Herr Wyss, was hat Sie damals motiviert, Mitglied des Pontonierverein zu werden?

Man kann wohl sagen, das ist eine Familientradition bei uns. Mein Vater war durch den Militärdienst bereits Mitglied des Pontonierverein. Da habe ich immer viel mitbekommen. Ich selbst bin 1976 Mitglied geworden. Während meiner Militärzeit wurde ich und auch meine beiden Brüder zum Fahrpontonier befördert. Mittlerweile ist auch mein Sohn dabei.

Was gehört zu den Aufgaben der Mitglieder?

Da wäre natürlich der Betrieb der Seilfähre zwischen der Barz-Mühle und Kadelburg an jedem Samstag und Sonntag während der Saison. Diese beginnt normalerweise am ersten Mai und geht bis Ende Oktober. Die Pflege und der Erhalt der Fähre und des Zubehörs gehört auch dazu. Weiter nehmen wir an Wettkämpfen auf allen größeren Flüssen in der Schweiz teil. Dazu gehören Aufgaben wie Rudern, Stacheln (am Ufer entlang), Seilwettkampf und Bootsfährenbau.

Heute sind Sie Fährobmann, was bedeutet das genau? Was sind Ihre Aufgaben in dieser Funktion?

Ich bin seit 1998 Fährmann und habe 2012 das Amt des Obmanns übernommen. Das bedeutet, dass ich die ganze Einteilung für den Fährdienst mache, damit der Betrieb der Fähre gewährleistet ist. Weiter sorge ich dafür, dass die Ein- und Auswasserung durch das Tiefbauamt erfolgt, die Schwimmwesten und das Sicherheitsmaterial in Ordnung sind, sowie für die jährliche Kontrolle und das Fetten des Seils. Dazu gehört auch die ganze Administration, wie die Abrechnungen und die Statistik führen.

Wie oft trifft man Sie „am Ruder“ der Barz-Fähre an?

Im Dienst bin ich pro Saison etwa sechs Mal. Jedoch haben wir die stille Tradition, dass wir denjenigen, welcher Dienst hat mit einer Erfrischung besuchen. Mit dem Ruder habe ich dann allerdings nichts zu tun (lacht).

Die Barz-Fähre hat eine jahrhundertealte Tradition. Was bedeutet es für Sie, heute Fährmann dieser historischen Rheinüberquerung zu sein?

Uns allen vom Pontonierverein liegt der Erhalt dieser Tradition sehr am Herzen. Wir sind froh, von den beiden Gemeinden Bad Zurzach/Schweiz und Küssaberg/Deutschland in diesem Sinne unterstützt zu werden.

Ist das Interesse an der Barz-Fähre bei Ihnen auch mit einem generellen Interesse an der Geschichte unserer Region verbunden?

Es ist wohl eine besondere Verbindung zum Rhein, die mein Hobby geprägt hat. Hier bin ich aufgewachsen, hier habe ich schwimmen gelernt. Der Rhein zeigt sich immer wieder anders. Das ist spannend. Die Kombination mit der Seilfähre und dem Rhein ist für mich perfekt und wird nie langweilig.

Was macht einen guten Fährmann aus?

Naturbewusst sollte man auf jeden Fall sein, denn diese ist ein ganz wesentlicher Teil unseres Vereins und unserer Arbeit. Gerade während eines Dienstes genießen wir die Natur, beobachten die Tiere und nehmen Veränderungen ganz bewusst wahr. Hilfsbereitschaft und eine offene Art den Passagieren gegenüber gehört auch dazu. Viele unserer Gäste wollen während der Überfahrt gerne etwas mehr über die Transportart erfahren.

Ist es nicht manchmal langweilig, auf die nächste Überfahrt zu warten? Wie vertreiben Sie sich dann die Wartezeit?

Langweilig wird es uns nie, es gibt immer was zu sehen. Wenn es nicht die vielen Gummiboote sind, die im Sommer den Rhein entlang treiben, dann sind es springende Fische, die startenden Schwäne oder Entenfamilien. Der Bieber ist ab und zu auch zu sehen und beobachtet das Boot aus sicherer Entfernung. Und wir bekommen ja Besuch von unserem Umfeld, was immer schön und kurzweilig ist.

Bei welcher Wetterlage kommen Ihrer Meinung nach die meisten Gäste?

Bei leichter Bewölkung und nicht zu warmem Wetter haben wir tatsächlich die meisten Gäste. Bei voller Sonne und blauem Himmel ist es eher ruhiger. Aktuell ist noch etwas weniger los. Wir glauben, viele wissen noch nicht, dass der Betrieb begonnen hat. Und im vergangenen Jahr konnten wir ja auch nicht wie gewohnt die Saison zu Ende führen. Jetzt sind wir gespannt, wie es in diesem Jahr sein wird.

Kommt es oft vor, dass Ihre Fährgäste den Ausweis vergessen?

Da wir keine Zollfunktion haben, fragen wir auch nicht nach. Von daher machen wir lediglich die Fahrgäste zum Teil darauf aufmerksam und wissen nicht so viel darüber. Die Grenzwache macht ab und zu Kontrollen. Da passt aber eigentlich immer alles.

Was ist die am häufigsten gestellte Frage der Fährgäste?

Viele können sich nicht vorstellen, wie die Fähre ohne Motor funktioniert. Von daher gehen einige Fragen in diese Richtung. Gerne wird auch gefragt, ob wir heute schon viele Gäste hatten oder wann wir immer den Transport anbieten, weil sie vielleicht gerade nicht einen Ausweis dabeihaben, aber wiederkommen wollen.

Erinnern Sie sich an ein besonders lustiges oder besonderes Ereignis während einer Überfahrt?

Ab und zu gibt es Leute die das Ruder für ein Foto schnell halten möchten. Das ist immer lustig. Und dann gab es da mal einen Physiker, der mir während der Überfahrt auf sehr spaßige Weise erklärte, wie die ganze Wasserkraft final die Fähre bewegt. Das war echt gut.

Seit einigen Jahren unterstützt der Pontonierverein die grenzüberschreitende Kulturnacht und sorgt mit ihrem Transport für ein weiteres Highlight dieser besonderen Veranstaltung. Wird das Angebot in dieser Nacht von vielen Besuchern genutzt?

Die beiden Ufer sind in dieser Nacht gut ausgeleuchtet und das Boot ist mit einer Laterne zum Schutz für die anderen Flussbenützer beleuchtet. Für die Besucher der Kulturnacht ist das tatsächlich etwas Besonderes und für uns auch, da wir in der Nacht wirklich viele Transportgäste haben. Es macht unglaublich Spaß, Teil dieses Events zu sein.

Was sollte man Ihrer Meinung nach auf jeden Fall über die Barzfähre wissen?

Das dass Fährschiff mit reiner Wasserkraft angetrieben wird finde ich wichtig zu wissen. Und dass wir neben dem Normalbetrieb Anfragen für Sonderfahrten, auch an Arbeitstagen organisieren können wie beispielsweise Wanderklassen oder Schulklassen.

Haben andere Fähren auch einen besonderen Reiz für Sie oder liegt Ihr Schwerpunkt auf der Barzfähre? Wie ist es beispielsweise wenn Sie im Urlaub sind und auf ein ähnliches Angebot stoßen?

Mein Schwerpunkt ist die Barzfähre. Jedoch interessieren mich bei Ausflügen sicher auch andere Arten von Fährbetrieb. Zum Beispiel solche, welche motorisiert sind.

Wie verbringen Sie die Zeit ohne den Fährbetrieb im Herbst und Winter?

Die ganze Administration ist dann zu erledigen und die Vorbereitung auf die neue Saison steht an. Die Mitglieder treffen sich in dieser Zeit auch zu einem guten Nachtessen in irgendeinem Restaurant in der Nähe, abwechselnd in der Schweiz oder in Deutschland. Hier besprechen wir dann auch schon mal die Einteilung für die kommende Saison.

Die aktuelle Saison ging bereits an Pfingsten los. Ihr erster Dienst liegt auch bereits hinter Ihnen. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Auf gutes Gelingen und eine Unfallfreie Saison! Und wir hoffen natürlich auf schönes Wetter und einen guten Wasserstand während der Saison, damit wir so oft wie möglich den Fährbetrieb aufrechterhalten können.