„Wie macht ihr das denn an Weihnachten?“ Diese Frage haben wir wohl alle in den vergangenen Wochen oft innerhalb des Freundes- und Bekanntenkreises gestellt bekommen. Denn auch wenn die gelockerten Auflagen während der Feiertage Besuch zulassen, stellen sie doch viele Familien vor die unterschiedlichsten Herausforderungen. Waren es im vergangenen Jahr vielleicht noch die ausreichende Anzahl an Stühlen für die große Festtafel, die gezählt wurden, ist es in diesem Jahr die Anzahl der Familienmitglieder, die uns besuchen dürfen.

Die Reisebestimmungen

Weit verstreute Familien brüten hingegen nicht nur über Weihnachtsrezepten, sondern auch über den jeweils geltenden Reisebedingungen aus anderen Bundesländern oder gar aus dem Ausland. Nicht wenige Menschen haben sich entschieden, die Feiertage anders als in den Jahren zuvor zu verbringen und werden ihre Familien maximal virtuell sehen. Trotzdem herrscht überall, auch wenn es hier und da emotional „zwickt“, doch auch die Vorfreude auf die besinnlichen Tage.

Wenn die Familie weit verteilt ist

Hiltraud (79) und Jörg (81) Binternagel wohnen seit 1970 in der Gemeinde Küssaberg. Ihr ältester Sohn wohnt mit seiner Familie in England, ihre Tochter und Enkelin in München, der jüngste Sohn lebt in der Gemeinde. Schon immer wurde Weihnachten bei Familie Binternagel traditionell in Rheinheim gefeiert. Ab dem 23. Dezember füllte sich meist schon das Haus mit Familienmitgliedern. Der Weihnachtsbaum wird gemeinsam geschmückt, das Essen gemeinsam zubereitet. Es gibt Kartoffelsalat und für einen der Söhne Heringssalat, weil er ihn so gerne mag. „Lieder singen, Geschichten lesen – so wie es üblich ist“, berichtet Hiltraud Binternagel von weiteren lieb gewonnenen Traditionen ihrer Feiertage.

Virtuell verbunden

Die Corona-Infektion ihrer Tochter im Oktober löste den Denkanstoß bei dem Ehepaar aus. Hiltraud und Jörg Binternagel entschieden sich, in diesem Jahr den Besuch der Kinder und Enkel abzusagen. „Es ist eine Vernunftsentscheidung gewesen“, erinnern sie sich. Traurig seien alle gewesen über die Entscheidung der Eltern, aber das Verständnis sei von Anfang an bei allen dagewesen.

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Auch wenn die Familienmitglieder bis auf den jüngsten Sohn, der vor Ort wohnt, in diesem Jahr nicht persönlich mitfeiern können, hält das Ehepaar soweit möglich an den Traditionen fest. Pakete mit Plätzen und Süßigkeiten wurden schon in der Adventszeit versendet. Der Weihnachtsbaum wird in diesem Jahr etwas kleiner sein und sie werden die Weihnachtslieder aus dem Radio hören. Den Heringssalat für den Sohn aus England wird es geben – auch wenn er ihn nur virtuell sehen kann.

Hiltraud und Jörg Binternagel werden in diesem Jahr ihre Familie nur virtuell sehen. Trotzdem wird es ein traditionelles Weihnachtsfest ...
Hiltraud und Jörg Binternagel werden in diesem Jahr ihre Familie nur virtuell sehen. Trotzdem wird es ein traditionelles Weihnachtsfest geben. | Bild: Tina Prause

„Wir werden per Laptop, Tablet und dem Telefon mit allen verbunden sein“, steht für Hiltraud und Jörg Binternagel fest. Natürlich ist die Vorfreude auf Weihnachten durch die Umstände in diesem Jahr etwas geringer gewesen als in all den anderen Jahren. Dennoch blickt das Paar positiv in die Zukunft. „Der Moment, wenn wir wieder reisen können und unsere Kinder besuchen können“, darauf freuen sie sich.

Wenn die Familie vor Ort lebt

Sandra (37) und Stefan (54) Wiener wohnen schon immer in Küssaberg. Sie haben zwei Söhne. Manuel ist 13 und Simon sechs Jahre alt. Weihnachten wurde auch hier gerne traditionell mit der Familie gefeiert. Die Zeit zwischen Heiligabend und dem Festtag der Heiligen drei Könige ist außerhalb der Corona-Pandemie immer gefüllt mit geselligen Familientreffen.

Spiele und ein Ausflug in den Schnee

Sandra und Stefan Wiener wurden Mitte November positiv auf Corona getestet. Mittlerweile gelten sie als genesen. Während ihrer Zeit in Quarantäne haben sie so viel Hilfsbereitschaft erfahren, dass man im Hinblick darauf von einem vorzeitigen Weihnachtsgeschenk reden kann. „Es war unglaublich und das gute Verhältnis mit der Nachbarschaft hat sich noch verstärkt“ resümiert das Paar dankbar.

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Trotz der überstandenen Infektion wird die Familie weitgehend unter sich bleiben. „Wir werden Spiele spielen und je nach Wetterlage vielleicht mal einen Ausflug in den Schnee machen – ohne Kontakte“, erzählt Stefan Wiener von den bisherigen Planungen und schließt an: „Es ist eigentlich wie jedes Jahr, nur ohne Familie.“ Auf die Zeit nach Weihnachten und Neujahr sind sie schon jetzt alle sehr gespannt. „Schauen wir mal, was das neue Jahr bringt“, sagt Stefan Wiener positiv. Das nächste große Ziel steht auch schon fest: „Wir hoffen einfach auf die nächste Fasnacht ab dem 11. November 2021“, schließen Sandra und Stefan Wiener lachend.