Herr Weber, welche Faktoren haben final zu der zweifachen Überflutung des Hochbauprojekts „Wohnen im Alter“ geführt beziehungsweise welches Resümee ist aus dem Hochwasser zu ziehen?

Bei beiden Unwetterereignissen war das noch nicht fertiggestellte Untergeschoss unseres Seniorenprojektes in Kadelburg betroffen. Während beim Jahrhundertereignis am 8. Juni nicht unerhebliche Mengen des Oberflächenwassers aus dem Trottenweg über die Zufahrt in das gemeindeeigene Grundstück und auch in zahlreiche Privatanwesen abgeschlagen wurden, war am 20. Juni die kurzzeitige Überstauung aus dem in der Nähe verlegten öffentlichen Kanal mit nachfolgendem Ablauf in den unmittelbar umgebenden Kieskörper unseres Gebäudes maßgebend. Nachdem die Kiesschicht dort gesättigt war und der undurchlässige Lehmboden in den tieferen Schichten kein Versickern zugelassen hat, drang das Regenwasser an diesem Sonntagabend vor allem über den in der Tiefgarage verlegten Pflasterbelag ein. Bei einem wasserdurchlässigeren Untergrund wären wir am 20. Juni sicherlich deutlich weniger betroffen gewesen beziehungsweise sogar schadlos geblieben.

Küssabergs Bürgermeister Manfred Weber.
Küssabergs Bürgermeister Manfred Weber. | Bild: privat

Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung wurden verschiedene Maßnahmen, erarbeitet von den Architekten Peter Schanz und Christian Burkhard sowie von Stefan Metzler, verantwortlicher Bauleiter der Firma Gehringer für „Wohnen im Alter“, vorgestellt. Worum handelt es sich dabei genau?

Uns war wichtig, dass alle für die Oberflächenwasserableitung maßgebenden Faktoren möglichst ideal ineinandergreifen. Deshalb wurden die Ausgestaltung der langen Hofzufahrt, die frühzeitige Ableitung des Oberflächenwassers in das zur Verfügung stehende Gemeindegelände mit späterer Versickerung in den wasserdurchlässigen Untergrund und eine weitere Sicherheit für die Tiefgarage mit Pumpensumpf und zusätzlichen Pumpen nun gesamthaft nochmals optimiert. Diese gemeinsame Prüfung war den beteiligten Büros und Firmen und uns wichtig, da aus jedem Unwetterereignis Lehren gezogen und gemachte Erfahrungen eingebracht werden können.

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Können mit diesen Maßnahmen weitere Überflutungen oder Wasserschäden verhindert werden?

Niemand kann Vorkehrungen für ein hundertjähriges Hochwasserereignis, wie wir es leider am 8. Juni in unserer Gemeinde erlebt hatten, so treffen, dass dabei keine Schäden mehr entstehen. Aber viele kleinere Verbesserungen können helfen, die Schadenssummen zumindest zu mindern. Das möchten wir mit den vom Gemeinderat jetzt beschlossenen Veränderungen bewirken, auch an unserer eigenen Baustelle „Wohnen im Alter“.

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Welche Auswirkungen haben die genannten Maßnahmen für die direkten Anwohner?

Neben der Gemeinde waren vor allem am 8. Juni auch viele Privatanwesen betroffen. Dem Gemeinderat und der Verwaltung war es von Anfang an wichtig, dass durch eigene kommunale Maßnahmen keine Verschlechterungen für Anwohner eintreten. Das Gegenteil ist nach den Beschlussfassungen aus der letzten Sitzung des Gremiums nun der Fall. Mit einer gezielten Wasserführung, mit einer Ableitung in das Gemeindegelände und mit einer zusätzlichen Versickerung über belebte Bodenschicht in den wasserdurchlässigen Untergrund können gegenüber dem ursprünglichen Zustand jetzt deutliche Verbesserungen geschaffen werden. Persönlich habe ich es bedauert, dass diese Absicht des Gemeinderates zwischendurch infrage gestellt wurde.

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Ist die jetzt geplante Vorgehensweise der Gemeinde auch für Privathaushalte, die ihr Grundstück besser schützen wollen, eine mögliche Variante?

Von unserer Seite aus wurde schon mehrfach betont, dass nur im Zusammenspiel von öffentlichen und privaten Verbesserungen ein vertretbarer Schutz – soweit dieser möglich ist – erreicht werden kann. Seit Jahren nehmen wir in der Ableitung von Regenwasser mit Versickerung und Pufferung bei allen neuen Baugebieten in unserer Gemeinde eine Vorreiterrolle ein. Die jetzt auch für Wohnen im Alter vorgesehene Lösung eignet sich unzweifelhaft auch für viele Nachbargrundstücke. Wichtig ist, dass Versickerungen ordnungsgemäß angelegt sind und Regenwasser nur über belebte Bodenschichten den wasserdurchlässigen Untergründen zugeleitet wird.