Herr Schäuble, die Bewerbungsfrist ist abgelaufen. Einzige Gegenkandidatin ist Friedhild Miller. Wie ernst ist sie zu nehmen?

Ich kenne sie gar nicht. Deshalb maße ich mir nicht an, sie zu beurteilen.

16 Jahre sind Sie im Amt. Waren die vergangenen acht Jahre schwerer als die erste Amtszeit?

Sowohl als auch. Die Projekte waren größer, damit auch der dafür erforderliche Aufwand und das finanzielle Risiko. Konkret: Für das Ärztehaus II hat die Gemeinde fünf Millionen Euro investiert, für das "soziale Quartier" im Riedpark noch einmal annähernd so viel. Umgekehrt muss ich sagen, dass viele Dinge leichter fallen mit der Erfahrung aus den ersten acht Jahren.

Was waren die Höhepunkte?

Das Gemeindejubiläum in Oberlauchringen bleibt unvergessen. Dann kamen der Bau des zweiten Ärztehauses und die Gesamtkonzeption Riedpark – von der Idee über den städtebaulichen Wettbewerb bis zur Bebauung. Das ist in unserer Gemeinde ein einmaliger Vorgang. Der jüngste große Höhepunkt war die Begeisterung, die bei der Bevölkerung im Oberlauchringer Altdorf zu spüren war bei der ersten Runde zum Ortsentwicklungskonzept.

Sie haben den Riedpark angesprochen. Die Planung dauerte einige Zeit und wurde heftig diskutiert. Wie sehen Sie das Ergebnis?

Ja, das war so. Die Diskussion im Rat wurde damit entzündet, ob wir als Gemeinde das Familienzentrum als freiwillige Aufgabe bauen dürfen. Dieser Prozess hat sich über Jahre hingezogen. Erfreulich war: der Beschluss war einstimmig. Noch erfreulicher war, dass Ulrike Holzwarth uns später damit überrascht hat, die Baukosten zu übernehmen, und wir gemeinsam eine Stiftung gegründet haben. Ob ich mit dem Ergebnis zufrieden bin? Das ist zu früh, um das zu sagen. Mein Ziel ist es, dass zum 50. Geburtstag der politischen Gemeinde am 1. Juli 2021 alles fertig ist. Dann können wir auch das gesamte Ensemble bewerten.

Man hört, dass der Wohnraum im Riedpark zu teuer sei. Wie sehen Sie das?

Je nach Bauträger und Ausbauqualität gibt es recht unterschiedliche Quadratmeterpreise beim Kauf einer Eigentumswohnung. Viel wichtiger ist für mich: Es entstehen circa 40 Mietwohnungen, die durch die Landesförderung mit einer Quadratmeter-Miete, die 30 Prozent unter der ortsüblichen Miete für Neubauwohnungen, auf den Markt kommen. Die Bindung gilt für 30 Jahre.

Wo gibt es noch preiswerten Wohnraum in der Gemeinde Lauchringen?

Die Föfa hat in Lauchringen mit die preisgünstigsten Mietwohnungen. Zukünftig haben wir im Riedpark Gemeindewohnungen und weitere Mietwohnungen, die mietvergünstigt sind. Die Wohnraumförderung durch das Land Baden-Württemberg gilt auch für 2019. Wir sind bemüht, weitere Investoren dafür zu gewinnen. Wir brauchen in Lauchringen mehr preiswerte Mietwohnungen. Das Modell ist auch für Mietwohnungen im Altdorf in Oberlauchringen denkbar.

Ein zweites wichtiges Thema war das Ärztehaus II. Wie sieht es mit der Ärzteversorgung in Lauchringen aus?

Nur für unseren Ort betrachtet, ist die Versorgung gut. Aber das ist zu kurz gedacht. Die ärztliche Versorgung ist auch regional zu betrachten. Wenn in einer Kommune der letzte Hausarzt seine Praxis schließt, ist das auch für die umliegenden ein Problem. Wir sind den niedergelassenen Ärzten in Lauchringen sehr dankbar, dass sie dafür einstehen, die hiesige Bevölkerung zu versorgen. Fachärztlich können wir die Probleme der Gesundheitsversorgung, die es landesweit gibt, nicht mit beiden Ärztehäusern lösen. Da ist die Bundes- und Landespolitik gefragt.

Wie schaffen Sie es immer wieder, Ärzte nach Lauchringen zu holen?

Grundsätzlich ist das extrem schwer. Es gibt kein Erfolgsrezept. Das Wichtigste ist, Kontakt zu jemandem zu bekommen, der bereit ist, eine Praxis zu gründen oder zu übernehmen. Wenn man jemanden gefunden hat, muss man dessen persönliche Bedürfnisse kennen, um dann Lösungen anbieten zu können. Nach meiner bisherigen Erfahrung ist das erste Gespräch schon ausschlaggebend. Eine gute menschliche Basis ist sicherlich hilfreich.

Sie haben die großen Projekte angesprochen. Die kosten eine Menge Geld. Wie stemmen Sie das immer wieder?

In den 16 Jahren meiner bisherigen Amtszeit haben wir über 70 Millionen Euro investiert, gleichzeitig ist die Nettoverschuldung um vier Millionen Euro gesenkt worden. Das ging nur, weil wir intensive öffentliche Zuschüsse beantragt hatten, und wir oft berücksichtigt wurden. Dafür braucht man sehr gute Verwaltungsmitarbeiter und politische Unterstützung.

Was sagen Sie zum Thema Bauland?

Wenn man die starke Bautätigkeit sieht, kommt einem zwangsläufig der Gedanke, dass in Lauchringen alles "zugebaut" wird. In den vergangenen 16 Jahren haben wir 160 Bauplätze erschlossen, einschließlich der Grundstücke im Riedpark. Das sind zehn Parzellen pro Jahr. Für eine Gemeinde in unserer Größe ist das vertretbar. Ein Lösungsansatz, um Fläche zu sparen, ist verdichtetes, mehrgeschossiges Bauen wie es jetzt im Riedpark zu sehen ist. Dennoch müssen wir unseren jungen Familien auch weiterhin Bauland erschließen, sonst wandern sie ab.

Was gibt es noch zu tun? Welche Ziele haben Sie im Fall der Wiederwahl?

Da ist die Fertigstellung der Umfahrung Oberlauchringens und des Baugebiets Riedpark. Eine weitere große Baustelle in den nächsten acht Jahren ist die Ortsentwicklung im Altdorf Oberlauchringen mit aktiver Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Die Familienpolitik wird weiterhin ein Schwerpunkt unserer Arbeit sein. Unter anderem müssen wir die Betreuungsangebote für Familien noch flexibler gestalten und auch neue Betreuungsplätze für Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren schaffen. Auch unsere Schulen dürfen wir nicht vernachlässigen, wir haben aktuell eine Tendenz zurück an die Werkrealschule. Für das kommende fünfte Schuljahr haben Stand heute 48 Schülerinnen und Schüler angemeldet.

Zur Person

Thomas Schäuble (57) ist seit August 2002 Bürgermeister von Lauchringen, zuvor war er Leiter des Rechnungsamts. Seit 2004 ist er im Kreistag, Mitglied des Finanz- und Verwaltungs- sowie Jugendhilfeausschusses. Seit 2007 sitzt er im Verwaltungsrat der Sparkasse Hochrhein. Er ist Mitglied der CDU, verheiratet und hat vier erwachsene Kinder.