Herr Sauerbier, die Naturschutzgruppe Küssaberg engagiert sich seit der Gründung 1983 tatkräftig in der Gemeinde. Sie setzen sich in den verschiedensten Bereichen für die Umwelt ein. Welche Grundsätze vertritt der Verein?

Naturschutz fängt für uns vor der Haustür an und genau da werden wir aktiv. Uns ist zudem die Gemeinschaft und der Zusammenhalt sehr wichtig. Das merkt man auch an unserem Vereinsleben. Wir verstehen uns alle sehr gut und das wissen wir sehr zu schätzen.

Tina Prause
Tina Prause | Bild: Tina Prause

Wie organisiert sich die Naturschutzgruppe?

Wir sind ein eingetragener gemeinnütziger Verein mit circa 100 Mitgliedern. Rund 60 davon sind aktiv. Wir treffen uns normalerweise einmal im Monat im „Hirschen“ in Bechtersbohl. Dort besprechen wir zunächst die Arbeitseinsätze. Das geht circa eine halbe Stunde. Danach sitzen wir immer noch gemütlich zusammen. Wir legen Wert darauf, auch das Gesellige zu pflegen. Es sind über all die Jahre viele Freundschaften entstanden und die gemeinsame Arbeit verbindet. Ich bin seit 1987 Mitglied und seit 25 Jahren Schriftführer. Seit dem ersten Tag empfinde ich unser Miteinander als absolut harmonisch.

Bis heute gehört die Naturschutzgruppe zu den aktivsten Vereinen in der Gemeinde Küssaberg. Welche Aktivitäten gehören standardmäßig in ein Vereinsjahr?

Prinzipiell gehören drei große Themen fest in unser Programm. Im März/April betreuen wir einen Amphibienzaun zwischen Dangstetten und Reckingen. Ende Februar wird dieser zunächst von 20 Leuten aufgebaut. Dann gehen jeden Tag zwei Mitglieder von uns den Froschzaun ab und wir sammeln die Amphibien ein und bringen sie in die nahegelegenen Biotope. Die Hauptarbeit der Gruppe ist in den Sommermonaten die Pflege der Halbtrockenrasen, die vielen als Orchideenwiesen bekannt sind. Einmal im Jahr müssen die Wiesen gemäht werden und das Mähgut muss auch abgetragen werden. Das ist sehr wichtig für den Erhalt der Orchideen, denn diese benötigen einen nährstoffarmen Boden, der nur so erhalten werden kann. Im Herbst und Winter betreuen wir circa 100 Vogelnistkästen. Wir klettern mit Leitern an den Bäumen hoch und reinigen die Kästen.

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War die Naturschutzgruppe nicht auch verantwortlich für die Schaffung des Bohnerzweges, der in Küßnach beginnt?

Ja, unser Gründer August Amann kannte die Strecke durch den Wald und sprach irgendwann an, dass man dort einen tollen Wanderweg entstehen lassen könnte, was wir dann gemeinsam umgesetzt haben. Für diese Arbeiten haben wir 2005 den Naturschutzpreis vom Landkreis Waldshut bekommen. Heute kümmern wir uns noch jedes Jahr um die Beseitigung des Altholzes. Wer hier im Mai spazieren geht, kann bis zu 15 verschiedene Orchideenarten entdecken.

Muss mir als Mitglied klar sein, dass ich mit anpacken muss?

Nicht unbedingt. Wir haben auch passive Mitglieder. Manche sind schon viele Jahre dabei und können heute aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so aktiv mithelfen. Das macht gar nichts. Prinzipiell freuen wir uns über jeden, der dazu kommt und nehmen ihn oder sie mit offenen Armen auf. Auch Familien sind herzlichst willkommen. Gerne auch aus den benachbarten Gemeinden.

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Sie sprechen ein wenig das Thema Nachwuchs an. Viele Vereine haben damit Probleme Wie sieht das bei Ihnen aus?

Wie viele andere Vereine leiden auch wir unter mangelndem Nachwuchs. Wir sind aber froh, dass wir in den letzten beiden Jahren ein paar junge Leute für unseren Verein gewinnen konnten. Aktuell ist unser Altersdurchschnitt noch etwas zu hoch. Unser ältestes Mitglied ist 90 und wir haben einige 80-jährige, die immer noch aktiv mitarbeiten. Auch meine Altersgruppe rund um die 70 ist fit und engagiert. Trotzdem würden wir uns natürlich freuen, wenn sich ein paar Jüngere durch das Interview angesprochen fühlen und Mitglied werden.

Welcher Arbeitseinsatz macht Ihnen am meisten Spaß und warum?

Das ist definitiv die Pflege der Halbtrockenrasen. Das ist einfach die wertvollste Arbeit und unser Aushängeschild. Unsere Wiesen unterhalb der Küssaburg gehören zu den hochwertigsten landschaftlichen Gebieten Baden-Württembergs. Bei einer Zählung der verschiedensten Blumen bin ich auf gut 250 verschiedene Arten gekommen. Das ist für mich immer etwas ganz Besonderes. Für diese Arbeit wurde uns 2008 im Schloss von Stuttgart der Naturschutzpreis des Landes Baden-Württemberg verliehen. Wir haben auch zwei Enzianarten auf der Küssaburg. Und an einem kleinen Waldstück an der Küssaburg haben wir ein Gebiet, da kommt die österreichische Schwarzwurzel vor. Das ist die einzige Stelle in Deutschland.

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Corona hat vielen Vereinen und sicher auch Ihnen das Leben schwer gemacht. Wie sehen seit Beginn der Pandemie Ihre Arbeitseinsätze aus?

Eigentlich klappt es ganz gut. Wir achten darauf, die vorgeschriebenen Abstände einzuhalten. Zum Beispiel wenn ein Froschzaun erreichtet wird, dann machen wir das eben mit Abstand und mit Mundschutz. Trotz Abstandsregeln sind wir eine Einheit, daran hat auch das vergangene Jahr nichts geändert.

Gibt es Aufgaben, die aufgrund der aktuell geltenden Vorgaben in der Corona-Pandemie nicht stattfinden können?

Leider müssen momentan unsere monatlichen Sitzungen per Telefon stattfinden. Zu unseren Treffen kommen normalerweise 20 bis 30 Personen. Das geht aktuell einfach nicht und fehlt uns sehr. Auch konnten wir immer noch nicht unsere Hauptversammlung stattfinden lassen. Aber das sind zum Glück nur organisatorische Punkte.

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Gibt es neue Projekte, die Sie gerne angehen oder ausbauen möchten, sobald sich die Situation rund um die Corona-Pandemie und die Einschränkungen wieder etwas entspannt hat?

Eigentlich nicht. Denn Sie können sich sicher vorstellen, dass wir mit den 1000 Arbeitsstunden gut ausgelastet sind. Etwas neuer sind die Vermittlungen von Bäumen aus Streuobstwiesen. Das Projekt gibt es circa drei Jahre. Inhaber von eben einer solchen Wiese, die sich aus Zeit- oder Altersgründen nicht mehr darum kümmern können, melden sich bei uns. Wir vermitteln dann an interessierte Bürger weiter, die abernten und vielleicht auch bei der Arbeit helfen möchten.

Wie sieht Ihre Freizeit aus, wenn Sie einmal nichts für die Naturschutzgruppe organisieren oder planen müssen?

Da schreibe ich Bücher über die Natur. Bisher sind es acht Stück. Ich habe zum Beispiel ein Buch über die Flora der Kanarischen Inseln geschrieben und kürzlich eines über die Flora auf Madeira. Und ich bin herpetologisch interessiert. Im Südschwarzwald betreue ich die Kreuzotter-Standorte.