Christian Adeler (36) ist am Donnerstag unter dem Motto "Ein Mann – ein Weg" seinen 16-monatigen Fußmarsch von Lauchringen nach Tokio gestartet. Das ist nicht das erstes Mal. Er hat schon Deutschland und die Benelux-Länder durchwandert und ist vor drei Jahren auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela gelaufen. Was treibt ihn dieses Mal an?

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"Meine Hauptmotivation war der Blick auf die Waage", sagte Adeler bei seinem Abschied im Lauchringer Rathaus schmunzelnd. "Ich dachte, ich sollte wieder einmal laufen. Für mich war klar, es müssen mindestens 3000 Kilometer sein. Fliegen wollte ich nicht, also habe ich mich für den zentralasiatischen Raum entschieden. Da ich die japanische Kultur mag ist es dann Tokio geworden."

Auf der Reise will er 32 Kilogramm verlieren

Christian Adeler habe dann mit einem Freund gewettet, dass er mindestens 32 Kilogramm verlieren wolle. "Sowieso bin ich ein Energiebündel", fügte er hinzu. Einsam werde er sich nicht fühlen, tagsüber werde er die Natur und die Menschen wahrnehmen, die Nächte werde er in seinem Zelt verbringen. "Auf was ich nicht verzichten will, sind die morgendliche Dusche und mein Kaffee", stellte er klar.

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Was seine Eltern dazu sagen? Mutter Monika wollte dazu nichts sagen, aber ihre Miene sprach Bände. Vater Peter Adeler sagte ganz pragmatisch: "Der packt das schon, wenn er es jetzt nicht macht, bereut er es das ganze Leben." Auch seine Freundin Marie Czeschla war von der die Idee anfangs begeistert und wäre am liebsten mitgekommen. Als es dann ernst wurde, habe sie die Idee nicht mehr ganz so gut gefunden, erklärte Adeler. "Aber wir bleiben ja in Kontakt", so der Weltenbummler.

Bürgermeister lobt Willenskraft

"Diese Willenskraft ist unglaublich", kommentierte Bürgermeister Thomas Schäuble das Vorhaben. Angst habe er übrigens keine, erklärte Adeler, er sei offen für alles. "Man weiß nie, was alles auf einen zukommt auf dem Weg. Wahrscheinlich werde ich ständig gefragt werden, woher ich komme, wohin ich gehe und wer ich bin." Christian Adeler will schauen, wo ihn das Leben hinführt. "Vielleicht bleibe ich ja auch in Japan, dem Land des Lächelns, hängen", das wolle er nicht ausschließen.

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"Das Ganze ist jedenfalls mehr als nur Sport für mich", betonte Adeler. Auf seiner 16 000 Kilometer langen Tour will er ein 16 Kilometer langes Freundschaftsband knüpfen, das er an seinem Ziel, anlässlich der Olympiade in Tokia, dem Internationalen Olympisches Komitee (IOC) übergeben möchte. Mit dem 16 Kilometer langen Freundschaftsband will er auch einen Weltrekord erreichen und ein Zeichen gegen die Distanz unter den Nationen setzen. "Ich komme mit dem Weltrekord zurück", versprach Adeler.

Die Idee hinter der Reise und wohin sie führt

Am 14. März hat der Lauchringer Christian Adeler seinen Fußmarsch nach Tokio begonnen. Adeler ist 36 Jahre alt und kommt aus Lauchringen. Er arbeitet als Coach in der Schweiz.

  • Die Idee: Die Strecke, die er zurücklegt, beträgt circa 16 000 Kilometer. Er wird 16 Länder durchqueren und 16 Monate unterwegs sein. 16 Gedenksteine, hergestellt von Rainer Höhl, werden in die 16 Städte geschickt und er plant, ein 16 Kilometer langes Freundschaftsarmband zu knüpfen, das dann als Symbol für den friedvollen Kulturaustausch dem IOC übergeben wird. Damit will er den alten Weltrekord von 13,5 Kilometer von Rainer Calmund überbieten. Die ersten 16 Meter des Freundschaftsbandes wird das Familienzentrum Hochrhein übernehmen.
  • Die Route: Christian Adeler plant folgende Wege und Zeitpunkte: Am 19. März in St. Gallen (Schweiz), am 28. März in Landeck (Österreich), am 19. April in Triest (Italien), am 2. Mai in Zadar (Kroatien), am 12. Mai in Mostar (Bosnien-Herzegowina), am 29. Mai in Nis (in Serbien), am 4. Juni in Sofia (Bulgarien), am 21. Juni in Istanbul (Türkei), am 10. August in Tiflis (Georgien), am 18. August in Jerewan (Armenien), am 23. September in Teheran (Iran), am 20. Oktober in Asgabat (Turkmenistan), am 27. November in Taschkent (Usbekistan), am 22. Dezember in Almaty (Kasachstan). Am 30. Mai 2020 will er in Shanghai (China) eintreffen, wo er sechs Monate bleiben will. Am 14. Juni wird er in Tokio eintreffen, wo er die Olympischen Spiele besuchen will, die im Juli beginnen.
  • Das Gepäck: Sein Rucksack wiegt rund zehn Kilogramm. Dabei hat er neben einer Isomatte eine Hängematte, ein Zelt, ein GPS-Gerät für die Orientierung, eine Powerbank für die Stromversorgung, ein E-Book und ein Handy. Außerdem hat er noch Bücher, eine Kamera und die Bibel dabei. Ausgegeben hat er bis jetzt circa 2000 Euro für die Visa.
  • Die Einreise/Visa: Christian Adeler vermutet, dass er sieben Paar Schuhe und drei Pässe brauchen wird. Letzteres sei bei Weltreisen so üblich, erklärt Adeler, weil manchmal ein Pass einbehalten würde. Der zweite Pass gelte zwei Jahre, den dritten Pass bekomme man nur für Weltreisen. Für den Iran zähle er auf ein Empfehlungsschreiben von einem Bekannten, für China hoffe er auf ein Empfehlungsschreiben von der Heinrich-Böll-Stiftung.