreibt (www.wetter-schwoerstadt.de). In Zukunft soll an einem noch zu bestimmenden Standort die Freifläche für ein "Grünes Klassenzimmer" entstehen, das Schulklassen für Experimente und den direkten Unterricht über die Natur nutzen können. "Wir können die gesetzten Klimaziele nur erreichen, wenn auch direkt vor Ort daran gearbeitet wird", sagte Norbert Münch zur Motivation von ehrenamtlichen Bürgern, die sich im Klimabeirat und an seinen Projekten engagieren.

Klimabeirat

Der Klimabeirat Lauchringen ist ein ehrenamtliches Gremium aus Vertretern des Gemeinderats, der Verwaltung und aus sachkundigen und engagierten Bürgern der Gemeinde. Ziele sind, die Entscheidungen der Gemeinde zum Klimaschutz kritisch zu begleiten, neue Ideen zu sammeln, deren Umsetzung zu initiieren und Vernetzungen mit anderen Klimaschutzgruppen in der Region zu fördern. Außerdem erfolgt auf Anforderung eine Unterstützung und Beratung der Einwohner in energierelevanten Angelegenheiten. Das Gremium entstand nach zwei Klima-Workshops der Gemeinde im vergangenen Jahr und einem Beschluss des Gemeinderates der Gemeinde Lauchringen. Vorsitzender ist Norbert Münch, Geschäftsführer der Firma Simmler GmbH, Lauchringen. Auskünfte sind erhältlich per E-Mail (klimabeirat@lauchringen.de).

So sehen die ersten Ergebnisse aus

  • Messdaten der Wetterstation: Niederschlag (Menge und Rate); Lufttemperatur und Wind-Chill (gefühlte Temperatur); Taupunkt; Luftdruck und Luftfeuchte, Windrichtung und -geschwindigkeit, Solarstrahlungsintensität u. UV-Dosis, THSW-Index (Temperatur, Feuchte, Sonne, Wind), Evapotranspiration (Verdunstungsmenge)
  • Auswertungen: Für den Zeitraum zwischen dem 27. November und dem 7. Januar konnten bereits erste Daten ausgewertet werden:

Der Lauchringer Dezember 2017 war mit 16 Frosttagen und einer Durchschnittstemperatur von 1,38 Grad Celsius 0,42 Grad kälter als die Norm von 1981 bis 2010. Mit 83,2 Litern Niederschlag pro Quadratmeter war es 24,8 Liter zu trocken und 18:40 Sonnenstunden reichten nur für 42 Prozent der Dezembernorm.

Die erste Januarwoche war ohne Frosttage mit einer Durchschnittstemperatur von 6,6 Grad um 5,8 Grad zu warm. Am 10. Dezember wurde mit minus 5,9 Grad die kälteste Temperatur gemessen.

An 6 Niederschlagstagen fielen mit üppigen 71,6 Litern bereits 85 Prozent des langjährigen Niederschlagsdurchschnitts für den Monat Januar und die Sonne schaffte mit 9,5 Stunden bisher lediglich 17 Prozent der Januarnorm.

Orkantief Burglind bescherte Lauchringen am 3. Januar mit 93,3 Kilometern pro Stunde die höchste Windgeschwindigkeit der letzten Jahre. Mit 4 Stunden und 40 Minuten zeigte sich die Sonne am Neujahrstag bisher am längsten in diesem Jahr.