16.000 Fahrzeuge, davon zehn Prozent im Schwerverkehr, brummen täglich auf der Landesstraße 163 (früher: B34) durch Unterlauchringen. Sie verursachen Lärm und Abgase. „Viel zu viel“, meinen Margot und Karlheinz Eisenmeier. Sie sehen ihre und die Lebens- und Wohnqualität der übrigen Anwohner entlang der Ortsdurchfahrt erheblich gemindert und haben die Gemeinde in einem offenen Brief, der dem SÜDKURIER vorliegt, aufgefordert, etwas zu tun. Sie wollen eine Geschwindigkeitsbeschränkung, Fahrbahnverengungen und fest installierte Radaranlagen.

Jährlich wachsendes Verkehrsaufkommen

Seit fast 30 Jahren wohnt die Familie Eisenmeier im Eigenheim in Unterlauchringen. Fast schon so lang kämpft sie darum, dass die Gemeinde etwas unternimmt. Unbestritten ist Lauchringen mit heute fast 8000 Einwohnern in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gewachsen, und sie wächst weiter. Margot Eisenmeier verweist auf die laufenden und geplanten Bauprojekte, die unweigerlich zu einem höheren Verkehrsaufkommen führten. Bürgermeister Thomas Schäuble sieht den Zusammenhang eher im Anstieg der Zulassungen von Fahrzeugen.

A98 mindert Problem nur teilweise

Die Ende der 1990-er Jahre frei gegebene A98 habe an der Situation nicht viel verändert. Fahrzeuglenker, besonders Lastwagenfahrer, die Richtung Klettgau unterwegs sind, würden den Umweg über die Autobahn nicht in Kauf nehmen. Besserung könnte die Ortsumfahrung Oberlauchringen als Fortsetzung des A98-Abschnitts bringen, die Ende des Jahres fertig sein soll. Das bezweifelt Eisenmeier.

Zu viel Lärm gefährdet die Gesundheit

In einem Telefongespräch mit dem SÜDKURIER bekräftigt sie noch einmal: „Der Lärm wird jedes Jahr schlimmer, er ist nicht mehr tragbar. Wir schreien uns draußen nur noch an.“ Autos, Quads, riesige Baumaschinen, Betonmischer, Kieslaster, Schwertransporter, überdimensionierte landwirtschaftliche Fahrzeuge und Motorräder würden ungebremst auf der schnurgeraden, breiten Ortsdurchfahrt an den Wohnhäusern „vorbei donnern“. Nicht zuletzt weist sie auf mögliche gesundheitliche Folgen des Lärms hin.

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Einiges versprach sie sich vom Lärmaktionsplan, der 2019 auf der Tagesordnung des Gemeinderats stand. Doch nichts ist passiert. Und sie ärgert sich darüber, dass sie und ihr Mann seit einem halben Jahr auf eine Antwort der Gemeinde auf ihren Brief warten.

Gemeinde kann nur Antrag stellen

Bürgermeister Thomas Schäuble und Dominik Weißenberger vom Bauamt erklären auf Nachfrage: „Die Gemeinde kann eine Geschwindigkeitsbeschränkung nicht anordnen, das ist Sache der Straßenverkehrsbehörde.“ Die Gemeinde Lauchringen könnte lediglich einen Antrag stellen.

Lärmaktionsplan sieht kein Tempo 30 vor

Landratsamtssprecher Tobias Herrmann präzisiert in seinem Antwortschreiben an den SÜDKURIER: „Geschwindigkeitsbeschränkungen aus Gründen des Lärmschutzes bedürfen immer der Zustimmung des Regierungspräsidiums Freiburg als Höhere Straßenverkehrsbehörde.“ Und: Der 2019 für Lauchringen erstellte Lärmaktionsplan habe als Ergebnis keine Geschwindigkeitsreduzierung aus Lärmschutzgründen gebracht.

Das Regierungspräsidium erläutert die Rahmenbedingungen:

Richtwerte: 64 Dezibel tags, 54 Dezibel nachts

Laut Weißenberger sind in Lauchringen insgesamt tagsüber 340, nachts 279 Personen einem Geräuschpegel von 55 bis 65 Dezibel ausgesetzt. In der Verkehrslärmschutzverordnung werden die Immissionsgrenzwerte für Kern-, Dorf- und Mischgebiete mit tags 64 und nachts 54 Dezibel beziffert. Zum Lärmaktionsplan seien damals fünf Stellungnahmen eingegangen. Eine zur A98, vier zur Ortsdurchfahrt Unterlauchringen. Darunter die der Familie Eisenmeier.

Jetzt schon zwei Drittel weniger Verkehr

Schäuble räumt ein: „Die Anwohner an der B34 haben am meisten Lärm auszuhalten.“ Dies sei auch der Hauptgrund gewesen, um die Umfahrung Oberlauchringen zu realisieren. Laut der Werte der Dauerzählstelle im Heidenäckertunnel rollt seit dem Bau der Umfahrung Unterlauchringen durch Lauchringen jetzt schon zwei Drittel weniger Verkehr.

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Noch mal 40 Prozent mit der Umfahrung

Nach Messungen fahren täglich im Schnitt 12.000 Fahrzeuge auf der Umfahrung A98, 16.000 rollen durch Unter- und 12.000 durch Oberlauchringen. Der Rathaus-Chef rechnet mit einer nochmaligen deutlichen Entlastung um rund 40 Prozent, wenn die Ortsumfahrung Oberlauchringen im November frei gegeben sein wird. Schäuble: „Dies ist eine Verkehrsentlastung, die sich viele Gemeinden am Hochrhein wünschen würden.“

Neu messen und neu beobachten

Die Gemeinde wolle warten, wie es sich nach Inbetriebnahme der Umfahrung entwickle. Dann soll neu gemessen und beobachtet werden, ob die prognostizierte Entlastung eingetreten sein wird. Deshalb zieht sie aktuell keinen Antrag für eine Geschwindigkeitsreduzierung für die Ortsdurchfahrt Unterlauchringen in Betracht. Ein weiteres Ziel der Gemeinde sei, den Individualverkehr zu bremsen. Ein Baustein ist das neue Carsharing-Konzept, das im Juni an den Start geht.